Gräben im Schlösschen

Vereidigt von seinem Kritiker: Rothmund startet zweite Amtszeit

Am Donnerstagabend nahm Dirk Fischer, inzwischen Vorsitzender der Gemeindevertretung, Johannes Rothmund den Amtseid für seine zweite Amtszeit ab.
Fotos: Moritz Bindewald

29.05.2026 / EICHENZELL - Mit 112 Stimmen Vorsprung hatte Johannes Rothmund (CDU) im Dezember die Bürgermeisterwahl gewonnen. Sein schärfster Kritiker in der Schlussphase des Wahlkampfs war Dirk Fischer (SPD) gewesen - damals Ortsvorsteher, der kurz vor dem Wahltag ein Video auf Facebook veröffentlicht hatte, in dem er Rothmunds Herausforderer Lutz Köhler als "Glücksfall für Eichenzell" bezeichnete und den Amtsinhaber frontal angriff. Am Donnerstagabend nahm Fischer, inzwischen Vorsitzender der Gemeindevertretung, Rothmund den Amtseid für seine zweite Amtszeit ab.



Rothmund nahm es, wie es schien, mit Fassung. In seiner Antrittsrede sprach er von Dankbarkeit und Demut - nach 112 Stimmen Vorsprung klingt das nicht aufgesetzt. Und er legte gleich nach: "Ein Bürgermeisteramt ist kein persönlicher Erfolgsträger. Es ist ein Wahlamt, ein Dienstamt."

Was folgte, las sich über weite Strecken als Botschaft an alle im Saal: "Die Menschen erwarten von uns nicht permanente Empörung oder parteitaktische Inszenierung. Sie erwarten Verlässlichkeit und Anstand." Und: "Unsere Aufgabe ist es nicht, Gräben zu vertiefen, sondern Brücken zu bauen."

Schwierige Mehrheitsverhältnisse

Köhler, gegen den Rothmund 2.857 zu 2.745 Stimmen gewonnen hatte, war parteilos angetreten, aber als SPD-Fraktionsvorsitzender in Eichenzell bekannt. Er hat nach der Niederlage angekündigt, die laufende Wahlperiode zu beenden, aber nicht mehr zu kandidieren. Wie schwierig das Terrain für Rothmund ist, zeigen die Mehrheitsverhältnisse in der Gemeindevertretung.

Die CDU wurde bei der Kommunalwahl im März zwar mit knapp 48 Prozent und 18 Sitzen deutlich stärkste Kraft - die absolute Mehrheit verfehlt sie in der 37-köpfigen Gemeindevertretung trotzdem. Bürgerliste (10 Sitze), SPD (6), FDP (2) und CWE (1) kommen zusammen auf 19 Mandate und haben sich als informeller Block etabliert, der bei wichtigen Abstimmungen regelmäßig gemeinsam gegen die CDU stimmt. Fischer wurde so trotz des CDU-Wahlerfolgs zum Vorsitzenden der Gemeindevertretung gewählt - für die Christdemokraten ein rotes Tuch.

Die Gräben im Schlösschen sind tief

Auch sonst klaffen harte Gräben zwischen den Fronten - und dabei gälte es schwere Herausforderungen zu bewältigen. Der Haushalt 2026 weist ein Defizit von 1,4 Millionen Euro auf, die Steuererhöhungen sind bereits beschlossen. Bürgerliste und SPD warnen: Ohne Kurswechsel drohe in den nächsten Jahren ein Haushaltssicherungskonzept. Der Streit um einen vermeintlichen Schwarzbau in der Turmstraße - bei dem der Gemeindevorstand das Einvernehmen für ein Bauprojekt erteilte, ohne die von der Gemeindevertretung beschlossenen Auflagen zu erfüllen - zog sich bis zum Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

Neben Rohtmund wurde Valentin Witzel (FDP) als letzter der neu gewählten Beigeordneten vereidigt - mit etwas Verspätung gegenüber seinen Kollegen, die bereits im April ihr Amt angetreten hatten. Auch dabei nahm Fischer den Eid ab, Rothmund verlas die Urkunde. Ein Bild, an das sich die Eichenzeller wohl erst noch gewöhnen müssen. (mmb) +++

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