Ältester Hesse mit 110 Jahren gestorben

Requiem für Pfarrer Bruno Kant: "Es wird schon alles gut gewesen sein"

Am Samstag fand das Requiem für Pfarrer Bruno Kant in Eichenzell-Löschenrod statt.
Fotos: Charlie Rolff

07.06.2026 / EICHENZELL - Das Requiem für Pfarrer Bruno Kant machte deutlich, dass von einem Menschen Abschied genommen wurde, den zu kennen eine Bereicherung war. Von uns gegangen ist ein Priester, der seinen Beruf liebte und lebte, der Seelsorger und Menschenfreund war, dazu humorvoll und gebildet. Auf dem Friedhof in Eichenzell-Löschenrod (Kreis Fulda) haben Familie, Freunde und Wegbegleiter am Samstag Abschied von Bruno Kant genommen. Er war am 29. Mai im Alter von 110 Jahren verstorben.


Ein schlichter Sarg, eine Stola und ein Kelch

In gewisser Weise war dieses Requiem auch ein historischer Moment. Zu Grabe getragen wurde nämlich der älteste Priester der Welt (110 Jahre und 92 Tage) und der älteste Hesse. Kants Leben umspannte nicht nur mehr als ein Jahrhundert, sondern musste mit zahlreichen Zeitenbrüchen zurechtkommen: Inflation, Vertreibung, Krieg, Gefangenschaft. Darüber hätte ein Mensch auch bitter hätte werden können. Nicht aber Bruno Kant, der ein "lebenssattes Leben" geführt und sich gewünscht hatte, friedlich einzuschlafen, wie Pfarrer Guido Pasenow es beschrieb.

Das Besondere des Requiems verdeutlichte auch der Einzug der neun Zelebranten und sicher 20 Ministranten. Das Requiem hielt Weihbischof Dr. Karlheinz Diez, unter den Zelebranten waren u.a. Generalvikar a.D. Gerhard Stanke und natürlich der örtliche Pfarrer Guido Pasenow, der später auch die Beisetzung vornahm.

Vor dem Altar stand der schmucklose Sarg, darauf Pfarrer Kants Priesterstola und sein persönlicher Kelch. Die Osterkerze stand nicht wie üblich im Altarraum, sondern vor dem linken Seitenblock. "Hier hat Bruno Kant immer gesessen, wenn er zum Gottesdienst kam", erklärt es Weinbischof Diez später in seiner Predigt. Die Kirche war gut gefüllt, in der Trauergemeinde waren auch Staatssekretär Michael Brand, MdB und der Eichenzeller Bürgermeister Johannes Rothmund. Viele Angehörigen Kants waren gekommen, und auch einige der polnischen Frauen, die ihn in den letzten Jahren gepflegt hatten.

Brevier und Sudoku-Block immer in Reichweite

75 Jahre dauerte Bruno Kants Priesterleben, 110 Jahre sein irdisches Leben. Begonnen hat es in Ostpreußen, in der Nähe Danzigs, wo er auch zur Schule ging. "Er ist durch Epochen und Schicksale gegangen, die zu einer anderen Welt zu gehören scheinen", sagte Diez und erinnerte uns an Bruno Kants Lebenslauf: Aufgewachsen mit sieben Geschwistern in eher ärmlichen Verhältnissen, im Zweiten Weltkrieg als Soldat auf die Krim geschickt, drei Jahre verbrachte er in russischer Kriegsgefangenschaft, was er als Hölle auf Erden erlebt habe.

Nach seiner Rückkehr gelang es Kant, die aktuelle Adresse seiner Mutter herauszubekommen, die in Gelnhausen lebte. So landete Bruno Kant in der Diözese Fulda. Endlich konnte er sein Theologiestudium beenden und wurde 1950 zum Priester geweiht. Seine erste Pfarrstelle war in Marbach, nach seiner Pensionierung 1991 lebte er im Löschenroder Pfarrhaus. Kant sei ein Priester gewesen, der Menschen dazu ermutigt habe, in Politik und Kirche Selbstverantwortung zu übernehmen. Das Gebet habe eine besonders

wichtige Rolle in seinem Leben gespielt, sein Brevier habe immer in Reichweite gelegen, genauso auch der geliebte Sudoku-Block.

Das Leben als Geschenk

Auf katholisch.de war Kant erst vor wenigen Monaten nach dem Geheimnis eines langen Lebens befragt worden. Es sind einfache Wahrheiten, die er nicht nur gesagt, sondern gelebt hat: Beten hält jung. An Gotte glauben. Das Leben als Geschenk sehen. Fehler eingestehen. Das Leben annehmen. Beruf als Berufung. Bescheiden sein. Aktiv bleiben. Aufs Sterben vorbereiten. Dankbar sein.

Weihbischof Diez hob eine weitere Eigenschaft Kants hervor, die den meisten Menschen wohl weniger bewusst sei. Im Abschlussbericht "Nur mit Mut" zu den Missbrauchsfällen in der Diözese Fulda heißt es: "Bekannt gewordene Missbrauchsbetroffene wurden in ihren Nöten und ihrem Leid bis zum Jahr 2010 nicht wahrgenommen und beachtet. Dass schon vorher ein anderes Verhalten möglich gewesen wäre, zeigt die Reaktion des Pfarrers Bruno Kant Anfang der 60er-Jahre, der die notwendige Sorge um missbrauchte Kinder und Jugendliche und deren möglicherweise bleibendes Leid thematisierte." Neben den vielen schuldigen Hirten gab es eben auch Geistliche wie Bruno Kant.

Begleitung in den wichtigsten Momenten des Lebens

Bruno Kant prägte das kirchliche wie gesellschaftliche Leben in Marbach und Löschenrod. Das zeigte sich in den Geleitworten aus Politik und katholischer wie evangelischer Kirche, die alle eine sehr persönliche Note hatten. Das wurde auch in den Fürbitten deutlich, die alle von Kants Leben abgeleitet waren. Kant sei bei den wichtigsten Momenten im Leben seiner Gemeindemitglieder dabei gewesen – von Taufe, Kommunion, Firmung und Eheschließung bis Tod und Foaset.

Den persönlichsten Gruß sprach Beate Kant, die Nichte des Verstorbenen. Sie dankte den vielen Menschen, die für ihren Onkel da gewesen waren, vor allem und aus tiefstem Herzen den polnischen Frauen, die ihn in den letzten Jahren umsorgt hatten "und ohne die nichts gegangen wäre. Sie kochten für ihn, spielten mit ihm Gesellschaftsspiele und verbesserten gemeinsam ihr Deutsch (die Frauen) oder Polnisch (ihr Onkel). Sie gehörten zur Familie."

Im Anschluss an das Requiem wurde Bruno Kant unter großer Anteilnahme auf dem Löschenroder Friedhof beerdigt – zu Füßen der Dreifaltigkeitsstatue, einem Platz, den er sich noch selbst ausgesucht hatte. (Jutta Hamberger) +++

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