Vorläufige Bilanz vom Herzberg

Wo 10.000 Menschen beweisen, dass Frieden funktionieren kann

Knapp 10.000 Menschen feiern auf der Pferdewiese unterhalb der Burg Herzberg. Vier Tage Musik, Begegnungen, Tanz, Kinderlachen und unzählige kleine Geschichten.
Fotos: Tizia Wegfahrt

03.08.2026 / BREITENBACH/H. - Knapp 10.000 Menschen feiern auf der Pferdewiese unterhalb der Burg Herzberg. Vier Tage Musik, Begegnungen, Tanz, Kinderlachen und unzählige kleine Geschichten. Wo so viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, könnte man eine lange Einsatzliste erwarten. Doch die vorläufige Bilanz von Polizei und Malteser Hilfsdienst erzählt eine ganz andere Geschichte – und sie passt perfekt zum Geist dieses außergewöhnlichen Festivals.



"Keine besonderen Vorfälle, alles im Rahmen des Alltages", sagen Einsatzleiterin Verena Zander von der zuständigen Polizeidienststelle Bad Hersfeld und Julius Hohmann vom Malteser Hilfsdienst Fulda nahezu wortgleich. Eine Aussage, die auf dem Herzberg weit mehr ist als nur ein nüchterner Einsatzbericht. Sie beschreibt die besondere Kultur dieses Festivals.

Natürlich habe es hier und da kleinere Auseinandersetzungen gegeben, berichtet Verena Zander. "Aber nichts ist eskaliert, bei dem wir hätten eingreifen müssen." Das vielleicht Aufregendste des gesamten Wochenendes sei sogar eine Vermisstenmeldung gewesen. Ein 40-jähriger Festivalbesucher wurde als verschwunden gemeldet. Die Erleichterung folgte wenig später: Der Mann war wohlbehalten – allerdings in einem fremden Zelt – wieder aufgetaucht.

Respektvoller Umgang

Für Verena Zander ist es vor allem das respektvolle Miteinander, das den Einsatz auf dem Herzberg so besonders macht. "Die Menschen gehen hier unglaublich friedlich und verständnisvoll miteinander um." Ein schönes Symbol dafür entstand sogar im Kinderland: Dort malten die Mädchen und Jungen ein großes Polizeischild, das anschließend am Festival-Standort angebracht wurde. Eine kleine Geste mit großer Wirkung und Ausdruck des gegenseitigen Respekts.

Auch beim Malteser Hilfsdienst verlief das Festival erfreulich ruhig. Rund 25 Sanitäterinnen und Sanitäter sind pro Schicht auf dem Gelände im Einsatz und sorgen rund um die Uhr für die medizinische Versorgung.

"Hier und da ein kleines Wehwehchen und der ein oder andere Einsatz aufgrund der Hitze", berichtet Julius Hohmann. Ernsthafte Verletzungen habe es jedoch nicht gegeben. Alle Einsätze konnten direkt vor Ort versorgt werden, niemand musste aufgrund schwerwiegender Vorfälle betreut werden.

Knapp 10.000 Menschen auf engstem Raum. Keine Gewalt, keine schweren Verletzungen, keine Einsätze, die das Festival überschatteten. Das ist Herzberg. Auch im Jahr 2026.

Hier sind "Peace & Love" keine leeren Worte auf einem T-Shirt. Hier werden sie gelebt. Jeder achtet auf den anderen, Fremde werden zu Nachbarn, Nachbarn zu Freunden. Vielleicht ist genau das das eigentliche Geheimnis dieses Festivals: eine Gemeinschaft, die zeigt, dass Rücksichtnahme und Freiheit wunderbar zusammenpassen.

Und so legt sich auch in diesem Jahr wieder dieser unsichtbare Sternenstaub über die Pferdewiese. Eine Magie, die seit Jahrzehnten Menschen zusammenführt: friedlich, respektvoll und mit einem Lächeln im Gesicht. Genau deshalb ist das Herzberg Festival weit mehr als nur ein Musikfestival. Es ist ein Ort, an dem für ein paar Tage sichtbar wird, wie Gemeinschaft funktionieren kann. (Jürgen Böthig) +++

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