Bitteres Ende einer Kultkneipe

Rädchen muss Ende Juni endgültig raus - neue Besitzer wollen "kernsanieren"

Einer der beiden neuen Besitzer des Hauses ist Abdulkerim Demir. Er berichtet am Mittwoch, dass das Rädchen Ende Juni endgültig raus muss.
Fotos: Marvin Myketin

12.03.2026 / FULDA - Um die Zukunft der Fuldaer Kultkneipe "Zum Goldenen Rad" im Bermuda-Dreieck haben sich in der letzten Zeit nicht nur die Betreiber gesorgt, sondern vor allem auch die zahlreichen Stammgäste der Traditionskneipe. Am Mittwoch fand nun eine Pressekonferenz direkt vor dem Lokal in der Kanalstraße statt. Einer der beiden neuen Besitzer, Abdulkerim Demir, verkündete, man habe sich inzwischen mit der Hochstift-Brauerei als Pächterin darauf geeinigt, dass das Haus bis zum 30. Juni 2026 geräumt an die neuen Besitzer übergeben werde. Das habe die Brauerei bereits schriftlich bestätigt.


Seit bekannt ist, dass das Haus verkauft wurde, machten zunächst viele Gerüchte die Runde, dass die neuen Besitzer nicht gut auf die Betreiber zu sprechen seien. Zum Entsetzen vieler wurden die Befürchtungen zur Tatsache. Dem Rädchen flatterte die Kündigung zum 28. Februar ins Haus.

Nach den Gründen für dieses abrupte Ende einer langen Erfolgsgeschichte gefragt, hatte Abdulkerim Demir erklärt, der Verkauf der Immobilie habe bereits im Sommer 2025 stattgefunden - und zwar ausdrücklich mit der Option der Kündigung. Hintergrund sei, dass eine umfassende Sanierung des Gebäudes seit Jahren notwendig sei und die geplanten Arbeiten wohl bis zu zwei Jahre Zeit in Anspruch nehmen würden.

Demir beklagte, dass sie seit letztem Sommer versucht hätten, mit der Brauerei zu einer gütlichen Einigung zu kommen, allerdings vergeblich - sie seien immer wieder hingehalten worden. Deshalb hätten sie sich gezwungen gesehen, rechtlichen Beistand zu suchen. Schließlich sei die aktuelle Lösung gefunden worden. Der mehrfach angemahnten Forderung, ihm die Schlüssel zu übergeben, seien die Pächter nicht nachgekommen. Darauf wollen die Besitzer jetzt auch verzichten, wenn das Objekt bis Ende Juni endgültig übergeben werde, so Demir.

"Schon jetzt ist allerdings klar, dass auf die Brauerei durch die Verzögerung erhebliche Schadensersatzkosten zukommen, weil dadurch die Sanierungsarbeiten verzögert worden sind", so Demir. Das habe Zusatzkosten und Pachtausfall für sie verursacht.

"Wir wollen kernsanieren und modernisieren."

Einmal mehr verwahrte sich Demir gegen die Gerüchte, dort solle dann ein neuer Dönerladen einziehen. Die Zukunft des Gebäudes sieht er so: "Nach der kompletten Kernsanierung und Modernisierung soll außer der Gastronomie im Obergeschoss bezahlbarer Wohnraum, unter anderem für Studierende, entstehen. Die Gastronomie werde dem bisherigen Bild des Bermudadreiecks entsprechend ausgewählt. Durch die Modernisierung werde das Gesamtbild der Altstadt aufgewertet. Die Vermietung des Lokals werde nach der Fertigstellung ausgeschrieben, auch die jetzigen Betreiber könnten sich ja darum bewerben.

Jonas Sporer und Karl Munzinger widersprachen Demir Darstellung, sie hätten den Dialog verweigert. Sporer habe ihn beim ersten Besuch selbst durch alle Räume geführt und die Telefonnummern austauschen wollen. Doch ihm sei gesagt worden, das sei nicht nötig, ihnen würde ohnehin gekündigt. Somit ist offenbar das Aus für eine kulturelle Institution besiegelt, die schon seit 1967 das Gesicht der Altstadt maßgeblich mitgeprägt hat. (ci)+++

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