Aktueller Sachstand - "KARL" kommt bald

Warten auf die Entscheidung: Wie geht es weiter mit Galeria Karstadt Kaufhof?

Die Zukunft von "Galeria Karstadt Kaufhof" ist weiter ungewiss.
Foto: O|N - Archiv

24.01.2023 / FULDA - Momentan vergeht kaum ein Tag, an dem überregional nicht über die Zukunft von Galeria Karstadt Kaufhof berichtet würde. Da ist von einer "Zitterpartie" die Rede, die kein Ende nehme, wird darüber spekuliert, wie viele der Filialen weitergeführt und wie viele komplett schließen werden. Fakt ist, dass die rund 1.200 Mitarbeiter der Kaufhaus-Kette quälender Ungewissheit ausgesetzt sind - auch diejenigen, die in dem Haus am Fuldaer Uniplatz beschäftigt sind. O|N hat am Montag versucht, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Vor Kurzem hatte die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) von rund 60 der 130 Filialen berichtet, die angeblich schließen sollen und sich dabei auf Informationen aus Unternehmerkreisen berufen. Danach könnten, sollte dies Wirklichkeit werden, 600 der 1.200 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Immerhin wäre das aber weniger, als die Zahl von 90 Filialschließungen, die bisher die Runde gemacht hat.

Doppelstandorte betroffen?

Laut der "SZ" könnten von den Schließungen besonders Filialen betroffen sein, die in der Nähe einer weiteren Filiale liegen, sogenannte Doppelstandorte. Diese gibt es in 13 Städten, nämlich Darmstadt, Duisburg, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Münster, Nürnberg, Regensburg, Saarbrücken, Trier, Wiesbaden und München. 

Auch Fulda war einst ein solcher Doppelstandort gewesen, bis sich am 16. Oktober 2020 die Tore von Galeria Kaufhof in der Rabanusstraße endgültig geschlossen hatten. Nach über 60 Jahren war damit die Ära des traditionsreichen Warenhauses, ehemals "Kerbersch Koarl", unwiderruflich zu Ende gegangen.

Gegenüber OSTHESSEN|NEWS gab die Pressestelle von "Galeria Karstadt Kaufhof" am Montag folgendes Statement ab und verwies damit auf eine Erklärung, die vor Kurzem veröffentlicht worden war: Danach haben sich das Management der Kaufhauskette und der Gesamtbetriebsrat während der Verhandlungen zu Interessensausgleich und Sozialplan auf erste Eckpunkte geeinigt.

"Bereits jetzt steht fest, dass die Filialen in der jetzigen Struktur und Anzahl nicht aufrechterhalten werden können. Insbesondere von den Verhandlungen mit den Vermietern hängt ab, welche Filialen von Galeria weiterbetrieben werden können oder geschlossen werden müssen. Zudem haben mehrere Bieter Interesse an der Übernahme von Filialen geäußert. Eine nahtlose Weiterbeschäftigung bei einem Erwerber bietet den Mitarbeitenden weitere berufliche Perspektiven".

Aufgrund der laufenden Gespräche mit Vermietern und möglichen Erwerbern stehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest, welche Filialen weiterbetrieben oder geschlossen werden. Vor diesem Hintergrund einigten sich das Management und der Gesamtbetriebsrat auch darauf, einzelne Standorte nicht zu kommentieren. Wörtlich heißt es weiter: "Die Zahl der Filialen, die im Fokus der Prüfung einer Schließung standen, konnte deutlich reduziert werden".

Wie die FAZ vor Kurzem schrieb, werde Galeria zum Ende des Monats den Gläubigern seinen Insolvenzplan vorlegen. "Klar ist, dass viele Häuser dichtmachen müssen, um dem Unternehmen in seiner zweiten Insolvenz binnen zwei Jahren noch eine Chance auf eine Zukunft zu geben. Doch eine endgültige Schließungsliste für die angeschlagene Warenhauskette steht noch nicht fest".

Ursprünglich hatte der Onlinehändler Buero.de erklärt, einen Teil der Filialen von Galeria Karstadt Kaufhof übernehmen zu wollen. Auch der Standort Fulda war im Gespräch gewesen. Das Angebot war dann aber Ende Dezember wieder zurückgezogen und dies mit "veränderten Rahmenbedingungen" begründet worden.

Das sagt die Stadt

Gegenüber O|N kam am Montagmittag auf Nachfrage folgende Stellungnahme seitens der Stadt: "Angesichts der Tatsache, dass der Galeria-Konzern erst im vergangenen Jahr massiv in die Fuldaer Filiale investiert und bei der Wiedereröffnung der Filiale sein Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Standorts betont hat, sind wir zuversichtlich, dass Fulda nicht zu den Standorten gehört, die von der Schließung bedroht sind. Bei der Wiedereröffnung hieß es auch, dass Fulda zu den TOP5 der runderneuerten Filialen in Deutschland gehöre". 

Gleichzeitig befinde sich die Stadt Fulda im engen Austausch mit den Filialverantwortlichen vor Ort. Der Einkaufsstandort Fulda habe sich in den vergangenen Jahren trotz aller Herausforderungen als stark erwiesen. Die im vergangenen Jahr erneut gestiegene Frequenz in der Fuldaer Innenstadt biete auch Anlass zur Zuversicht.

Abschließend schreibt Pressesprecher Johannes Heller: "Die enormen Anstrengungen, die die Stadt Fulda in den vergangenen Jahren unternommen hat, um die Innenstadt als Kultur- und Erlebnisraum zu positionieren und damit auch Kundenfrequenz und Kaufkraft nach Fulda zu holen, dienen nicht zuletzt auch dem Zweck, solche Häuser wie Galeria, die eine positive Ausstrahlungswirkung auf viele andere Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt haben, am Standort Fulda zu halten".

Zeitplan für Konzept-Kaufhaus "KARL"

Auch vom Wandel von "Kerbersch Koarl" zum "Konzept-Kaufhaus KARL" gibt es Neues: Wie bereits berichtet, sollen die Verkaufsflächen des ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäudes schon bald wieder mit Leben gefüllt werden. Dafür wollen Marco Friedmann und Dominique Liggins von "Hier & Jetzt Projekte" aus Mainz sorgen. Beide haben die Flächen gemietet und wollen diese jetzt untervermieten. Auf O|N-Anfrage teilte die Stadt Fulda am Montagvormittag mit, laut Marco Friedmann ("Hier&Jetzt") sei die Eröffnung des "Kaufhaus Karl" ab der 6. KW, also ab 6. Februar, geplant. 

Zuvor findet am kommenden Sonntag, 29. Januar, im ehemaligen "Kerber" die Hochzeitsmesse "heiraten & stilvoll feiern" statt. Wie bereits berichtet, haben bei "your wedding party" Besucher auf über 1.000 Quadratmetern Gelegenheit, sich von 10 bis 16.30 Uhr über Neuheiten und Trends rund um Hochzeiten, Geburtstage, Familienfeste oder Jubiläen zu informieren.

Im früheren "Kerber" bietet außerdem das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Fulda Impfungen gegen das Corona-Virus an. Das DRK betreibt auch das Café "Kerbersch Koarl" in der Passage an der Rabanusstraße, direkt neben dem ehemaligen Haupteingang. (Bertram Lenz) +++