Moralapostel, sein Name und der Missbrauch

Heute vor 25 Jahren: Umstrittener Erzbischof Johannes Dyba lag tot im Bett

Heute vor 25 Jahren: Erzbischof Johannes Dyba starb im Alter von 70 am plötzlichen Herztod.
Fotos: O|N Archiv / Martin Angelstein

23.07.2025 / FULDA - Es war der 23. Juli im Jahr 2000. Heute vor 25 Jahren wurde das katholische Fulda, die Hochburg des Katholizismus, in Schockstarre versetzt: Erzbischof Johannes Dyba starb im Alter von 70 am plötzlichen Herztod. Der einstige Vatikan-Diplomat und höchst umstrittene Bischof lag morgens tot im Bett. Auch ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod gehört Dyba zu den prägenden Gestalten des Bistums - auch weil sein Name mit Skandalen verbunden ist.



In einer NDR-Reportage unter dem Titel "Die Sünden des Bischofs Dyba - Mißbrauchte Meßdiener, verantwortungslose Kirchenfürsten" findet der Journalist Stephan Wels deutliche Worte über den sittenstrengen Bischof: "Aus Protest gegen Abtreibungen läßt er die Glocken läuten und spricht vom Kinderholocaust. Als eine Aids-Initiative in seinem Dom demonstriert, nennt er sie "ein paar hergelaufene Schwule". Erzbischof Dyba aus Fulda, oberster Moralapostel der Katholiken, vor allem, wenn es gegen Homosexuelle geht."

Im Jahr 1983 wurde Johannes Dyba, der 1929 in Berlin geboren wurde, Bischof von Fulda. Er selbst sei "zahlreichen Menschen begegnet, die ihm für ihren persönlichen Glauben viel verdanken", heißt es. Mit seiner Art, das Evangelium zu verkünden und "für den unbedingten Schutz des Lebens einzutreten", habe Dyba viele geprägt und beeindruckt. Aber es gab auch viele Schattenseiten, die heute vor allem auch dazu führen, dass immer mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren.

Der Name Dyba und Missbrauch in der Kirche

Der amtierende Fuldaer Bischof Michael Gerber, der das Bistum seit 2019 leitet und auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, hat seinen Vor-Vorgänger, Erzbischof Dyba, vor wenigen Wochen für dessen Umgang mit Missbrauch kritisiert. So habe er damals das für das Vertrauen in die Kirche so wichtige Thema an einen anderen Geistlichen im Bistum delegiert, ohne seiner Letztverantwortung gerecht zu werden. Aufarbeitung und Konsequenzen: Fehlanzeige! Dyba drückte bei diesem Thema also immer wieder beide Augen zu, äußerte sich aber regelmäßig scharf über gesunde und vermeintlich ungesunde Sexualität. Das führte damals in einem konkreten Fall sogar zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen den Bischof.

Auch heute ist der Name Johannes Dyba nicht vergessen, spätestens seit der Veröffentlichung des mehrere hundert Seiten starken Missbrauchsberichts des Bistums Fulda vor wenigen Wochen. Er arbeitet die Zeit von 1945 bis 2024 auf. In diesem Zusammenhang wird auch über die Johannes-Dyba-Allee im Barockviertel, die womöglich umbenannt werden könnte, diskutiert.

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) schloss einen solchen Schritt auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Anfang Juli nicht aus. Hintergrund sei ein neuer Bericht zu Missbrauch, sexualisierter Gewalt und Vertuschung im Bistum Fulda. Der Expertenbericht übt auch Kritik am früheren Erzbischof Johannes Dyba (1929–2000). Er leitete das Bistum von 1983 bis zu seinem Tod im Jahr 2000.

Dyba, der unter den deutschen Bischöfen als einer der konservativsten Repräsentanten der katholischen Kirche galt, wurde in der Johanneskapelle des Doms zu Fulda beigesetzt. Der "Tagesspiegel" nannte ihn nach seinem Tod den "Poltergeist des Herrn". (Christian P. Stadtfeld) +++

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