Neue Details bekannt

Selbstmordversuche, Prostitution, Gewalt: Brutaler Mord in Wernges

Das Haus in Wernges, in dem die Leichenteile gefunden wurden.
Archivfoto: O|N / Henrik Schmitt

15.01.2026 / LAUTERBACH - Im Prozess um den Mord an einer 55-jährigen Mieterin in Wernges (Vogelsbergkreis) werfen neue Details ein erschütterndes Licht auf das Leben des Vermieterpaars. Anfang 2024 verschwand die Frau aus Lauterbach-Wernges, Monate später fanden Ermittler ihre sterblichen Überreste im Haus der Angeklagten. Seit Mai 2025 stehen die beiden vor der fünften großen Strafkammer des Landgerichts Gießen wegen Mordes durch Unterlassung.



Am jüngsten Verhandlungstag rückten die persönlichen Hintergründe der Angeklagten in den Fokus. Die 44-jährige Frau berichtete ausführlich von ihrer belasteten Kindheit. Zwischen ihrem neunten und dreizehnten Lebensjahr sei sie von ihrem Stiefbruder wiederholt misshandelt worden. Ihre Mutter habe darauf kaum reagiert und sie nicht geschützt. Diese traumatischen Erfahrungen hätten ihre spätere Lebensgestaltung nachhaltig beeinflusst, erklärte der psychiatrische Gutachter.

Angeklagte kannte Opfer schon lange

Nach ihrem Hauptschulabschluss begann die Frau eine Lehre als Hauswirtschafterin, die sie ohne Abschluss beendete. Während dieser Zeit lernte sie Anja M., die spätere Getötete, kennen. Auf einer Silvesterparty um die Jahrtausendwende traf sie ihren späteren Lebensgefährten, den 59-jährigen Angeklagten. Die Beziehung zu ihm führte sie nach eigenen Angaben in ein "Lotterleben". Sie arbeitete rund zehn Jahre als Prostituierte in Frankfurt, Darmstadt und Gießen, wobei ihr Partner als Zuhälter fungierte. Wiederholte Trennungen und Rückkehr zu der Beziehung prägten diese Zeit stark.

Partner stand schon vor drei Jahrzehnten unter Mordverdacht

Der Mann erzählte, dass er selbst in Frankfurt aufgewachsen sei, früh kriminell wurde und bereits 1994 unter Mordverdacht stand - dieser Vorwurf konnte jedoch nie bestätigt werden. Laut Gutachter habe er seitdem unter Angststörungen gelitten. Seine finanzielle Absicherung erfolgte zuletzt durch seine Rente, Mieteinnahmen und Zuwendungen seiner Mutter.

Ein weiteres zentrales Thema war die Behandlung der beiden Angeklagten durch einen Frankfurter Psychiater über mehr als zehn Jahre. Der Gutachter kritisierte, dass diese sich fast ausschließlich auf das wiederholte Verschreiben gleicher Medikamentendosierungen beschränkte. Beide Angeklagten seien dennoch zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig gewesen, so der Sachverständige.

Besonders dramatisch wurde die Darstellung der Frau, die drei Selbstmordversuche unternahm und das Haus in Wernges erst nach dem Tod der Mieterin betrat. Laut Gutachter habe sie die Leiche gefunden, doch als sie Hilfe holen wollte, sei ihr Partner einschüchternd aufgetreten. (Constantin von Butler) +++

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