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Eskalation der Gen-Z-Demo in Frankfurt

Mehr als 100 Polizisten verletzt: Poseck will durchgreifen

Innenminister Professor Dr. Roman Poseck bei der Pressekonferenz am Sonntagmittag in Frankfurt am aian
Fotos: Hans-Hubertus Braune

01.11.2026 / FRANKFURT AM MAIN - Mehr als 100 verletzte Polizisten, 54 Festnahmen und 17 beschädigte Geschäfte: Nach den Ausschreitungen bei der Gen-Z-Demonstration in Frankfurt haben Polizei und Politik am Sonntag eine erste Bilanz gezogen. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) stellt auch ein Verbot weiterer Kundgebungen in Aussicht.



Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) hat nach den Gewaltausbrüchen in der Frankfurter Innenstadt ein konsequenteres Vorgehen gegen Gewalttäter angekündigt. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag, 1. November, sagte er: "Wir dürfen die Zeil und andere Stellen in Frankfurt diesem gewalttätigen Mob nicht überlassen. Wir werden daher noch konsequenter vorgehen." Eine vergleichbare Situation dürfe sich nicht wiederholen. Auch ein Verbot weiterer Kundgebungen sei denkbar.

Für den 20. November bezog der Minister deutlich Stellung: "Aus meiner Sicht darf am 20. November daher auch keine mit gestern vergleichbare Versammlung in Frankfurt stattfinden." Dabei sei zu berücksichtigen, dass die erste Eskalation von der Versammlung ausgegangen sei. Bei etwaigen weiteren Versammlungen werde die Polizei mit einem noch stärkeren Aufgebot im Einsatz sein und von Anfang an robust vorgehen.

Neben Poseck nahmen Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer, Polizeipräsident Stefan Müller und Einsatzleiter Erik Hessenmüller an der Pressekonferenz teil. Im Mittelpunkt standen die Angriffe auf Einsatzkräfte, die Schäden in der Innenstadt und die Frage, welche Konsequenzen aus den Ausschreitungen gezogen werden.

Mehr als 100 Polizisten verletzt

Die Polizei sprach von 1.000 bis 1.500 gewaltbereiten Störern. Bis zu 1.300 Einsatzkräfte waren vor Ort. Zum Einsatz kamen unter anderem Wasserwerfer, ein Hubschrauber und Tränengas. Auch das Sondereinsatzkommando war vor Ort. Poseck betonte, die Polizei sei bereits am Samstag robust vorgegangen.

Nach Angaben des Ministers wurden mehr als 100 Beamte verletzt. Ein Polizist sei von einem Stein im Gesicht getroffen worden und habe dadurch Zähne verloren. Über Stunden seien die Einsatzkräfte erheblich angegriffen worden. Erst nach Mitternacht habe die Polizei die Lage unter Kontrolle gebracht.

"Nur dank ihres aufopferungsvollen Einsatzes und unter schwierigen Bedingungen konnte Schlimmeres verhindert werden", sagte Poseck. Er dankte den Beamten und wünschte den verletzten Polizisten eine schnelle Genesung. Der Minister hatte sich nach eigenen Angaben zwischen 16 und 1 Uhr selbst ein Bild von der Lage gemacht: zunächst auf der Konstablerwache, dann im 1. Revier und schließlich in der Befehlsstelle im Polizeipräsidium.

Viele Tatverdächtige laut Polizei bereits bekannt

Polizeipräsident Stefan Müller erklärte, viele der Tatverdächtigen, die teilweise gewalttätig geworden seien oder Geschäfte geplündert hätten, seien bereits polizeibekannt.

Poseck führte die Ausschreitungen auf Linksextremisten und gewaltorientierte junge Menschen zurück. Menschen mit Migrationshintergrund seien unter den Gewalttätern nach seiner Darstellung überproportional vertreten gewesen. Zugleich sagte der Minister, die Festgenommenen hätten "überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit".

Hinweise darauf, dass Gewalttäter aus dem Ausland angereist seien, gebe es nicht. Viele Tatverdächtige seien allerdings nicht aus Frankfurt selbst, sondern aus dem näheren und weiteren Umland gekommen. Poseck sprach von einer Anreise aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet.

Unabhängig von den Ereignissen am Samstag habe die Polizei bereits auf die Lage in der Innenstadt reagiert, sagte der Minister. Dazu gehörten ein massives Polizeiaufgebot auf der Zeil und die Einrichtung der Besonderen Aufbauorganisation Zeil.

In der Pressekonferenz räumte die Polizei auch eigene Fehler bei der Einschätzung der Lage ein.

Sonderkommission soll Taten aufarbeiten

Nach dem bei der Pressekonferenz genannten Stand kontrollierte die Polizei 366 Personen, nahm 54 Menschen fest und erteilte 1.225 Platzverweise. Eine Sonderkommission soll die Verfahren mit Hochdruck bearbeiten. Poseck forderte ein hartes Vorgehen bei der Strafverfolgung. Inhaftierungen und Bestrafungen müssten abschreckend wirken.

Zugleich kündigte er an, die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden über die Gewalttäter zu verbessern und gegen diese auch außerhalb von Versammlungen gezielter vorzugehen. Dazu solle auch der Unterbindungsgewahrsam genutzt werden, um Wiederholungen vorzubeugen.

Die Bekämpfung des Linksextremismus solle ebenfalls intensiviert werden. Poseck bezeichnete dessen Verbindungen mit anderen gewalttätigen Kräften als große Gefahr. Die Ereignisse müssten aus seiner Sicht eine Initialzündung für eine deutlich härtere Gangart gegen Kriminelle sein.

Josef verweist auf Folgen für Geschäftsleute

Nach dem vorläufigen Stand wurden 17 Geschäfte beschädigt. Plünderungen habe die Polizei laut Poseck überwiegend verhindern können.

Oberbürgermeister Mike Josef sagte, die Ereignisse machten ihn wütend und fassungslos. In Frankfurt könne jeder friedlich seine Meinung sagen und demonstrieren. Denjenigen, die Zerstörung und Gewalt ausgeübt hätten, sei es aber nicht um Inhalte oder friedlichen Protest gegangen. "Das sind Kriminelle, die auch als solche behandelt werden müssen."

Josef verwies besonders auf die Folgen für die betroffenen Geschäftsleute: "Hinter jedem dieser Geschäfte stehen Menschen, Familien, Beschäftigte. Für manche kann es um ihre wirtschaftliche Existenz gehen." Für Montag sei bereits ein Treffen mit dem Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen vereinbart.

Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer verurteilte die Ausschreitungen und die gezielten Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. "Die radikale Gewalt gegen Einsatzkräfte, die uns als Gesellschaft schützen, ist ein direkter Angriff auf uns alle und unseren Rechtsstaat." Die Taten müssten konsequent aufgearbeitet und verfolgt, die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. (hhb/ksk) +++

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