Kister und Bagus im Bürgerzentrum

Die Kandidaten auf der Bühne: Bürgermeisterforum in der Woche vor der Wahl

Am Montagabend fand ein Bürgermeisterforum in Mittelkalbach statt.
Fotos: Philipp Gerhard

08.09.2026 / KALBACH - Am Sonntag steht die Bürgermeisterwahl in der Gemeinde Kalbach an. Zur Auswahl stehen die beiden Kandidaten Marcel Kister und Mark Bagus. In der finalen Wahlkampfwoche standen sich die beiden beim von der Fuldaer Zeitung organisierten Wahlforum gegenüber. FZ-Chefredakteur Tobias Farnung moderierte die Veranstaltung im Bürgerhaus Mittelkalbach.



Schon auf dem randvollen Parkplatz vor dem Bürgerhaus wurde schnell deutlich, wie groß das Interesse der Kalbacher Bevölkerung ist. Schnell füllten sich die Reihen vor der Bühne - es wurde diskutiert, gelacht, aber vor allem darauf gewartet, wie die beiden Kandidaten auf die Fragen antworten würden. Insgesamt hatten sich 260 Teilnehmer angemeldet.

Kann der Kämmerer sich gegen seinen Vorgesetzten behaupten?

Der aktuelle Amtsinhaber Mark Bagus tritt als parteiloser Kandidat an, wird aber von der SPD unterstützt. Der Herausforderer Marcel Kister (ebenfalls parteilos, allerdings von der CDU unterstützt) war zuvor Kämmerer der Gemeinde und somit Angestellter von Bagus, was die Wahl besonders spannend macht.

"Es ist natürlich nicht schön, zu seinem Chef zu gehen und zu sagen: 'Ich trete an.' Wir haben uns aber auf Professionalität geeinigt", so Kister. Bagus erklärte, dass die Entscheidung des Kämmerers zwar überraschend kam, bestätigte aber, dass man die Professionalität während natürlich auch nach dem Wahlkampf wahren möchte - unabhängig davon, wie die Wahl ausgehe.

Was wollen die Kandidaten verändern? Wo liegt ihr Fokus?

Kister, der den aktuellen Wahlkampf als sehr spannend wahrnimmt, hatte mehrere Anliegen und Ideen, wie er die Gemeinde nach seiner Wahl prägen möchte. Sein Leitspruch "Tempo. Transparenz. Tatkraft." ist dabei Programm. Insbesondere die Kommunikation zu den Bürgern nach außen, zu den Ortsvorstehern lasse seiner Ansicht nach zu wünschen übrig. Zudem müsse man vor allem bei kleineren Projekten das Tempo bei der Umsetzung stark anziehen und im Allgemeinen müsse man, um all das umzusetzen, auch klarere Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung schaffen.

Mark Bagus will vor allem die Themen weiterhin aufgreifen, die ihm in seiner, wie er es beschreibt, herausfordernden Amtszeit von sechs Jahren auch bisher wichtig waren. Kalbach müsse weiterhin lebenswert und attraktiv für alle Generationen bleiben. Dafür brauche es aber auch weiterhin eine gute Infrastruktur, die man verbessern möchte, sei es Straßen, Liegenschaften, Abwasser, aber auch die Wasserversorgung. Letzteres ist auch ein großer Punkt im Programm von Marcel Kister. "Wasser ist das wichtigste Gut, das wir haben. Da müssen wir ran", so der Herausforderer des aktuellen Bürgermeisters.

Die Gemeinde Kalbach habe derzeit einen etwa 20- bis 25-prozentigen Wasserverlust vorzuweisen. Dagegen müsse man vorgehen, auch hinsichtlich immer häufigerer Wasserrohrbrüche. Bagus betonte, dass man bereits am Ausbau des Wassernetzes dran sei - so soll in den nächsten Jahren, nach aktueller Planung und durch momentane Investitionen, der Verlust auf unter 20 Prozent sinken. Das sei zwar anstrebenswert, aber zu wenig. Ein Argument des Amtsinhabers war zudem, dass der Wasserverlust in den letzten Jahren schon eingedämmt worden sei. Früher sei aber auch der Wasserstand höher gewesen - nun würden die Missstände besonders auffallen.

Im Dialog mit den Bürgern

Gleich zu Beginn eine Frage für den ehemaligen Kämmerer: "Was haben Sie in den letzten Jahren gemacht? Haben Sie Vorschläge gemacht oder die Administration hängen lassen?" Kister betonte, dass er sehr wohl Vorschläge gemacht habe, was man innerhalb der Gemeinde strukturell verbessern könnte. "Ich kann mich aber nicht über den Bürgermeister hinwegsetzen. Man muss zusammenarbeiten und miteinander sprechen." Er verwies dabei auch darauf, wie wichtig es sei, interne Prozesse in diesem Zusammenhang zu optimieren.

Etwas kurios: Eine Teilnehmerin des Forums bemängelte, dass es in einem Neubaugebiet in der Gemeinde Maßnahmen, beispielsweise zur Straßensanierung, gegeben hat, die allerdings noch immer nicht abgerechnet seien. Das wäre ihrer Ansicht nach schon mal ein erster, guter Schritt, um Geld in die Gemeindekassen zu bringen. Kister und Bagus sei das Problem bekannt und definitiv ist es nicht vergessen. Vor allem Kister als Kämmerer sei sich der Situation im Klaren - die Endabrechnungen werden also definitiv noch kommen.

Den Ausbau von Radwegen und des ÖPNV, welche in verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde nach Ansicht zweier Gäste unzureichend sein sollen, möchten beide Teilnehmer verfolgen und stärken. Dabei sei aber laut Bagus auch die Zusammenarbeit mit der lokalen Nahverkehrsgesellschaft wichtig. Mit ihr sei man im regen Austausch und man sammle Argumente aus der Bevölkerung. Je nach Bedarf müsse man im Anschluss den Bedarf mit den Finanzierungsmöglichkeiten abwägen, so Bagus. Kister ergänzte: "Ich denke, dass wir da zukünftig eine starke Stimme als Bürgermeister brauchen." Kaputte Radwege müsse man aber auch genauso auf dem Schirm haben und sich darum kümmern.

Den Kalbachern lagen aber natürlich noch viele weitere Themen auf dem Herzen: der Neubau und die Finanzierung der Kita zwischen Nieder- und Mittelkalbach, Schrott vor einem Seniorenheim oder auch eine fragwürdige, unter der Woche durchgeführte Betriebsfahrt des örtlichen Kindergartens, die dazu führte, dass Eltern sich an diesem Tag freinehmen mussten. Klar ist: Es gibt viel, was die Bürger bewegt, reines Beantworten von Fragen löst aber keine Probleme. Wer auch immer von den Kandidaten das Rennen macht, hat also einiges an Arbeit vor sich.

Anschließend bot sich für die Teilnehmer des Forums die Möglichkeit, bei einer kleinen und unverbindlichen "Probewahl" zu zeigen, wer in ihren Augen im Wahlkampf vorne liegt. Mark Bagus erhielt dabei 58, Marcel Kister 61 Stimmen. Zwei abgegebene Stimmen waren ungültig.

Letztendlich blieb der Eindruck: Bagus brennt für sein Amt und will seine Position verteidigen, hat aber einen Konkurrenten, der den Posten mindestens genau so sehr möchte. Auf die Frage, was Marcel Kister sich gern mal von Mark Bagus abschauen möchte, kam die Antwort schnell und passend: "Bürgermeister werden." (pg) +++

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