Der Fall "Gieseler Forst"

Projektgruppe im O|N- Gespräch: Wasservorkommen spricht gegen Windpark

Fakten statt Populismus: Eine Projektgruppe erläutert, wieso der Windpark im Gieseler Forst nicht sinnvoll ist.
Fotos: Carina Jirsch

29.07.2026 / GROßENLÜDER - Wenige Themen werden derzeit so heiß diskutiert in der Region wie das geplante Windparkvorhaben auf der Steinernen Platte im Gieseler Forst bei Großenlüder (Landkreis Fulda). Nach einem ersten Erfolg für all diejenigen, die das Gebiet bewahren wollen, geht der Schutz des Waldes in die nächste Runde. HessenForst schreibt das Vorranggebiet nämlich erneut aus, nachdem der ursprüngliche Investor "Juwi" sich zurückgezogen hatte. Manfred Kellerhoff und Ralf Bischof erklärten uns, wieso es wichtig ist, faktenbasiert gegen das Vorhaben zu argumentieren.



Wir trafen die beiden im Landgasthof "Hessenmühle" in Großenlüder-Kleinlüder. Direkt am betroffenen Gebiet kamen sie dort schon oft zusammen, sprachen über das Thema und werteten ihre Erkenntnisse aus. Dass das Vorhaben gestoppt wird, liege ihrer Ansicht nach nicht nur im Interesse der Natur an sich. Vor allem die Wasserreserven, der Denkmalschutz, aber auch der Tourismus würden unter einem Windpark leiden.

Erneuerbare Energien sind notwendig - doch zu welchem Preis?

Als für viele Freunde des Gieseler Forsts die gute Nachricht aufkam, dass Juwi sich zunächst zurückzieht, war die Erleichterung groß. "Wir haben uns definitiv gefreut, waren uns aber bewusst, dass unsere Arbeit noch nicht zu Ende ist", erklärte Ralf Bischof. Manfred Kellerhoff betonte zudem, dass man nicht gegen Windkraft sei. "Wir wissen, dass technologische Entwicklung manchmal wehtut, und sehen es als Notwendigkeit, um den Kohlendioxidanteil nach unten zu bringen. Wir sind aber auch der Meinung, dass die Steinerne Platte das falsche Gebiet dafür ist", so Kellerhoff, der den Punkt weiter ausführte. Windräder seien ein schmerzhafter Kompromiss, den man aus genau diesen Gründen sehr ernst prüfen müsse, wie die Gruppe zu verstehen gibt.

"Wir haben vorab ein Dossier verfasst, welches die harten Fakten zusammenträgt", erklärte Bischof. In besagtem Dossier, welches dem Regierungspräsidium, HessenForst, Fuldas Landrat Bernd Woide und Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sowie Juwi vorliegt, wird detailliert erklärt, wieso das Gebiet im Gieseler Forst ungeeignet ist für die geplanten 15 Windkraftanlagen. Der wichtigste Punkt ist hierbei vor allem das Wasser - 20 Weiher und 40 Quellen sowie viele seltene Tierarten sprechen gegen das Vorhaben. Auch die Wasserschutzzonen sind laut einem vorliegenden Gutachten der Gruppe neu zu bewerten. Der Betreiber präsentierte an einer Veranstaltung im September 25 in Kleinlüder nach abgeschlossener Biotopkartierung im Beisein von HessenForst. Es wurde zunächst angenommen, dass nur ein Weiher im geplanten Gebiet vorhanden sei - Feldaufnahmen zeigen allerdings, dass es sich bei dem Gebiet um einen sehr von Wasser geprägten Wald handelt. Ein völlig intakter Wald sollte zudem nicht auf diese Weise verschwinden.

"In diesem Prozess zählen nur die Fakten"

Auch angesichts der immer weiter wachsenden Gefahr von Waldbränden sei es wichtig, gerade deshalb solch ein Gebiet zu schützen. Durch die Baumaßnahmen würde nach Ansicht von Kellerhoff und Bischof möglicherweise die Wasserversorgung des Fuldaer Westens unter dem Vorhaben leiden. Besonders spannend ist zudem, dass man bei der ersten Ausschreibung davon ausging, dass es auf der steinernen Platte nur einen einzigen Weiher gebe - das stellte sich durch die Feldaufnahmen als falsch heraus. "Das ist ein systemisches Problem", gab Bischof zu verstehen. Eine gründlichere Prüfung müsse aber die Grundlage für einen Windpark sein. "In diesem Prozess zählen nur die Fakten", ergänzte er.

Einen besonderen Dank sprach Ralf Bischof auch dem Landtagsabgeordneten Thomas Hering (CDU) und dem Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) für die Unterstützung auf politischer Ebene aus. Auch Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch unterstützte die Gruppe und fuhr mit Bischof durch den Wald. "Ich hatte das Gefühl, er war nach umfangreicher Erklärung der Zusammenhänge sehr beeindruckt", betonte Ralf Bischof diesbezüglich.

Forstminister Ingmar Jung: "Der Ausbau der Windenergie geht nur mit der Bevölkerung"

Nachdem der Deal mit Juwi geplatzt war, meldete sich auch Hessens Forstminister Ingmar Jung zu Wort. Er versicherte, dass ohne die Zustimmung aus der Bevölkerung kein Windpark entsteht. "Der Ausbau der Windenergie geht nur mit der Bevölkerung vor Ort und nicht gegen sie. Akzeptanz ist die wichtigste Voraussetzung für die Energiewende. Deshalb hat die Landesregierung bekanntlich beschlossen, Kommunen in Windvorranggebieten enger bei der Ausbietung von Windvorrangflächen im Staatswald zu beteiligen. Das gilt auch für das Windparkvorhaben auf der Steinernen Platte", so der Minister.

Er verstehe die Sorgen der Bewohner des Landkreises, weil nach dem Juwi-Rückzug schon gleich der nächste Projektentwickler vor der Tür stehen könnte. Er entwarnt allerdings: "Ohne Beteiligung der Kommunen und der Bevölkerung vor Ort werden im Staatswald keine Windkraftanlagen errichtet." Sollte es neue Interessenten geben, wird zunächst ein gesondertes Anhörungsverfahren durchgeführt - danach soll HessenForst auf die Kommunen zukommen und die Möglichkeit bieten, eine Stellungnahme abzugeben.

Die Gruppe, welche neben Ralf Bischof und Manfred Kellerhoff unter anderem auch aus Spotlight-Gründer Peter Scholz besteht, setzt sich also weiterhin dafür ein, dass der Wald erhalten bleibt - mit Prüfverfahren, Fakten und vor allem Beweisen. Wie es allerdings mit dem Forst weitergeht, ist aber Stand jetzt zunächst noch unklar. (pg) +++

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