Streit um Erinnerungskultur wächst

Haben wir in Fulda nicht andere Probleme, als die Johannes-Dyba-Allee?

Seit fast einem Jahr diskutiert die Fuldaer Stadtpolitik intensiv über die Zukunft der Johannes-Dyba-Allee.
Fotos: Hendrik Urbin

23.08.2026 / KOMMENTAR - Seit fast einem Jahr diskutiert die Fuldaer Stadtpolitik intensiv über die Zukunft der Johannes-Dyba-Allee. Die große Frage: Verliert der frühere Bischof seine Allee oder nicht? Sitzungen über Sitzungen, vertraulich – ohne die Öffentlichkeit, unabhängige Kommissionen haben berichtet, die Fraktionen streiten, der amtierende Bischof wurde gehört - aber ein Ergebnis gibt es noch immer nicht.



Langsam muss man die Frage stellen: Haben wir in Fulda nicht andere Probleme, als über Straßennamen zu philosophieren, zu diskutieren oder zu streiten?

Wir haben echte Probleme: Die Stadtkasse schrumpft, Steuereinnahmen fehlen, Traditionsunternehmen schließen, die Wirtschaft stöhnt und hat größte Probleme, die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen sind enorm - und Fulda veranstaltet Sitzungen über Sitzungen zur Zukunft der Dyba-Allee?

Natürlich spielen Geschichte und Vergangenheit eine wichtige Rolle, vor allem auch im Hinblick auf die Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche. Im Jahr 2000 ist Erzbischof Dyba verstorben. Von 1983 bis zu seinem Tod war er Oberhirte in der Domstadt. Weil ihm eine Mitverantwortung für sexuellen Missbrauch im Bistum angelastet wird, soll die Straße umbenannt werden. Eindeutige Beweise für schuldhaftes Handeln gibt es nicht.

Straßenumbenennung als Krisenbewältigung? Nein!

Die Straßenumbenennung steht weiter im Raum. Ernsthaft? Soll so Krisenbewältigung und Aufarbeitung von Geschichte aussehen? Nein! Und warum wird jetzt, 26 Jahre nach Dybas Tod, darüber so intensiv diskutiert? Die erzkonservative Stadtgesellschaft ist über den Vorstoß von der SPD - die auf jeden Fall eine Umbenennung will - geschockt, die CDU wackelt und die junge Generation der Menschen, die in Fulda leben, weiß gar nichts mit der Umbenennungsposse anzufangen.

Dyba war ein streitbarer Erzbischof der alten Schule. Das ist korrekt. Er war ein Mensch der klaren Worte und er hat auch nicht mit Kritik gespart. Aber er war auch eine Persönlichkeit, die über Fulda hinaus hohe Anerkennung genossen hat. Deshalb muss man sich fragen: Sollte das Wirken jetzt durch die Straßenumbenennung ausgelöscht werden? Nein, denn bis das Gegenteil bewiesen ist, dass Dyba wissentlich sexualisierte Gewalt gedeckt haben soll, gilt die Unschuldsvermutung. Auch in Fulda.

Vielmehr sollten sich die Damen und Herren Kommunalpolitiker darum kümmern, dass die Geschichte des Missbrauchs in der katholischen Kirche dauerhaft in Erinnerung bleibt. Eine wirkliche Erinnerungskultur wird nicht durch den Austausch von Straßenschildern erreicht. (Christian P. Stadtfeld) +++

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