Der Tag, an dem Fulda Geschichte schreibt

Ein Pokalabend für die Ewigkeit: Wie die Barockstadt ganz Osthessen begeistert

Trotz einer bitteren Niederlage, hat die SG Barockstadt ihre Fans begeistert
Fotos: Carina Jirsch

25.05.2026 / OFFENBACH - Es war einer dieser Fußballtage, die weit über 90 Minuten hinausgehen. Einer dieser Abende, an denen es plötzlich nicht mehr nur um Tore, Ergebnisse oder Tabellen geht. Sondern um Emotionen, Zusammenhalt und das Gefühl, gemeinsam Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Das Hessenpokalfinale der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz gegen den SV Wehen Wiesbaden war genau so ein Abend - für Fulda, für Osthessen und für alle, die diesen Verein begleitet haben.

Schon am frühen Samstagmittag begann die Reise Richtung Offenbach. Sieben Fanbusse machten sich auf den Weg zum Bieberer Berg. In den Fahrzeugen: laute Musik, kalte Getränke, Fahnen, Schals - und vor allem Vorfreude. Tausende Fans aus der Region wollten dabei sein, wenn die SG Barockstadt erstmals in ihrer Vereinsgeschichte um den Hessenpokal spielt. Es war nicht nur ein Finale. Es war ein Stück Fußballgeschichte für Osthessen.

"Die Fuldaer sind da"

Und genau dieses Gefühl war rund um das Stadion den gesamten Tag über zu spüren. "Hurra, hurra, die Fuldaer sind da!", hallte es durch den Bieberer Berg. Als kurz vor Spielbeginn die Choreo im Fuldaer Block erschien und Pyros den Himmel färbten, war endgültig klar: Die SG Barockstadt ist angekommen auf der großen Bühne des hessischen Fußballs.

Mehr als 1.000 Anhänger hielten es am Ende mit der SGB, insgesamt kamen 3.579 Zuschauer ins Stadion. Und sie sahen eine Mannschaft, die sich gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden keinesfalls versteckte. Im Gegenteil: Die Elf von Trainer Daniyel Cimen spielte mutig, leidenschaftlich und phasenweise sogar besser als der Favorit.

Auch politische Unterstützung erhielt die SG Barockstadt in Offenbach. Der osthessische Bundestagsabgeordnete Michael Brand reiste gemeinsam mit den Fans im Bus nach Offenbach und war neben Fuldas Bürgermeister Dag Wehner einer der wenigen Politiker aus der Region vor Ort. Nach dem Spiel fand Brand deutliche Worte: "Ein ganz großes Kompliment an die Mannschaft, das war eine Top-Leistung von Barockstadt. Fulda war wirklich nah dran am historischen Sieg. Der DFB-Pokal war zum Greifen nah und wäre auch verdient gewesen. Kompliment auch an die mitgereisten Fans, die das Team am Bieberer Berg toll angefeuert haben. Jetzt geht’s weiter."

Die SGB hat die Führung auf dem Fuß

Schon früh hatte Moritz Dittmann die Führung auf dem Fuß. Fulda kombinierte stark, gewann Zweikämpfe und zeigte überhaupt keinen Respekt vor dem Drittligisten. "Wir hätten in Führung gehen können oder sogar müssen", sagte Cimen später - und tatsächlich wirkte die SG Barockstadt über weite Strecken absolut auf Augenhöhe.

Doch Fußball kann brutal sein. Kurz vor der Pause traf Moritz Flotho zur Wiesbadener Führung. Ein Nackenschlag für die Osthessen. Aber wer dachte, die SG würde daran zerbrechen, wurde sofort eines Besseren belehrt. Direkt nach Wiederbeginn zog Leon Pomnitz aus 17 Metern ab, der Ball sprang vom Innenpfosten ins Netz - 1:1. Der Fuldaer Block explodierte, das Stadion bebte.

"Wer noch kein SGB-Fan ist - der ist es jetzt"

Plötzlich war sie greifbar, diese ganz große Sensation. Die SG Barockstadt drückte, hatte Momentum, glaubte an das Fußballmärchen. Doch erneut schlug Wiesbaden eiskalt zu. Lukas Schleimer traf in der 59. Minute zum 2:1 für den Drittligisten.

Und trotzdem: Die SG gab sich nicht auf. In den letzten Minuten warf Fulda alles nach vorne. Sieben Minuten Nachspielzeit. Rote Karte gegen Wiesbaden. Das gesamte Stadion stand. Die Fans schrien ihre Mannschaft nach vorne, jeder Ballgewinn wurde gefeiert, jede Aktion frenetisch begleitet. "Wer noch kein SGB-Fan ist - der ist es jetzt", hieß es im OSTHESSEN|NEWS-Liveticker. Wahrscheinlich war das der Satz dieses Abends.

Ein Tag, an dem ganz Osthessen zusammenstand

Denn auch wenn der Pokal am Ende nach Wiesbaden ging, hatte die SG Barockstadt etwas anderes gewonnen: den Respekt einer ganzen Fußballregion. Dieser Verein hat gezeigt, was möglich ist, wenn Mannschaft, Fans und Region gemeinsam an etwas glauben.

Auch OSTHESSEN|NEWS begleitete diesen historischen Tag mit einem Großaufgebot direkt vor Ort. Zahlreiche Fotografen, Videografen und Redakteure berichteten den gesamten Tag aus Offenbach - von der Abfahrt der Mannschaft über die Fanbus-Fahrt bis hinein in die emotionalen Stunden rund um das Finale. Liveticker, Videos, Bildergalerien, Interviews und Eindrücke von den Rängen: Unter der Serie "Mission Hessenpokal: Barockstadt im Finale" bekommen die Leser alles rund um den größten Fußballtag der jüngeren Fuldaer Geschichte.

Und wer an diesem Abend im Stadion war, der wird ihn wahrscheinlich nie vergessen. Nicht wegen des Ergebnisses. Sondern wegen des Gefühls. Wegen dieser Fans. Wegen dieser Mannschaft. Wegen eines Tages, an dem ganz Osthessen zusammenstand. (Constantin von Butler) +++

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