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Schmale Karte für schmales Geld

Kulinarisches Comeback: Taoufik Bendi übernimmt die Kultkneipe "Rädchen"

Taoufik Bendi, Chef der Fuldaer "Sudpfanne", hat die Räume der Kultkneipe in der Karlstraße im Bermudadreieck gepachtet und will dem traditionsreichen Lokal neues Leben einhauchen.
Fotos: Mathias Schmidt

07.10.2026 / FULDA - Das Rätsel um das "Rädchen" ist gelöst! Hinter den zuletzt aufgetauchten "Coming Soon"-Schildern steckt ein gastronomisches Comeback. Taoufik Bendi, Chef der Fuldaer "Sudpfanne", hat die Räume der Kultkneipe in der Karlstraße im Bermudadreieck gepachtet und will dem traditionsreichen Lokal neues Leben einhauchen. Das ist geplant.


Eins vorab: Der Name "Restaurant zum goldenen Rad", kurz "Rädchen" bleibt bestehen, der Kneipencharakter soll erhalten werden. Neu hinzu kommt ein Konzept mit deutscher, hessischer und regionaler Küche. Wenn alles nach Plan läuft, sollen sich die Türen bereits im Dezember wieder öffnen.

Dabei sah es vor wenigen Monaten noch nach einem endgültigen Abschied aus. Ende Juni war für das alte "Rädchen" Schluss. Mit einem letzten Frühstück, einem Flohmarkt und einer großen Abschiedsparty unter dem Motto "Das Rad hebt ab" verabschiedeten sich Betreiber und zahlreiche Stammgäste von der Kultkneipe im Fuldaer Bermuda-Dreieck. Zuvor hatte es monatelang Diskussionen um die Zukunft des Lokals gegeben. Nach der finalen Party Ende Juni wurden die Räume schließlich geräumt (OSTHESSEN|NEWS berichtete damals ausführlich).

Danach wurde es still in der Karlstraße, bis Ende September plötzlich "Coming Soon"-Schilder in den Fenstern auftauchten. Wer dahintersteckte und was aus den Räumen werden sollte, war zunächst unklar. Nun aber die Wendung: Das "Rädchen" soll tatsächlich zurückkommen und das unter neuer gastronomischer Leitung.

"Da wird gar nichts verändert"

Taoufik Bendi hat das Lokal gepachtet. "Den Eigentümer kenne ich bereits seit rund 20 Jahren", erzählt der 49-Jährige im exklusiven Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS in seinem neuen Lokal. Mit der Übernahme verbindet er vor allem ein Ziel: die Geschichte des Lokals fortzuführen. "Wir wollen den Namen behalten", macht Bendi deutlich. Auch grundsätzlich wolle man das "Rädchen" nicht auf links drehen.

Im Inneren wird trotzdem gearbeitet. Unter anderem soll der Fußboden geschliffen werden. Optisch schwebt Bendi eine Mischung aus Tradition und Gegenwart vor: "Wir wollen das ein bisschen rustikal und modern zusammenbringen." Eine grundlegende Veränderung der Räume sei dagegen nicht vorgesehen.

Deutsche Küche - klein, regional und bezahlbar

Deutlich größer fällt die Veränderung auf der Speisekarte aus. Der gebürtige Marokkaner setzt klar auf deutsche Spezialitäten, darunter Gerichte aus Fulda, der Rhön und Hessen. In seinen Jahren als Gastronom habe er immer wieder erlebt, dass Touristen nach deutscher Küche fragten. Genau dort sieht er in Fulda noch eine Lücke.

Die Karte soll bewusst überschaubar bleiben. Rund zwölf bis 14 Gerichte schweben ihm vor. "Ich bin kein Freund von großer Karte. Statt Masse bieten wir frische Speisen an, gute Qualität und das nur mit regionalen Zutaten." Fleisch, Gemüse und weitere Produkte sollen nach seinen Vorstellungen aus der Region kommen - möglichst auch von kleineren Metzgereien und Geschäften. Sein Anspruch: eine Küche, die an früher erinnert. "Das muss so schmecken, wie wenn Oma es gekocht hat." Einige Klassiker stehen bereits fest: "Schnitzel soll es täglich geben, hinzu kommen unter anderem Rouladen, Grüne Soße und Cordon bleu. Einmal pro Woche ist Schweinshaxe vorgesehen. Dazu sollen Spezialitäten aus der Rhön kommen." Fertigprodukte will er möglichst vermeiden. "Alles regional, alles frisch und selbst gemacht", lautet sein Anspruch.

