Ein historischer Moment

Die SG Barockstadt steht im Hessenpokalfinale - und träumt vom großen Coup

SG Barockstadt Fulda-Lehnerz steht erstmals überhaupt im Hessenpokalfinale und trifft am Samstag auf den SV Wehen Wiesbaden.
Archivfotos: O|N / Maurice Schumacher / Hans-Hubertus Braune

20.05.2026 / FULDA - Es ist eine dieser Geschichten, die der Fußball manchmal schreibt. Ein Regionalligist aus Osthessen, zusammengewachsen aus zwei fusionierten Vereinen, steht plötzlich auf der größten Bühne, die Hessens Amateurfußball zu bieten hat. Am Samstag trifft die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz im Hessenpokalfinale auf den SV Wehen Wiesbaden - live in der ARD, vor Tausenden Zuschauern im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach.



"Die Vorfreude ist enorm groß", sagt Vereinsvorstand Martin Geisendörfer gegenüber OSTHESSEN|NEWS. "Wir stehen das erste Mal im Hessenpokalfinale und haben die große Hoffnung, dass wir dem Favoriten Wehen Wiesbaden vielleicht ein Bein stellen können."

Eine Fusion, ein Aufstieg, ein Finale

Die Geschichte der SG Barockstadt beginnt eigentlich mit zwei Geschichten. 2018 schlossen sich zwei Vereine zur Spielgemeinschaft zusammen. Wobei der eine Verein, Borussia Fulda, noch weiterbesteht, und in diesem Jahr kurz vor der Meisterschaft in der Kreisoberliga steht. Die Idee: Gemeinsam stark genug sein, um langfristig höherklassigen Fußball in die Region zu bringen. Nur vier Jahre später gelang der erste große Coup: In buchstäblich letzter Sekunde wurde die SGB Hessenliga-Meister und stieg erstmals in die Regionalliga Südwest auf.

Das Hessenpokalfinale ist nun die nächste Stufe. Und für Geisendörfer ist es auch eine Bestätigung. "Das ist ganz klar auch eine Bestätigung unserer Arbeit, dass wir uns weiterentwickelt haben und dass wir es dieses Jahr gepackt haben." Bereits 2024 stand die SGB im Halbfinale gegen die Kickers Offenbach. Ausgerechnet im Elfmeterschießen auf eigenem Platz schied man dort aus.

Die Revanche - und ein Held namens Zapico

Dieses Jahr war das Halbfinale erneut ein Derby gegen den OFC, diesmal auswärts am Bieberer Berg. Nach 90 torlosen Minuten vor über 5.000 Zuschauern musste wieder das Elfmeterschießen entscheiden. Und wieder stand Fulda kurz vor dem Aus.

Doch diesmal hatte die SGB einen Unterschiedsspieler: Torhüter Samuel Zapico. Der Spanier parierte drei Elfmeter und schoss Barockstadt mit einer Einzelleistung in das erste Pokalfinale der Vereinsgeschichte. "Vor zwei Jahren hat Offenbach in unserem Stadion gefeiert, jetzt war es andersrum", sagte Zapico danach - und brachte damit auf den Punkt, was dieser Abend für den Verein bedeutete. Jetzt verlässt Zapico im Sommer die Barockstadt, will seine Zeit aber mit einem Titel krönen.

Doch der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

Natürlich ist man gegen den Drittligisten aus Wiesbaden Underdog, verstecken muss man sich allerdings auch nicht. Die Föllsche Elf spielte eine starke Rückrunde und kann das getankte Selbstvertrauen nun gut gebrauchen. Zumal ist im Pokal alles möglich.

Und der Gewinn des Hessenpokals würde nicht nur Geschichte schreiben, sondern auch eine Tür aufstoßen, die bislang für die Region verschlossen war: Erstmals würde die SGB im DFB-Pokal vertreten sein - mit der Chance auf ein Heimspiel gegen Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt oder Werder Bremen.

"Wir laden alle Fußballfans ein"

Geisendörfer hat dabei eine klare Botschaft an die Region: "Wir hoffen natürlich, dass wir durch unsere Fans einen Vorteil haben werden - dass da mehr Zuschauer aus Fulda sind als aus Wiesbaden." Bereits vier oder fünf Busse fahren vom Verein aus organisiert nach Offenbach. "Das wird schon eine tolle Sache für uns. Wir laden alle Fußballfans aus dem Kreis Fulda ein, uns bei diesem Spiel zu unterstützen."

Am Samstag gehört die große Bühne auch Fulda. Und wer weiß - vielleicht schreibt die SG Barockstadt dort ihr nächstes Kapitel. (Nicolas Kraus)+++

Mission Hessenpokal: Barockstadt im Finale - weitere Artikel

↓↓ alle 20 Artikel anzeigen ↓↓

X