"Gemeinsam auf Augenhöhe"

Prävention statt Eskalation: Wie die Familienhilfe von Grümel im Alltag stärkt

Die Familienhilfe von Grümel unterstützt, bevor sich Probleme im Alltag zu echten Krisen entwickeln.
Fotos: Maria Franco

13.07.2026 / FULDA - Wenn der Alltag zur Belastungsprobe wird, steht die Familienhilfe von Grümel den Betroffenen zur Seite. Das Team verfolgt dabei einen präventiven Ansatz, wie Abteilungsleiter Alexander Spicker gegenüber OSTHESSEN|NEWS erklärt: "Wir bieten Familien Unterstützung - und greifen an dem Punkt an, bevor aus Herausforderungen handfeste Krisen werden."


Der 30-Jährige ist seit fast sieben Jahren bei Grümel. Er ist derzeit für die ambulanten Hilfen sowie die Teilhabeassistenz im Bereich Schulbegleitung zuständig. Die Familienhilfe stellt dabei zum größten Teil eine freiwillige Maßnahme dar. Der erste Schritt erfolgt seitens des Jugendamtes. "Die Familien wenden sich an die entsprechende Stelle, anschließend werden wir kontaktiert." Bevor diese Hilfeform in Anspruch genommen werden kann, gibt es ein Kennlerngespräch. "Wir müssen schauen, ob es menschlich passt. Ansonsten gestaltet sich eine Zusammenarbeit eher schwierig", konstatiert der Pädagoge.

Familien in unterschiedlichen Lebenssituationen

Die Unterstützung von Grümel richtet sich an Familien mit Kindern aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen - darunter auch Alleinerziehende. Menschen aus allen sozialen Schichten und kulturellen Hintergründen können laut Spicker das Angebot wahrnehmen. Der gemeinsame Nenner: aktuelle Überforderungssituationen, Konflikte, Kommunikationsschwierigkeiten oder andere Probleme im Alltag. Die Familien werden in ihrem vertrauten Umfeld begleitet - überwiegend bei ihnen zu Hause. "Vertrauen spielt eine entscheidende Rolle. Wir erhalten Einblick in den Privatbereich - das ist mit großem Respekt verbunden. Für viele ist es zunächst eine große Hürde, Hilfe von außen anzunehmen."

"Wollen Entlastung schaffen"

Im Mittelpunkt steht das Prinzip der "Hilfe zur Selbsthilfe". Ziel sei es nicht, Familien dauerhaft zu begleiten. "Wir wollen uns im besten Fall selbst überflüssig machen", sagt Spicker. Die Betroffenen sollen so gestärkt werden, dass sie ihren Alltag langfristig eigenständig bewältigen können. Die Treffen werden individuell gestaltet. Manche wünschen sich feste Termine, andere benötigen mehr Flexibilität. Oft finden ein bis zwei Termine pro Woche statt. "Wir wollen keine zusätzliche Belastung sein, sondern Entlastung schaffen."

Bewegende Lebensgeschichten

Immer wieder kommt das fünfköpfige Team mit bewegenden Lebensgeschichten in Berührung. Vor allem bei geflüchteten Familien werden die Mitarbeiter mit teils schweren Schicksalen konfrontiert. "Wichtig ist es, ihnen eine neue Perspektive zu zeigen." Generell gelte es aber zu beachten, dass die Mitarbeiter keine Therapeuten seien. "Wenn ein entsprechender Bedarf erkennbar wird, vermitteln wir an die passenden Fachstellen weiter."

Neben freiwilligen Hilfen gibt es auch Einsätze im sogenannten Zwangskontext. Dabei steht der Schutz von Kindern im Vordergrund. Besteht der Verdacht der Kindeswohlgefährdung, werden Familien engmaschig begleitet und die Situation überprüft. "Dann verbinden wir Kontrolle mit konkreten Hilfestellungen."

Fokus auf das Positive

Einen zentralen Grundsatz verfolgt das Team rund um Spicker bei all dem: die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. "Wir möchten nichts vorgeben, sondern gemeinsam Ziele entwickeln." Dabei richte sich der Blick nicht nur auf die Probleme. "Oft bleibt das Negative stärker hängen. Was bereits gut funktioniert, wird dagegen schnell übersehen." Deshalb lege man großen Wert darauf, die Stärken und Ressourcen der Familien in den Mittelpunkt zu rücken. Voraussetzung sei natürlich, dass die Betroffenen auch die Bereitschaft zeigen, an Veränderungen mitzuwirken.

Für Spicker ist der größte Erfolg seiner Arbeit der Moment, in dem Familien nach einer schwierigen Phase erneut Mut fassen können und sagen: "Wir schaffen das wieder allein." (mkr) +++

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