Frühstück und Mittagstisch geplant

Doch das neue "Rädchen" soll nicht erst am Abend zum Treffpunkt werden. Geplant ist auch ein Frühstücksangebot mit kleiner Karte. Die Zubereitung soll möglichst frisch und für die Gäste sichtbar erfolgen. Bendi spricht von einer "ehrlichen Küche". Hinzu kommt ein Mittagstisch, der sich ausdrücklich auch an Berufstätige und Familien richten soll. Beim Preis setzt sich der Gastronom ein ehrgeiziges Ziel: Die Gerichte der Mittagskarte sollen nach seiner Vorstellung ungefähr im Bereich von zehn bis 13 Euro liegen. Gerade in Zeiten gestiegener Preise wolle er ein Angebot schaffen, bei dem sich möglichst viele Menschen einen Restaurantbesuch leisten könnten. "Wir alle machen uns Sorgen über die wirtschaftliche Situation bei uns. Da noch einen draufzupacken wäre für niemanden gut." Auch am Abend soll das "Rädchen" seinem alten Charakter treu bleiben. Nach dem Essen soll der Betrieb als klassische Kneipe weiterlaufen - mit Getränken und regionalem Bier.

Platz für bis zu 70 Gäste

Im Innen- und Außenbereich sollen künftig zahlreiche Gäste Platz finden. Bendi rechnet derzeit damit, dass im Lokal etwa 60 bis 70 Personen sitzen können. Auch personell laufen die Vorbereitungen bereits. Fünf Mitarbeiter hätten sich nach Angaben des Gastronomen zum Zeitpunkt des Gesprächs schon gemeldet. Darüber hinaus sucht Bendi weitere Kräfte für Service und Küche - auch Minijobber und Studenten seien willkommen. "In Fulda sind so viele Studenten, das müssen wir nutzen. Wenn sie Lust haben und wirklich arbeiten wollen, haben sie bei mir die Chance." Bei einem Punkt will er allerdings keine Kompromisse machen: Gäste müssten professionell und respektvoll behandelt werden. "Der Gast, der zu uns kommt, hat auch die Möglichkeit, woanders hinzugehen. Das heißt, er hat uns geschätzt. Wir müssen ihm diesen Respekt zurückgeben", betont der neue Pächter gegenüber O|N.

Eröffnung noch im Dezember?

Bis die ersten Schnitzel auf den Tellern und die ersten frisch gezapften Biere auf den Tischen stehen, bleibt allerdings noch einiges zu tun. Unter anderem muss die Schankanlage vorbereitet werden. Mit welcher Brauerei Bendi künftig zusammenarbeiten wird, möchte er noch nicht verraten - die Gespräche laufen. "Am liebsten wäre mir regional gesehen natürlich Hochstift", verrät er aber. Wenn die Arbeiten wie geplant vorankommen, könnte die Wiedereröffnung bereits im Dezember erfolgen. Einen konkreten Termin gibt es bislang noch nicht. Auch über die endgültigen Öffnungszeiten und einen möglichen Ruhetag ist noch nicht entschieden worden.

Für den 49-Jährigen ist die Übernahme mehr als ein weiteres gastronomisches Projekt. Seit rund der Hälfte seines Lebens wohnt er in Fulda. Die Stadt liegt ihm am Herzen. Mit dem neuen "Rädchen" will er deshalb einen bekannten Ort bewahren und gleichzeitig weiterentwickeln. Sein Ziel formuliert er passend zum traditionsreichen Namen: "Wir möchten das 'Gold' im Namen wieder zurückbringen." Und vor allem soll es ein bezahlbarer Ort für alle bleiben: für Stammgäste, Familien, Berufstätige, Touristen - und für diejenigen, die am Abend einfach nur auf ein Bier in die Karlstraße vorbeischauen. (Mathias Schmidt) +++

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