Kommentar von Hans-Hubertus Braune

Einfach eindrucksvoll: In der Not zeigt sich, wie hilfsbereit die Lauterbacher sind

Eine Szene vom vergangenen Freitag - die Chefin von einem benachbarten Restaurant bringt Nudelgerichte für die Jungs vom THW und der Feuerwehr in Lauterbach
Fotos/Archivfotos: Maurice Schumacher, Hans-Hubertus Braune, privat

05.08.2026 / LAUTERBACH - Dieses Horrorszenario möchte niemand erleben: Mitten in der historischen Innenstadt bricht ein Feuer aus und greift in Windeseile auf mehrere Häuser über. Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, wie weit sich die Flammen durch die dicht besiedelte Gegend durchfressen.



Am späten Mittwochabend passiert genau das im eher beschaulichen Lauterbach im Vogelsbergkreis. In unmittelbarer Nähe des Marktplatzes zerstören die Flammen mehrere Häuser, Wohnungen und Geschäfte. Zum Glück wird niemand ernsthaft verletzt. Sechs Personen müssen allerdings wegen des Verdachts der Rauchgasvergiftung zwischenzeitlich in umliegende Krankenhäuser gebracht werden.

Schnell wurde auch den Verantwortlichen der Hilfs- und Rettungsorganisationen, der Stadt und des Landkreises klar, dass dieser Großbrand viel Manpower, viel Kraft und Zeit in Anspruch nehmen würde. Zunächst galt es, den Brand unter Kontrolle zu bringen und den Menschen, die von der einen auf die andere Minute alles an Hab und Gut verloren haben, zu helfen. Manche sind im Urlaub, wissen zunächst gar nichts vom Unglück zuhause.

Klar, solche Situationen werden in den Bildungsmaßnahmen der Organisationen geschult und geübt. In der Realität ist es aber was ganz anderes. Rund 300 Einsatzkräfte wurden im Laufe der Brandbekämpfung alarmiert, aus Lauterbach und aus der gesamten Region. Ob Feuerwehren, Rettungs- und Hilfsdienste, Technisches Hilfswerk, Stadtwerke und Energieversorger. Alle sind sofort da, vergessen Raum und Zeit. Später erhalten sie selbst von den betroffenen Anwohnern ein riesiges Kompliment. Sie geben alles, füllen Worte der Politik mit leidenschaftlichem Einsatz. Für die Mitmenschen da zu sein, ist hier in Lauterbach keine Floskel.

Mit dem Ausmaß des Brandes kommt eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang, die ihresgleichen sucht. Einfach beeindruckend, einfach nur Respekt. Als Chefreporter von OSTHESSEN|NEWS habe ich diese Hilfsbereitschaft schon des Öfteren gesehen und kommentiert. Aber Lauterbach, das war nochmal was anderes. Der eine oder andere wird sagen, dass sich der Landrat und der Bürgermeister vor Ort blicken lassen müssen, ist selbstverständlich. Stimmt. Wie intensiv, wie unterstützend Dr. Jens Mischak und Holger Marx vor Ort agieren, war aber eben nicht das "Normale" sondern außergewöhnlich. So eine Präsenz bedeutet zudem Wertschätzung für die vielen ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden, egal woher und von welcher Organisation. Auch Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck besucht am Sonntagnachmittag die Unglücksstelle.

In unserer heutigen Zeit wird vielfach von Hass, Hetze und Egoismus berichtet. Lauterbach ist der Beweis, dass unsere Welt längst nicht so schlecht ist, wofür sie von vielen leider ganz gerne gehalten wird. Gastronomiebetriebe aus der Nachbarschaft, aber auch Privatleute versorgen die Einsatzkräfte mit Getränken, bringen Essen. Sie kommen an die Absperrungen, übergeben Taschen und Kartons mit Mahlzeiten. Die Wertschätzung gibt den Helfern das gute Gefühl, dass ihre anstrengende, kräftezehrende Arbeit wahrgenommen wird.

Natürlich hätten wir alle lieber auf diese Erfahrung verzichtet. Und doch ist es mir wichtig, meine Eindrücke aus Lauterbach zu schildern. Es waren einfach Gänsehautmomente, die sich in der Vogelsberger Kreisstadt entwickelt haben. Diese beeindruckende Hilfsbereitschaft, dieser Zusammenhalt, dieses Miteinander und diese Gemeinschaft. Lauterbach, das war so beeindruckend, wie ihr zusammensteht in der Stunde, in der es in Eurer schönen Stadt so fürchterlich gebrannt hat. Lauterbach, ihr seid ein wahrer Mutmacher in einer schwierigen Zeit. (Hans-Hubertus Braune) +++

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