Im Glauben Hoffnung schöpfen

Pfarrer Bruno Kant (109): So feiert Deutschlands ältester Mann Weihnachten

Pfarrer Bruno Kant (109) ist der älteste Deutsche. Er hat Weihnachten immer gerne mit der Gemeinde gefeiert.
Fotos: Carina Jirsch

26.12.2025 / EICHENZELL - Wenn das größte Geschenk Dankbarkeit heißt: Pfarrer Bruno Kant aus Eichenzell-Löschenrod (Kreis Fulda) hat ein Leben voller Höhen und Tiefen erlebt. Der 109-Jährige verbringt die Weihnachtsfeiertage zu Hause im Pfarrhaus - gemeinsam mit seiner Familie und seiner Betreuerin. Materielles ist für ihn längst zur Nebensache geworden, viel wichtiger ist das Zwischenmenschliche. "Es ist vor allem die Unterstützung, die ich habe und sehr schätze."


Kant ist derzeit der älteste lebende Mann Deutschlands und gleichzeitig der wohl älteste katholische Pfarrer der Welt - Titel, denen der gebürtige Westpreuße jedoch mit Bescheidenheit begegnet. Früher war Weihnachten für ihn das Hauptfest des Jahres. Als Priester feierte er das Fest der Liebe gerne mit der Gemeinde. Heute machen seine Ohren nicht mehr mit, den Gottesdienst verfolgt er über den Fernseher. Der rege Publikumsverkehr vergangener Zeiten bleibt aus - einst gehörten die zahlreichen Begegnungen ganz selbstverständlich dazu. "Das würde ich inzwischen eher als störend wahrnehmen, ich brauche meine Ruhe", sagt er gegenüber OSTHESSEN|NEWS.

Sein Lieblingsgericht zu Weihnachten

Nichte Beate Kant aus Guntersblum (Rheinland-Pfalz) beschreibt ihren Onkel als "großen Menschenfreund". Die 71-Jährige empfindet es als besonderes Privileg, Weihnachten noch mit ihm verbringen zu können. "Mit 100 stand er am Altar, hat Messe gehalten und ist im Dorf spazieren gegangen. Er ist wirklich eisern und hält sich so gut es geht fit - körperlich wie geistig." Täglich dreht er seine Runden mit dem Rollator durchs Haus, macht Gymnastik, liest gerne und löst Sudoku. Seine festen Stützen im Alltag: Zwei Betreuerinnen, die sich abwechselnd um ihn kümmern. Beide haben ein enges Verhältnis zu dem 109-Jährigen aufgebaut. Viola etwa steht Bruno Kant seit acht Jahren zur Seite. Ihr Mann reist über die Feiertage eigens aus Polen an. Neben dem gemeinsamen Schmücken des Weihnachtsbaumes steht das gemütliche Beisammensein im Mittelpunkt der Feiertage. An Weihnachten wird polnische Suppe auf den Tisch serviert. "Das hat mein Onkel in seiner Kindheit geliebt", erklärt die Nichte.

In schweren Zeiten die Hoffnung nicht verlieren

Ein Leben in Frieden und Harmonie ist für Bruno Kant keine Selbstverständlichkeit - das hat ihn die Vergangenheit gelehrt. Seine dunkelsten Weihnachtsfeste habe er in russischer Kriegsgefangenschaft erfahren müssen. Drei Jahre lang sei er in der Ukraine festgesetzt gewesen, ehe er 1948 wieder in Freiheit leben durfte. "Geblieben ist mir aber immer mein Glaube. Es grenzt an ein Wunder, dass ich die schwere Zeit überstanden habe und heute noch hier bin." Weihnachten regt ihn nach wie vor zum Nachdenken an - über Nächstenliebe und Hoffnung. "Wir sollten uns auf das Eigentliche besinnen und Gott danken, dass wir auf der Welt sein dürfen - es ist eine Gnade." (Maria Franco) +++

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