Großer Medienrummel zum Prozessauftakt

Anklage: Mord aus Habgier, Heimtücke und um eine Straftat zu ermöglichen

Rechtsanwalt Christian Celsen und der Angeklagte
Fotos:ci

29.01.2026 / FULDA - Unter großem Medien- und Publikumsinteresse hat am Landgericht Fulda der Prozess gegen den 51-jährigen Matthias S. begonnen, dem die Staatsanwaltschaft Fulda heimtückischen Mord aus Habgier an einem älteren Ehepaar aus Wildeck-Richelsdorf (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) vorwirft. Als der Angeklagte in Handschellen in den Gerichtssaal geführt wurde, begann eine Frau im Publikum laut zu schluchzen.


Der Fall hatte nicht nur in der Umgebung von Wildeck großes Aufsehen erregt. Das Ehepaar im Alter von 67 und 63 Jahren war am 28. Juni 2025 aus seinem Haus verschwunden, nur deren geistig beeinträchtigter Sohn wurde dort vorgefunden. Nach intensiver Absuche der Umgebung wurden die Leichen der beiden brutal erstochenen Opfer in einem nahegelegenen Waldstück aufgefunden.

In Verdacht geriet schnell der zu Tatzeit 50-jährige Handwerker, der am Tag ihres Verschwindens bei den Eheleuten zum Ausmessen der Fenster gewesen war. Er hatte nicht zum ersten Mal bei ihnen gearbeitet und soll laut Anklage gewusst haben, dass das Ehepaar üblicherweise größere Bargeldbeträge im Haus aufbewahrte. Da der Mann selbst in großen Geldschwierigkeiten steckte, hatte er offenbar beschlossen, seine Auftraggeber umzubringen und sich des Geldes zu bemächtigen. Nachdem ihn das Paar noch zum gemeinsamen Abendessen eingeladen hatte, wollte ihm der Hausbesitzer noch einen Abstellraum zeigen, den er ebenfalls umbauen lassen wollte. Dort überraschte ihn der Handwerker und erstach ihn mit acht Messerstichen in den Nacken, wobei er eine Arterie traf. Der 67-Jährige starb fast unmittelbar darauf an inneren Blutungen.

Vielfach brutal mit dem Messer zugestochen

Auch die 63-jährige Ehefrau attackierte der Angeklagte kurz darauf und stach ihr zwölfmal mit dem Messer in die Brust. Einer der Stiche war so heftig, dass das Messer aus dem Rücken wieder austrat. Auch die wehr- und ahnungslose Frau erlag kurz darauf ihren tödlichen Verletzungen. Anschließend suchte der Angeklagte im Haus nach dem Geld. Von früheren Terminen bei dem Paar wusste er, dass es in einem Raum einen Tresor gab. Doch weil daraus zuvor einmal 12.000 Euro verschwunden waren, während der Handwerker dort war, hatte der Hausbesitzer das Geld mittlerweile im Kinderzimmer versteckt, so dass der 51-Jährige nicht fündig wurde.

Beeinträchtigten Sohn im Haus eingesperrt

Dem 40-jährigen geistig beeinträchtigten Sohn hatte der Angeklagte das Telefon abgenommen und ihm untersagt, nach unten zu gehen, bevor er ihn im Haus einsperrte. Schließlich bediente er sich des Motorrollers des toten Rentners, um die beiden Leichname mittels eines Anhängers in ein nahegelegenes Waldstück zu transportieren und sie dort unter Laub und Reisig zu verstecken.

Dort entdeckte die Polizei, die mit einem Leichenspürhund nach dem verschwundenen Paar gesucht hatte, kurz darauf die Leichen. Der Handwerker, auf den schnell der Verdacht gefallen war, wurde einen Tag später verhaftet und sitzt seither in der JVA Fulda in Untersuchungshaft.

Angeklagt ist Mord aus Heimtücke und Habgier und um eine weitere Straftat - den Raub - zu ermöglichen. Laut Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Celsen will sich sein Mandant am Freitag selbst zu seinen persönlichen Verhältnissen und auch zu den Tatvorwürfen äußern. Rechtsanwältin Theresa Gescher vertritt den Sohn als Nebenenkläger, Rechtsanwalt Knut Hillebrand dessen beide Schwestern.

Das Schwurgericht hat 16 Verhandlungstage terminiert, das Urteil wird voraussichtlich Ende April fallen. (Carla Ihle-Becker)+++




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