Was macht eigentlich …? (27)

"Enkeldienst" für Ex-OB Gerhard Möller: "Meine Familie steht an erster Stelle"

Wie verbringt Ex-Oberbürgermeister Gerhard Möller seinen Ruhestand? O|N hat nachgefragt.
Archivfotos: O|N

07.12.2020 / FULDA - Als die Osthessen-News-Redaktion das letzte Telefonat mit Fuldas ehemaligem Oberbürgermeister Gerhard Möller hatte, da war er gerade am Bügeln, als das Telefon klingelte. "Unprätentiös" nannte der zuständige Redakteur das damals. Heute, mehr als ein Jahr später, ist an dieser Beschreibung nicht viel zu rütteln. Als wir den Oberbürgermeister a. D. telefonisch erreichen, ist er gerade auf dem Sprung. "Ich habe Enkeldienst", sagt er und lacht. Seine Familie steht für den inzwischen 71-Jährigen zu Rentenzeiten mehr denn je an erster Stelle. Auch, wenn seine Zeit darüber hinaus mit zahlreichen Ehrenämtern ausgefüllt ist.



Wirklich von der Bildfläche der Barockstadt verschwunden ist Gerhard Möller auch nach dem Amtswechsel an der Spitze des Fuldaer Stadtschlosses nicht. Schuld daran sind nicht nur seine Ehrenämter, die er nach wie vor ausübt. Zum Beispiel ist er Vorsitzender des Fuldaer Geschichtsvereins, ist in der Förderstiftung von antonius Netzwerk Mensch, bei der Heim-VHS Burg Fürsteneck und engagiert sich für die Kulturreihe "Literatur im Stadtschloss". "Die konnte dieses Jahr nicht stattfinden. Aber langweilig wurde es mir dennoch nicht."

Dafür sorgten unter anderem seine sieben Enkel im Alter von vier Monaten bis sieben Jahren. "Die wohnen zum Glück ganz in der Nähe und mich um sie zu kümmern, gibt mir wirklich etwas zurück", sagt er, und man kann förmlich hören, wie ein Lächeln seine Lippen umspielt. Das vergeht auch nicht, als er danach an seine langen Jahrzehnte in der Politik zurückdenkt. "Es waren sehr interessante Jahre", sagt er.

Begonnen haben diese nicht erst, als Möller 1974 Vorsitzender der CDU in Ebersburg wurde, sondern bereits während der Schulzeit. "Ich war schon während meines Abiturs an der Rabanus-Maurus-Schule sehr interessiert an Politik." In ganz Osthessen bekannt geworden ist er dann aber, als er knapp 17 Jahre lang als Vizelandrat im Kreis wirkte und 2003 als Oberbürgermeister ins Stadtschloss einzog. "Wenn ich an meine zwei Amtszeiten zurückdenke, dann bin ich besonders stolz darauf, Fulda handlungsfähig gehalten zu haben. Und zwar auch in schwierigen Zeiten. Die Zahlen sprechen für sich", sagt er nicht ganz unbeeindruckt und erinnert sich dann daran zurück, wie zum Beispiel der Universitätsplatz unter ihm neugestaltet wurde. Aber nicht nur ein Auge auf die Stadtmitte habe er gehabt. "Auch die Stadtteile habe ich nicht vernachlässigt." Einen Wehmutstropfen gibt es aber dennoch: "Beim interkommunalen Gewerbegebiet bin ich nicht so weit gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte."

Die meisten grauen Haare habe er jedoch in einer anderen Zeit bekommen, erzählt er, als er an seine Zeit als Oberbürgermeister zurückdenkt: "Das waren die Krisen am Klinikum. Zum Beispiel, als sich im Jahr 2007 Menschen am Klinikum und dem zugehörigen Heilig Geist Seniorenzentrum mit Salmonellen infiziert hatten. Oder als wenige Wochen später Legionellen im dortigen Trinkwasser gefunden wurden und es Probleme in der Sterilisation gab."

Aber trotz schwieriger Zeiten wie diesen möchte Möller keinen Tag als Oberbürgermeister von Fulda missen. Mindestens genauso froh ist er aber darüber, dass er nun in seinem Ruhestand seine Familie an erste Stelle heben kann. "Und ich freue mich darüber, nun ausreichend Zeit dafür zu haben, Medien zu konsumieren und Bücher zu lesen. Ob online oder print. Und ich liebe es, gemeinsam mit meiner Frau in der Rhön wandern zu gehen." (Suria Reiche) +++

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