Elf Tote nach tödlichen Schüssen

Was man über die schreckliche Tat in Hanau weiß

Unser Kooperationspartner FOCUS Online hat die wichtigsten Fakten zum Anschlag in Hanau zusammengestellt
Foto: Henrik Schmitt

20.02.2020 / HANAU - Ein schweres Gewaltverbrechen erschüttert Hanau. Insgesamt gibt es elf Tote, weitere Menschen werden schwer verletzt. Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter endet erst nach Stunden. Der Fall gibt viele Rätsel auf. Unser Kooperationspartner FOCUS Online beantwortet die wichtigsten Fragen.



Was ist in Hanau passiert?

Gegen 22 Uhr am Mittwochabend hat ein Täter im hessischen Hanau zuerst ein Lokal am Heumarkt, im Westen der Stadt, angegriffen. Laut Informationen der "Bild"-Zeitung handelte es sich dabei um die Shisha-Bar "Midnight". Dort wurden mehrere Menschen erschossen, so ein Polizeisprecher. Augenzeugen sollen demnach von acht bis neun Schüssen berichtet haben.
 
Ein dunkler Wagen sei schließlich von dort aus davongefahren, danach wurden im weiter westlich gelegenen Stadtteil Kesselstadt weitere Menschen erschossen. Auch hier soll sich die Tat in einem Lokal abgespielt haben, dabei soll es sich um das "Arena Bar & Café" handeln.

Nach den tödlichen Schüssen am Abend fanden Polizisten am frühen Donnerstagmorgen in einer Wohnung zwei weitere Leichen, unter diesen sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Täter, so der Polizeisprecher weiter. Nach Zeugenaussagen zu einem Fluchtfahrzeug seien Spezialkräfte der Polizei in eine Wohnung im Stadtteil Kesselstadt eingedrungen, sagte der Sprecher. Dort seien die beiden Toten entdeckt wurden.

Insgesamt kamen damit elf Menschen am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag ums Leben, darunter der mutmaßliche Täter.

Besteht noch Gefahr?

Es gibt laut Polizei keine Hinweise auf weitere Täter. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot an den Tatorten vertreten, es waren auch Einsatzkräfte aus Bayern im Einsatz.

Was wissen wir über den Täter und sein Motiv?

Bei dem Täter handelt es sich mutmaßlich um einen 43 Jahre alten Mann, der Tobias R. heißen soll. Laut Informationen der "Bild"-Zeitung soll es sich bei ihm um einen Deutschen handeln. Zudem soll der Mann einen Jagdschein besitzen. In seinem Fahrzeug sollen neben Munition auch Magazine und ein Holster gefunden worden sein. Tobias R. war den Sicherheitsbehörden nicht bekannt, wie die "Tagesschau" berichtet.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sind außerdem ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden worden. Beides werde nun ausgewertet, das Motiv sei noch unklar, hieß es am Donnerstagmorgen. In dem Schreiben sprach der Täter unter anderem davon, dass bestimmte Völker vernichtet werden müssten, deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr zu schaffen sei.

Zudem hat der mutmaßliche Täter nach Informationen aus Sicherheitskreisen wenige Tage vor der Tat ein Video bei Youtube veröffentlicht. In diesem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Der Clip, der am Donnerstagmorgen weiter im Internet zu sehen war, wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen.

Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen". Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

Gibt es Verletzte?

Fünf Menschen wurden verletzt, die Zahl könne sich aber noch verändern, sagte ein Sprecher der Polizei in der Nacht.


Wie ist die Situation vor Ort?

Die Polizei sperrte die Gegend um die beiden Tatorte weiträumig ab. Beamte mit Maschinenpistolen sicherten die Umgebung. Menschen standen in der Nähe der mit Flatterband abgesperrten Bereiche und weinten. Bilder aus Hanau zeigten in der Nacht mehrere abgesperrte Bereiche, die von bewaffneten Beamten bewacht wurden. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Stadt.

Reporter der Deutschen Presse-Agentur, die nach den Schießereien vor Ort waren, sahen vor einem Döner-Imbiss im Bereich Heumarkt Patronenhülsen, die Spuren wurden mit Farbspray markiert. Die Polizei forderte neugierige Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen und die Lokalitäten vor Ort zu begeben.

Wie sind die Reaktionen auf die Tat?

Die Bundesregierung hat bestürzt auf das schwere Gewaltverbrechen in Hanau mit bislang elf Toten reagiert. "Die Gedanken sind heute Morgen bei den Menschen in Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmorgen auf Twitter. "Tiefe Anteilnahme gilt den betroffenen Familien, die um ihre Toten trauern", fügte er hinzu. Seibert äußerte die Hoffnung, dass die Verletzten bald wieder gesund werden.

Auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) zeigt sich in einer Sondersendung von "Bild live" erschüttert über die Gewalttaten. "Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben."

Die Hanauer Bundestagsabgeordnete Katja Leikert (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin erschüttert darüber, was passiert ist." Auf Twitter schrieb sie: "In dieser fürchterlichen Nacht in Hanau wünsche ich den Angehörigen der Getöteten viel Kraft und herzliches Beileid." Und: "Den Verletzten eine hoffentlich schnelle Genesung. Es ist ein echtes Horrorszenario für uns alle. Danke an alle Einsatzkräfte!!"

Wie informiert die Polizei?

Die Polizei Südosthessen twitterte bereits in der Nacht zu den Vorfällen. Es wurde ein Server für Hinweise eingerichtet - Zeugen, die Bilder, Videoaufnahmen oder sonstige Beobachtungen gemacht haben, sollen sich über dieses Formular melden.

Der Beitrag wurde zuerst von unserem Kooperationspartner FOCUS Online veröffentlicht. (red)+++

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