Ermittlung, Prüfung, Disksussion

Boomex-Feuer entfacht neue Debatte: Produktionsstandort steht weiter infrage

Dichte Rauchwolken standen nach dem Brand über der Jahnstraße und waren weithin sichtbar.
Fotos: Marvin Myketin

09.01.2026 / ALSFELD - Wie geht es weiter? Nach dem Brand auf dem Betriebsgelände der Firma Boomex in der Alsfelder (Vogelsbergkreis) Jahnstraße haben sich Polizei, Kreisverwaltung und Stadt erstmals umfassend zu Ursache, Brandschutz und möglichen Konsequenzen geäußert. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS betonen die Behörden, dass es derzeit keine Hinweise auf Brandstiftung gibt und die vorhandenen Brandschutzmaßnahmen Wirkung gezeigt haben. Unabhängig davon bleibt die künftige Nutzung des Standorts offen.



Der aktuelle Brand reiht sich in eine Serie früherer Schadensereignisse ein, die in Alsfeld vielen noch präsent sind. Besonders der Großbrand im Jahr 2013 auf dem damaligen Boomex-Gelände in der Bückingstraße hatte die Stadt überregional beschäftigt. Auch 2016 kam es in Alsfeld zu einem weiteren Feuer in einer Lagerhalle, damals mit vergleichsweise geringem Schaden. Diese Vorgeschichte hatte nach dem jüngsten Brand erneut Fragen nach möglichen Parallelen und nach dem Brandschutz aufgeworfen.

Parallelen zum Großbrand 2013?

Der Vogelsbergkreis sieht jedoch klare Unterschiede. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS erklärt die Kreisverwaltung: Beim Großbrand vom 31. Juli 2013 habe es keine Baugenehmigung gegeben, der bauliche Zustand sei weder der Kreisverwaltung noch den Einsatzkräften bekannt gewesen. "Dies hat letztendlich zu dem erheblichen Ausmaß des Brandes geführt."

Beim jetzigen Standort sei die Situation anders gelagert. Die Nutzung der ehemaligen CEKA-Hallen sei von Beginn an begleitet worden. "Es erfolgten mehrere gemeinsame Begehungen der Fachbehörden und es liegt eine Baugenehmigung mit Brandschutzkonzept vor", teilt der Landkreis mit. Auch die Kontrollen seien regelmäßig erfolgt: "Es gab keinen Verzug bei diesen Begehungen."

Nach Einschätzung der Kreisverwaltung haben die Vorgaben beim Brand vom 30.12.2025 entscheidend dazu beigetragen, eine Ausbreitung zu verhindern. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS heißt es: "Die angeordneten und umgesetzten betrieblich-organisatorischen, anlagentechnischen und baulichen Brandschutzmaßnahmen haben dazu geführt, dass der Brand lokal begrenzt wurde und sich kein Großbrand entwickelte."

Die Ermittlungen laufen auf Hochhtouren

Parallel dazu laufen die Ermittlungen der Polizei. Jonas Trabert, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, erklärt auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS: "Durch die Polizei hat am 05.01. eine Brandstellenuntersuchung stattgefunden." Nach derzeitigem Stand gebe es "keine Hinweise auf eine fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung". Allerdings könne "eine technische Ursache oder ein Fehler im Produktionsablauf derzeit nicht ausgeschlossen werden". Die Schadenssumme werde auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt, die Ermittlungen dauerten an.

Bleibt der Standort?

Für die Stadt Alsfeld bleibt die Zukunft des Areals offen. Bürgermeister Stephan Paule betont gegenüber O|N: "Stand heute ist der Stadt nicht bekannt, ob Boomex beabsichtigt, die Produktion an diesem Standort wieder aufzunehmen." Zugleich mahnt er, dass Eigentümer und Unternehmen gemeinsam mit den Genehmigungsbehörden sehr genau prüfen müssten, "ob das von Produktion und Lager an dieser Stelle ausgehende Gefahrenpotential beherrschbar ist".

Alsfelds Bürgermeister hat bereits Ideen, das Areal anders zu nutzen. "Als Bürgermeister könnte ich mir jedoch eine zukünftige Entwicklung des Gesamtareals in Richtung ,Wohnen‘ gut vorstellen", erklärt Paule, verweist aber auf bestehende Betriebe, Emissionen und den geltenden Bestandsschutz. Eine Neuordnung sei nur mit planerischen Anpassungen möglich. Ein erstes Gespräch mit dem Eigentümer habe dazu bereits stattgefunden.

Anwohner diskutieren über Sicherheit

Auch in der Anwohnerschaft wird der Brand intensiv diskutiert. Die Nähe zwischen Wohnbebauung und Industrie hat erneut Sorgen ausgelöst – insbesondere mit Blick auf Sicherheit, Emissionen und mögliche Risiken im Ernstfall. Stadt und Kreis verweisen darauf, dass Hinweise und Bedenken aus der Nachbarschaft ernst genommen würden und in rechtlich möglichen Verfahren berücksichtigt werden sollen. Gerade vor dem Hintergrund der gewachsenen Ortslage wird deutlich, wie sensibel das Zusammenspiel von Wohnen und Gewerbe ist. Der Brand hat diese Debatte neu befeuert und könnte langfristig Einfluss darauf haben, wie der Standort und sein Umfeld künftig bewertet und entwickelt werden. (Constantin von Butler) +++

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