Antrag sorgt für Wirbel

Domstadt diskutiert: Soll die Johannes-Dyba-Allee umbenannt werden?

Kontroverse in Fulda: SPD/Volt fordern Rückbenennung der Johannes-Dyba-Allee in Kastanienallee.
Fotos: Marvin Myketin

10.09.2025 / FULDA - In der Domstadt flammt derzeit eine kontroverse Debatte auf, die nicht nur politische Gremien bewegt. Soll die nach dem früheren Bischof Johannes Dyba benannte Allee künftig wieder ihren alten Namen Kastanienallee tragen? Auslöser für diese Frage ist ein Antrag, den die Fraktionsgemeinschaft von SPD und Volt am Montag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht hat.



Die endgültige Entscheidung wurde zunächst vertagt: Der Haupt- und Finanzbeschuss wird sich weiter beraten und über die Rückbenennung abstimmen.

Die Diskussion um den Straßennamen ist brisant. Dyba war von 1983 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 Oberhirte des Bistums Fulda. Schon zu Lebzeiten sorgte er mit provokanten Aussagen für Schlagzeilen und polarisierte stark. Im Licht neuer Erkenntnisse über Missbrauchsfälle im Bistum steht er nun zusätzlich in der Kritik. Eine unabhängige Kommission hatte vor wenigen Monaten ihren Abschlussbericht vorgestellt. Darin wurde dokumentiert, dass es während Dybas Amtszeit zahlreiche Fälle sexualisierter Gewalt durch Priester gab.

SPD/Volt fordert Kommission

Vor diesem Hintergrund stellt die SPD/Volt-Fraktion infrage, ob Dyba als Namensgeber für eine Straße noch tragbar ist. In ihrem Antrag heißt es wörtlich: "Die besondere Ehre, die ihm durch die Benennung der am Dom vorbeiführenden Straße als Johannes-Dyba-Allee zuteilwurde, hat er nach Meinung der SPD/Volt-Fraktion nicht verdient." Deshalb beantragen die Initiatoren nicht nur die Rückbenennung der Straße in ihren alten Namen Kastanienallee, sondern auch die Einrichtung einer Kommission, die sich mit weiteren Fuldaer Straßennamen befasst. Konkret genannt werden der Eduard-Schick-Platz und die Adolf-Bolte-Straße.

Haupt- und Finanzausschuss trifft Entscheidung

Politisch ist das Thema heikel, denn Straßennamen stehen symbolisch für Erinnerung und Anerkennung. Während SPD und Volt Verantwortung für Versäumnisse im Umgang mit Missbrauch anlasten, haben Vertreter anderer Fraktionen bereits davor gewarnt, vorschnelle Urteile zu fällen. Die CDU, die mit Abstand größte Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, will das Thema "sorgfältig und differenziert" prüfen lassen. Dass die Angelegenheit in den Haupt- und Finanzausschuss verwiesen wurde, zeigt, dass hier noch intensive Debatten zu erwarten sind.

Ein praktisches Hindernis gibt es im Fall der Johannes-Dyba-Allee nicht: Die kurze Straße, die direkt am Dom vorbeiführt, ist unbewohnt. Anwohner müssten also keine neuen Ausweise oder Adressänderungen befürchten. Vielmehr geht es um die Frage, wie Fulda mit seiner eigenen Geschichte umgehen möchte – und ob die Stadt mit der Rückbenennung ein deutliches Signal in Richtung Aufarbeitung setzen will. (Constantin von Butler) +++

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