"Wir bekommen Kirchenasyl"
Kult-Kneipe "Rädchen" vor dem Aus: Gäste gehen auf die Straße
Fotos: Moritz Bindewald
26.06.2026 / FULDA -
Im Fuldaer Bermudadreieck verabschiedet sich das "Rädchen" - offiziell "Zum Goldnen Rad" - an diesem Wochenende von seinen Gästen. Vor dem Lokal versammeln sich rund 50 Menschen zu einer selbst organisierten Kundgebung. Es geht den Betreibern nicht nur um eine Kneipe, die schließt, sondern um den Erhalt alternativer Kulturräume in der Stadt.
Organisiert hat die Demo das Team selbst. "Naja, das waren wir", sagt Mitbetreiber Karl Munzinger, der das Rädchen gemeinsam mit Evelyn Ostertag und Jonas Sporer führt. Den größten Teil der Organisation habe Jonas Sporer übernommen. Das Ziel der Aktion fasst Munzinger so zusammen: "Wir wollten unsere Meinung kundtun: dass wir alternative Kulturräume gerne erhalten und auch neu schaffen wollen, und dass wir Gentrifizierung und das Kapital im Allgemeinen in diesem Sinne ablehnen."
Auch aus der Kommunalpolitik gibt es Unterstützung
Bei der Kundgebung melden sich an diesem Nachmittag mehrere Rednerinnen und Redner zu Wort, unter ihnen auch Marie-Louise Puls, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung. Sie bringt einen Gedanken ein, der bei der Demo mehrfach anklingt: "Diese Stadt lebt davon, dass sie lebenswert ist, dass Menschen sich hier zu Hause fühlen, und da gehören Subkultur und Institutionen wie das Rädchen einfach dazu." Eine politische Forderung an die Stadtverordnetenversammlung formuliert sie ausdrücklich nicht - die Schließung sei eine private, keine politische Entscheidung gewesen. Ein letztes Geheimnis: "Wir haben Kirchenasyl"
Was nach dem Wochenende kommt, bleibt vorerst offen. Jonas Sporer hält sich bedeckt: "Das sagen wir euch nächste Woche." Spruchreif sei noch nichts - aber es gehe weiter, deutet er an: "Naja, es gibt da etwas - wir haben Kirchenasyl." Mehr will er an diesem Tag nicht verraten.
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