Nächster großer Schritt steht bevor

Neue Hochbrücke wächst: Großbaustelle bleibt bis 2028 Herausforderung

Die Hochbrücke ist die Hauptverkehrsachse in Bad Hersfeld und wird im laufenden Verkehr komplett erneuert
Fotos: Hans-Hubertus Braune

23.09.2026 / BAD HERSFELD - Noch vor einem Jahr dominierten Abrissbagger, Staub und Betonbrocken das Bild am Peterstor. Heute ist die Perspektive schon eine andere: Pfeiler stehen, mächtige Träger liegen auf, der neue Überbau wächst sichtbar. Die Hochbrücke über Bahnstrecke und Stadtstraße nimmt langsam wieder Gestalt an. Doch der spektakulärste Teil des Mammutprojekts ist noch längst nicht vorbei.



Beim Baustellentermin am Dienstag verschafften sich Dr. Wolfram Eberhardt und Baubevollmächtigter Ermin Grbo von der DEGES gemeinsam mit Strabag-Projektleiter Kai Rieser einen Überblick über den Stand der Arbeiten. Die zentrale Botschaft: "Alles im Plan."

Der erste Teil nimmt Gestalt an

Rund 280 Meter lang wird die neue Hochbrücke - einschließlich Rampen und Anschlüssen umfasst das Projekt rund 800 Meter. Die B 324 ist dabei eine wichtige Verkehrsachse zwischen Innenstadt, B 27, B 62 und A 4. Die alte Brücke hatte 2025 ihre vorgesehene Restnutzungsdauer erreicht und wird deshalb vollständig ersetzt.

Baubeginn war am 17. Juni 2025. Zunächst wurde die nördliche Hälfte der alten Hochstraße abgebrochen. Besonders anspruchsvoll war der Abbruch über den Bahngleisen: Im Oktober 2025 musste dafür eine 72-stündige Sperrpause der Bahn genutzt werden.

Danach ging es nach unten und anschließend wieder nach oben. Für die Fundamente wurden bis zu zehn Meter tiefe Bohrpfähle hergestellt. Dabei stießen die Bauleute auf unerwartete Belastungen durch Asbest sowie auf Kupferschiefer mit erhöhten Schwermetallwerten. Die Materialien mussten unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ausgebaut und entsorgt werden. Auswirkungen auf den Zeitplan? "Wir halten den Termin", lautet die Antwort der Projektverantwortlichen.

35 Tonnen schweben über den Gleisen

Ein besonders spektakulärer Moment folgte im April dieses Jahres. Die ersten großen Fertigteilträger für die neue nördliche Brückenhälfte wurden eingehoben. Jeder Einzelne ist rund 29 Meter lang und mehr als 35 Tonnen schwer. Zwei Mobilkräne setzten die gewaltigen Bauteile während nächtlicher Sperrpausen der Bahn millimetergenau auf die neuen Pfeiler.

Inzwischen ist der nächste Schritt weit fortgeschritten: Das Traggerüst für den Brückenüberbau steht, der nördliche Bauabschnitt nähert sich seiner Fertigstellung. In der kommenden Woche soll der Betonausbau erfolgen, anschließend wird die Asphaltdecke aufgebracht. Damit wird aus dem bislang sichtbaren Stahl- und Betonskelett langsam wieder das, was die Autofahrer kennen: eine Fahrbahn.

Doch dann beginnt die zweite Hälfte

Wer jetzt glaubt, das Ende der Baustelle sei in Sicht, muss sich allerdings noch gedulden. Denn sobald die neue nördliche Hälfte fertig ist, wartet die nächste große Herausforderung: die noch bestehende südliche Hälfte der alten Hochstraße. Der Abbruch soll Ende dieses Jahres beginnen. Das Bahnfeld ist für Februar 2027 vorgesehen. Anschließend folgt der Neubau der zweiten Brückenhälfte.

Das Prinzip dabei: Die bereits fertiggestellte neue Hälfte übernimmt dann den Verkehr, während die alte Hälfte verschwindet und durch den zweiten Neubau ersetzt wird.

60 Millionen Euro statt ursprünglich 36,5 Millionen

Auch bei den Kosten hat sich seit den ersten Planungen einiges bewegt. Wurde das Projekt ursprünglich mit rund 36,5 Millionen Euro beziffert, später mit rund 45 Millionen Euro, liegt die aktuelle Investitionssumme nach Angaben der DEGES inzwischen bei rund 60 Millionen Euro. Darin enthalten sind sämtliche Bestandteile des Projekts. Also auch Rampen, Lärmschutz, Leitungsverlegungen sowie die Maßnahmen für Fuß- und Radverkehr.

Die Kostensteigerung hat mehrere Gründe. Baupreise und Materialkosten seien gestiegen und müssten entsprechend angepasst werden. Auch die Entsorgung der belasteten Materialien aus dem Baugrund schlägt zu Buche. Ein zusätzliches Kostenrisiko sieht die DEGES derzeit allerdings nicht.

30.000 Fahrzeuge am Tag

Wie wichtig die neue Hochstraße für Bad Hersfeld ist, zeigen auch die Verkehrsprognosen. Ein fahrdynamisches Gutachten bestätigt für das Jahr 2030 eine Belastung von rund 30.000 Fahrzeugen pro Tag. Die neue Brücke wird technisch optimiert. Ziel ist unter anderem, Sperrungen künftig möglichst zu reduzieren. Auch die Fahrbahn wird geringfügig breiter.

Für Fußgänger und Radfahrer ändert sich dagegen grundsätzlich etwas: Auf der Brücke selbst wird es künftig keinen regulären Geh- und Radweg mehr geben. Die Verbindung erfolgt über die Unterführung. Diese soll barrierefrei ausgebaut werden. Mit Aufzug und Rampe. Auch für den Busverkehr sind entsprechende Haltebuchten vorgesehen.

Entwässerung bekommt ein Update

Unter der sichtbaren Brücke passiert ebenfalls einiges. Entwässerung, Kanäle, Leitungen, Drainagen, Leerrohre und spätere Straßenanschlüsse gehören zum Gesamtprojekt. Im Zuge der Bauarbeiten wurden außerdem Regenkläranlagen und ein zusätzliches Rückhaltebecken geschaffen.

Auch die Bahn spielt bei der komplizierten Terminplanung eine wichtige Rolle. Durch eine enge Abstimmung konnten mögliche Baustopps vermieden werden. Das ist besonders wichtig, weil die Bahn selbst für 2027 eigene Baumaßnahmen plant.

Eine Brücke für mindestens 100 Jahre

Wenn die Hochbrücke irgendwann fertig ist, soll sie nicht nur den aktuellen Verkehr aufnehmen, sondern für sehr lange Zeit Ruhe geben. Die geplante Nutzungsdauer liegt bei 100 Jahren und mehr. Bis dahin fließt allerdings noch viel Wasser die Fulda hinunter. Zunächst muss die nördliche Hälfte fertig werden. Dann kommt der Abriss der südlichen Hälfte. Danach folgt deren Neubau.

Die Hochbrücke bleibt Bad Hersfeld also noch eine Weile erhalten. Allerdings nicht unbedingt in der Form, wie sie heute aussieht. Die eigentliche Geschichte der Baustelle beginnt damit erst richtig: Aus dem Abriss wird Schritt für Schritt wieder eine Brücke. (Jürgen Böthig)+++

Baustelle Hochbrücke Bad Hersfeld - weitere Artikel

↓↓ alle 13 Artikel anzeigen ↓↓

X