Tribünen-Talk (3)

Fünf Fragen an Robert Nickisch aus "Notre-Dame"

Tribünen-Talk mit Robert Nickisch.
Foto: Sophie Schwarz / Christopher Göbel

04.08.2022 / BAD HERSFELD - In dieser Festspielsaison übernimmt Robet Nikisch die Rolle des Quasimodo in "Notre-Dame". Dafür erhielt er den Hersfeldpreis. OSTHESSEN|NEWS stellt in dieser Saison einige Festspiel-Darstellerinnen und Darsteller in Kurz-Porträts mit jeweils fünf Fragen vor.



Haben Sie etwas mit Ihrer Rolle gemeinsam?

Mich verbindet mit Quasimodo seine hohe emotionale Intelligenz und sein Gerechtigkeitssinn. Aufgrund meines äußeren Erscheinungsbildes werde auch ich manchmal komisch behandelt. Bei polizeilichen Fahrzeugkontrollen an Ländergrenzen beispielsweise. Da kann ich mittlerweile schon davon ausgehen, dass mein Wagen, Gepäck oder Ähnliches kontrolliert wird. Dafür plane ich im Voraus meist schon einen Puffer von 30 Minuten ein. Und aufgrund meines Sportunfalls, weiß ich, wie es ist, ständig auf Hilfe angewiesen zu sein. Zum Glück gehört das mittlerweile der Vergangenheit an, aber ich weiß, was körperliche Schmerzen bedeuten.

Wie entspannen Sie sich, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?

Ich liebe es, in die Sauna zu gehen, sogar auch im Sommer. Ich habe mir selbst eine zuhause gebaut und sie funktioniert! Ich liebe es, Dinge zu reparieren, die sonst weggeschmissen werden. Ich habe eine kleine Tüftelwerkstatt daheim und mag es, mich auf kleine Schrauben zu konzentrieren, je kleiner, umso besser, das beruhigt mich. Ich gehe außerdem gern in den Wald und liebe das Sammeln von Pilzen, sie zu trocknen und einzukochen.

Eine kleine Anekdote aus Ihrer Bad Hersfelder Festspielzeit?

Um die Rolle des Quasimodo spielen zu können, mache ich regelmäßig Fitnesstraining. Dabei war es mir wichtig, in Bad Hersfeld ein Studio zu suchen, das auch eine Sauna hat. Dort war ich ziemlich schnell der "Aufguss-Sauna- Schauspieler". Ich mache dort nämlich Aufgüsse, und die Leute freuen sich darüber. Als ich an einem heißen Tag mit meinen Schauspielkollegen das Freibad besuchte und über den Rasen watschelte, rief mir einer aus einer gut durchtrainierten Männer-Runde zu: "Hi, Aufguss-Quasi!" Und ich rief zurück: "Nee, heute hat Quasi frei, Quasi ist im Freibad." Wir lachten alle.

Was ist Ihr Lieblingsessen und warum?

Ich mag so viel gutes Essen, aber am liebsten esse ich Speisen, die im Garten selbst gepflanzt wurden, beispielsweise einen feinen Gemüse-Eintopf. Oder selbstgemachte Erdbeermarmelade auf Pfannkuchen, die werden eingeatmet …

Was wäre Ihr Alptraum-Moment auf der Bühne?

Wenn ich auf der Bühne erfahren würde, dass jemand, der mir nahesteht, etwas zugestoßen ist und ich nicht wegkommen würde, weil ich das Stück zu Ende spielen müsste. Das wäre der pure Horror. Abgesehen von der Tragik mag ich keine hilflosen Situationen, da ich ein lösungsorientierter Mensch bin.

Kurz-Vita

Robert Nickisch wurde 1982 geboren und wuchs in Nordhausen bei seinen Großeltern väterlicherseits auf. Er war Thüringer Jugendmeister im Boxen, war begeisterter Fußballspieler und fuhr Motocross Rennen. Nach einem schweren Unfall mit 17 Jahren musste er neu laufen lernen und sich von seiner Sportler-Karriere verabschieden.

Robert Nickisch zog nach Berlin, begann Lehren als Maurer, Tischler und Koch, die er jedoch abbrach. Die Regisseurin Uta Plate holte ihn ans Jugendtheater der Schaubühne Berlin. Kurz darauf folgte eine Zusammenarbeit in Daniel Schraders Regiedebüt in der Jugendtheater Gruppe P14 der Volksbühne Berlin und ein zweijähriges Theaterengagement am Kunstpalast Berlin.

Schnell wurde auch die Film- und Fernsehbranche auf Robert Nickisch aufmerksam. Er spielte im Tatort unter Regie von Brigitte Bertele, in vielen erfolgreichen Serien wie zum Beispiel Letzte Spur Berlin und Notruf Hafenkante und gehörte zum Hauptcast des Kinofilms Krass Klassenfahrt unter Regie von Felix Charin. (Christopher Göbel) +++

Robert Nickisch als Quasimodo in \"Notre-Dame\"
Foto: Carina Jirsch

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