Abschied mit Pokal?

SGB-Keeper Samuel Zapico (29) vor dem Finale: Welchen Plan hat Gott?

Samuel Zapico spielt bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und engagiert sich in der Evangelischen Freikirche in Fulda
Fotos: Felix Weigl/Archivfotos: Carina Jirsch und Hans-Hubertus Braune

22.05.2026 / FULDA - Am Samstag kehrt die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz ins Stadion am Bieberer Berg in Offenbach zurück: Mit einem Sieg im Hessenpokalfinale gegen den Drittligisten SV Wehen-Wiesbaden kann der heimische Fußball-Regionalligist Geschichte schreiben. Erstmals würden die Osthessen in die erste Runde des DFB-Pokals einziehen. Dort sind dann Mannschaften wie die Bayern, der VfB Stuttgart, der BVB oder die Eintracht im Lostopf.



Soweit ist es aber noch nicht. Die Aufgabe im Finale ist mächtig. Dass die Jungs der SGB überhaupt dort stehen, haben sie maßgeblich ihrem Torwart Samuel Zapico (29) zu verdanken. Seine Paraden im Halbfinale und im Elfmeterschießen gegen Kickers Offenbach (3:2, 0:0) sind schon jetzt legendär.

Vor zwei Jahren sah die Welt noch anders aus, erging es den Osthessen wie jetzt den Offenbachern. Damals im Sommer 2024 scheiterte die SGB gegen den OFC im Halbfinale nach Elfmeterschießen. "Ich hatte im Kopf, was vor zwei Jahren passiert ist. Persönlich ging es mir in den Tagen danach sehr schlecht. Jetzt war es komplett anders, besser konnte ich mir das nicht vorstellen", sagt der 29-jährige Spanier im OSTHESSEN|NEWS-Sportgespräch.

Seit vier Jahren steht er nun in Fulda im Tor, kam damals nach einer "Super-Saison" aus Neuhof. "Barockstadt ist meine Familie in Deutschland. Ich bin sehr, sehr dankbar. Fulda ist sehr, sehr wichtig in meinem Leben", erzählt Zapico. Als Mensch und fußballerisch hat er sich sehr gut entwickeln können, nennt Cheftrainer Daniyel Cimen und natürlich Torwarttrainer Witold Sabela als wichtige Faktoren. Mit Maxi Hainer hat die SGB einen jungen Teammanager, der sich um alles kümmert und organisiert. Der Spanier legt zudem viel Wert auf die Kameradschaft, auf eine enge Zusammenarbeit mit den Jungs. Insbesondere natürlich auch mit den Torhütern. Für ihn ist es selbstverständlich, den anderen Torhütern zu helfen. Zu Beginn der Saison war er nur die Nummer zwei hinter Justin Duda, hat das aber akzeptiert. "Manchmal muss der Trainer ein Zeichen setzen, etwas verändern", sagt Zapico. Seit dem Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt (1:1) ist er wieder im Kasten, hat sich zurückgekämpft und spielt seitdem. Er fühlt sich bei der SGB wohl. "Wir sehen uns jeden Tag auf dem Sportplatz", sagt Zapico, sich mit den Kollegen zu verstehen, sei wichtig. Besonders mit Roco Ivankovic trifft er sich auch privat öfter, unterstützt den Neuzugang.

Von Katalonien nach Osthessen

Gemeinschaft ist eine tragende Säule in seinem Leben. In Sabadell kam er zur Welt, ist der "mittlere" von drei Kindern. Sein Vater ist Argentinier, seine Mutter stammt aus Gran Canaria. Die Familie lebt in der Stadt im Hinterland der katalanischen Metropole Barcelona. Zuerst spielt der heute 1,98 Meter große Samuel Basketball, mit elf Jahren ging es dann zum Fußball. Es folgte in jungen Jahren mit 19 bereits der mutige Schritt von der Mittelmeerküste ins ferne und sicher deutlich kühlere nordhessische Sandershausen. Der aufstrebende Verein wollte aus der Kasseler Gruppenliga aufsteigen. Das hat nicht geklappt, Zapico wechselte für ein halbes Jahr zum KSV Baunatal, ging dann aber zunächst nach Spanien in die dortige vierte Liga zurück. Die Kontakte nach Deutschland blieben aber bestehen und so kam er zurück. In Neuhof lief es deutlich besser, der Aufstieg klappte und die SG Barockstadt wurde auf ihn aufmerksam. Und so folgte der nächste Karriereschritt. Mit der SGB ist er nun seit vier Jahren in der Regionalliga.

Fußball spielt also eine wesentliche Rolle in seinem Leben. Doch über alledem steht Gott. "Ich bin sehr gläubig, seit ich klein bin. Alles, was ich im Leben mache, Gott ist der richtige Grund", sagt Zapico. Er engagiert sich in der Evangelischen Freikirche (EFF) in Fulda. Der Gottesdienstbesuch ist für ihn selbstverständlich. Zudem ist Zapico Teil des Lobpreisteams, spielt in der Band Schlagzeug oder Akustikgitarre und singt. Die gemeinsamen Gespräche mit den Gläubigen, etwa beim Kaffee nach den Gottesdiensten, geben Zapico zusätzliche Kraft.

Trotz dieser engen Bindung nach Fulda steht seit wenigen Tagen fest: Samuel Zapico wird die SG Barockstadt nach der Saison verlassen. "Die Entscheidung ist nicht einfach für mich. Ich bin seit fünf Jahren in der Region und möchte in Deutschland bleiben. Gott hat alles vorbereitet und weiß, wo mich mein Weg hinführt", sagt der sympathische Spanier. Den Kontakt zur EFF und die SGB will er möglichst halten, wenn es passt.

Im Fußballeralltag sind Wechsel im höherklassigen Bereich völlig normal. Vielleicht klappt es sogar mit dem nächsten Schritt in den Profibereich? Am Samstag steht aber erstmal das Hessenpokalfinale auf dem Plan. "Ich freue mich sehr auf das Finale", sagt Samuel Zapico. Und wer weiß, vielleicht hat Gott für ihn und uns Fußballfans aus Osthessen ein ganz besonderes Geschenk vorbereitet: Den Gewinn des Hessenpokals am Bieberer Berg. Es wäre sprichwörtlich eine göttlich schöne Geschichte. (Hans-Hubertus Braune) +++

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