Schmale Karte für schmales Geld
Kulinarisches Comeback: Taoufik Bendi übernimmt die Kultkneipe "Rädchen"
Fotos: Mathias Schmidt
07.10.2026 / FULDA -
Das Rätsel um das "Rädchen" ist gelöst! Hinter den zuletzt aufgetauchten "Coming Soon"-Schildern steckt ein gastronomisches Comeback. Taoufik Bendi, Chef der Fuldaer "Sudpfanne", hat die Räume der Kultkneipe in der Karlstraße im Bermudadreieck gepachtet und will dem traditionsreichen Lokal neues Leben einhauchen. Das ist geplant.
Eins vorab: Der Name "Restaurant zum goldenen Rad", kurz "Rädchen" bleibt bestehen, der Kneipencharakter soll erhalten werden. Neu hinzu kommt ein Konzept mit deutscher, hessischer und regionaler Küche. Wenn alles nach Plan läuft, sollen sich die Türen bereits im Dezember wieder öffnen.
Danach wurde es still in der Karlstraße, bis Ende September plötzlich "Coming Soon"-Schilder in den Fenstern auftauchten. Wer dahintersteckte und was aus den Räumen werden sollte, war zunächst unklar. Nun aber die Wendung: Das "Rädchen" soll tatsächlich zurückkommen und das unter neuer gastronomischer Leitung.
"Da wird gar nichts verändert"
Taoufik Bendi hat das Lokal gepachtet. "Den Eigentümer kenne ich bereits seit rund 20 Jahren", erzählt der 49-Jährige im exklusiven Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS in seinem neuen Lokal. Mit der Übernahme verbindet er vor allem ein Ziel: die Geschichte des Lokals fortzuführen. "Wir wollen den Namen behalten", macht Bendi deutlich. Auch grundsätzlich wolle man das "Rädchen" nicht auf links drehen. Deutsche Küche - klein, regional und bezahlbar
Deutlich größer fällt die Veränderung auf der Speisekarte aus. Der gebürtige Marokkaner setzt klar auf deutsche Spezialitäten, darunter Gerichte aus Fulda, der Rhön und Hessen. In seinen Jahren als Gastronom habe er immer wieder erlebt, dass Touristen nach deutscher Küche fragten. Genau dort sieht er in Fulda noch eine Lücke. Frühstück und Mittagstisch geplant
Doch das neue "Rädchen" soll nicht erst am Abend zum Treffpunkt werden. Geplant ist auch ein Frühstücksangebot mit kleiner Karte. Die Zubereitung soll möglichst frisch und für die Gäste sichtbar erfolgen. Bendi spricht von einer "ehrlichen Küche". Hinzu kommt ein Mittagstisch, der sich ausdrücklich auch an Berufstätige und Familien richten soll. Beim Preis setzt sich der Gastronom ein ehrgeiziges Ziel: Die Gerichte der Mittagskarte sollen nach seiner Vorstellung ungefähr im Bereich von zehn bis 13 Euro liegen. Gerade in Zeiten gestiegener Preise wolle er ein Angebot schaffen, bei dem sich möglichst viele Menschen einen Restaurantbesuch leisten könnten. "Wir alle machen uns Sorgen über die wirtschaftliche Situation bei uns. Da noch einen draufzupacken wäre für niemanden gut." Auch am Abend soll das "Rädchen" seinem alten Charakter treu bleiben. Nach dem Essen soll der Betrieb als klassische Kneipe weiterlaufen - mit Getränken und regionalem Bier. Platz für bis zu 70 Gäste
Im Innen- und Außenbereich sollen künftig zahlreiche Gäste Platz finden. Bendi rechnet derzeit damit, dass im Lokal etwa 60 bis 70 Personen sitzen können. Auch personell laufen die Vorbereitungen bereits. Fünf Mitarbeiter hätten sich nach Angaben des Gastronomen zum Zeitpunkt des Gesprächs schon gemeldet. Darüber hinaus sucht Bendi weitere Kräfte für Service und Küche - auch Minijobber und Studenten seien willkommen. "In Fulda sind so viele Studenten, das müssen wir nutzen. Wenn sie Lust haben und wirklich arbeiten wollen, haben sie bei mir die Chance." Bei einem Punkt will er allerdings keine Kompromisse machen: Gäste müssten professionell und respektvoll behandelt werden. "Der Gast, der zu uns kommt, hat auch die Möglichkeit, woanders hinzugehen. Das heißt, er hat uns geschätzt. Wir müssen ihm diesen Respekt zurückgeben", betont der neue Pächter gegenüber O|N. Eröffnung noch im Dezember?
Bis die ersten Schnitzel auf den Tellern und die ersten frisch gezapften Biere auf den Tischen stehen, bleibt allerdings noch einiges zu tun. Unter anderem muss die Schankanlage vorbereitet werden. Mit welcher Brauerei Bendi künftig zusammenarbeiten wird, möchte er noch nicht verraten - die Gespräche laufen. "Am liebsten wäre mir regional gesehen natürlich Hochstift", verrät er aber. Wenn die Arbeiten wie geplant vorankommen, könnte die Wiedereröffnung bereits im Dezember erfolgen. Einen konkreten Termin gibt es bislang noch nicht. Auch über die endgültigen Öffnungszeiten und einen möglichen Ruhetag ist noch nicht entschieden worden.
Aus für Kult-Kneipe "Rädchen" - weitere Artikel
"Coming Soon"-Schilder entdeckt
Was passiert hier? Domstadt rätselt über geheimnisvolle Hinweise im Rädchen
Das passiert mit der Außenterrasse
Rädchen bleibt geschlossen - doch plötzlich ist wieder Leben vor der Tür
Ein Stück Geschichte geht
Rädchen, mach's gut! - Eine letzte und emotionale Party im Kultlokal
"Wir bekommen Kirchenasyl"
Kult-Kneipe "Rädchen" vor dem Aus: Gäste gehen auf die Straße
Bitteres Ende einer Kultkneipe
Rädchen muss Ende Juni endgültig raus - neue Besitzer wollen "kernsanieren"
Kündigung zum 28. Februar 2026
Streit ums "Rädchen": Das sagen die Betreiber und die Hochstift-Brauerei
Noch im Februar ist Schluss
Szene-Schock im Bermuda-Dreieck: Das Kult-Lokal "Rädchen" schließt