AfD will Bürgerentscheid
Soll die Johannes-Dyba-Allee umbenannt werden? Das sagen die Fraktionen
Fotos: ON Archiv
28.08.2026 / FULDA -
Es ist eine große Debatte in der Fuldaer Politik: Soll die Johannes-Dyba-Allee umbenannt werden? Hintergrund ist die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche und die Rolle des ehemaligen Erzbischofs Dybas dabei. In vielen Sitzungen, teilweise auch hinter verschlossenen Türen, wurde schon über den Bericht der Kommission und die Konsequenzen daraus gestritten, sogar Bischof Gerber wurde angehört. Zu einem Ergebnis kam man noch nicht. OSTHESSEN|NEWS hat die Fraktionen gefragt, wie sie zu dem Thema stehen.
SPD
"Unsere Fraktion hat den Antrag auf Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Kastanienallee bereits vor einem Jahr eingebracht. Der Bericht der Missbrauchskommission hat das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs im Bistum Fulda überdeutlich gemacht. Der Bericht dokumentiert 29 Fälle. Dabei handelt es sich nicht etwa um 29 Vorfälle oder um 29 Opfer, sondern um 29 Täter mit zum großen Teil jeweils sehr vielen Opfern. Es wurde in vielen dieser Fälle dokumentiert, dass das Bistum Priester nach Bekanntwerden sexueller Übergriffe gedeckt und einfach an eine andere Gemeinde versetzt hat. Der Schutz der Priester und der Ruf der Kirche waren dem Bistum offenbar wichtiger als der Schutz von Kindern", erklärt Fraktionsvorsitzender Jonathan Wulff.
VOLT
Die AfD-Fraktion in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung will die Bürger über die Zukunft der Johannes-Dyba-Allee entscheiden lassen. Die Fraktion hat deshalb nun ein Vertreterbegehren beantragt. "Eine Frage, die das Selbstverständnis unserer Stadt und ihr Verhältnis zur eigenen Geschichte berührt, braucht eine breitere Legitimation als eine bloße parlamentarische Mehrheit", erklärt AfD-Fraktionsvorsitzender Pierre Lamely. "Gilt für einen einmal beschlossenen Straßennamen so etwas wie eine Ewigkeitsgarantie oder wird neu bewertet, wenn sich der Blick auf eine Person im Rückblick ändert?"
Wir begrüßen die öffentliche Debatte und werden sie auch in der Stadtverordnetenversammlung offen und sachlich führen. Wir Grünen haben uns bereits vor mehr als einem Jahr mit der Frage der Ehrung Erzbischof Dybas durch einen Straßennamen auseinandergesetzt. Die Erkenntnisse der vergangenen Monate haben dieses Bild vervollständigt, und wir konnten unsere Bewertung schärfen", heißt es von der Fraktionsvorsitzenden Marie-Louise Puls.
Wir stellen uns mit aller Klarheit an die Seite der Betroffenen und Überlebenden sexuellen Missbrauchs im Bistum Fulda. Wir halten es daher für richtig und notwendig, nicht nur im Fall der Johannes-Dyba-Allee, sondern auch bei künftigen Straßenbenennungen nach Fuldaer Persönlichkeiten sehr genau zu prüfen, ob eine öffentliche Ehrung angemessen ist. Die Betroffenen verdienen eine Debatte, die verantwortungsvoll abwägt, aber auch die Bereitschaft zeigt, aus gewonnenen Erkenntnissen Konsequenzen zu ziehen", so Puls abschließend.
"Die CDU-Fraktion hat sich intensiv mit der Frage einer Umbenennung und den Erkenntnissen aus dem Kommissionsbericht befasst. Nach sorgfältiger Abwägung kommen wir zu dem Ergebnis, dass eine Umbenennung nicht gerechtfertigt ist. Der Kommissionsbericht zeigt schwerwiegende Versäumnisse und wirft Fragen der Leitungsverantwortung auf. Eine persönliche Schuld Johannes Dybas, die aus unserer Sicht die Aberkennung dieser öffentlichen Ehrung rechtfertigen würde, ist nicht belegt. Deshalb lehnen wir die Umbenennung ab und setzen uns stattdessen für eine sichtbare, kritische Erinnerungskultur ein, die den Betroffenen dauerhaft Raum gibt. Die ausführliche Begründung werden wir in den zuständigen Gremien darlegen", erklärt Fraktionsvorsitzende Patricia Fehrmann.
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