Was macht eigentlich ... (14)

... Ceto aus dem Klangkeller? Auf der Suche nach einer neuen Party-Location

Als Cevdet Deniz vor dem ehemaliugen Klangkeller steht, bekommt er Gänsehaut auf den Armen. Vor vier Jahren hat er den Techno-Club geschlossen.
Fotos: Suria Reiche

24.08.2020 / FULDA / LAUTERBACH - Er sei so etwas wie ein Vater, ein Onkel und ein bester Freund für die Gäste seines Clubs "Klangkeller" am Peterstor in Fulda gewesen. "Wir waren eine große Familie", sagt Cevdet Deniz, den alle nur als Ceto kennen, als er mit Gänsehaut auf den Armen vor den Türen seiner ehemaligen Diskothek steht. Vor etwa vier Jahren hat er sie für immer geschlossen.



Es war das Jahr 2016, als Ceto die letzte Party in den Räumen des Klangkellers schmiss. "Ich hatte schlichtweg keinen Bock mehr", sagt er heute. Ein weinendes Auge sei damals aber dennoch dabei gewesen. "Nicht nur bei mir. Auch viele meiner Stammgäste haben geheult und gefragt, wie ich das nur machen kann." Doch die Entscheidung des 46-Jährigen stand fest: "Es gab einfach zu viele Beschwerden von Anwohnern und nur die wenigsten wussten, dass ich den Club damals ganz allein geschmissen habe", sagt er. Lediglich an der Tür habe er einen Angestellten als Bodyguard gehabt. Den Rest, also die Theke und sogar das Putzen am nächsten Tag, habe er selbst gemacht. "Der Klangkeller war mein Wohnzimmer. Und auch das meiner Gäste." Und dennoch: Anfang 2016 sollte Schluss sein. "Ich habe mich danach erstmal eine Weile zurückgezogen, bin viel gereist, habe sogar einige Zeit in Istanbul gelebt."

Aber ganz weg von der Techno-Szene kam der Lauterbacher nie. Zwischenzeitlich organisierte er sogar große Veranstaltungen. Zum Beispiel "Kunterbunt im Untergrund" während der Faschingszeit, das Kontrast-Festival in einem alten Kraftwerk in Borken oder die Partyreihe mit dem Namen "Artgerechte Haltung" im KUZ Kreuz in der Schlitzer Straße. "Die war mega gut besucht." Aber irgendwie war auch das nichts für die Ewigkeit. Auch wenn Ceto heute sagt, dass er die Reihe sehr gern wieder wachküssen würde. "Es gab und gibt immer wieder Angebote von Leuten, die gemeinsam mit mir etwas auf die Beine stellen wollen." Eigentlich will Ceto aber etwas Eigenes. Und dafür hat er schon eine Menge Ideen. "Aktuell bin ich auf der Suche nach einer mindestens 400 Quadratmeter großen Halle. Wenn ich die finde, dann kann’s losgehen." Vom 120 Quadratmeter kleinen Klangkeller auf mindestens 400 also. "Ich habe keine Sorge, das krieg ich voll", sagt Ceto und lacht. Immerhin habe er nicht nur ein gutes Team und große, bekannte DJs mit an Bord, sondern auch viel Erfahrung. "Um einen Club zu leiten, muss man eigentlich Psychologie studiert haben", sagt er und schiebt dann hinterher: "Wenn es einer packt, dann ich."

Eigentlich, so sagt Ceto, könne er sich auch komplett aus der Veranstaltungsbranche zurückziehen und sich zur Ruhe setzen, das Leben genießen. "Aber ich habe noch eine Aufgabe zu erfüllen. Ich glaube, ich bin noch nicht da angekommen, wo ich hinmöchte." Mit der neuen Disko könne er eine Bereicherung für die Barockstadt schaffen, sagt er. "Mit meinem Konzept würden nicht nur Leute aus dem Umkreis von Fulda, sondern auch von weiter weg kommen." Da ist sich Cato sicher und erklärt, dass er diesmal keinen reinen Techno-Club eröffnen will. An einem Tag in der Woche solle Hip Hop gespielt werden. Und auch für Fremdveranstaltungen sei er offen. "Karma" soll der neue Club heißen, für den Ceto nach einer Location sucht. Weil Karma das ist, an das der 46-Jährige fest glaubt: "Ich hoffe sehr, dass es Gerechtigkeit gibt." Und genauso hofft er, dass er das Fuldaer Nachtleben schon bald wieder um eine Möglichkeit für Techno-Fans bereichern kann. "Einige meiner Gäste aus dem Klangkeller sagen, sie seien nicht mehr weg gewesen, seitdem ich die Türen geschlossen habe. Das muss nachgeholt werden." (Suria Reiche) +++

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