Hier zählt die zweite Chance

Grümel-Kaufhausleiter Matthias Söhlke (55): "Secondhand ist einfach hip"

Im SecondHandKaufhaus ist immer etwas los. Anita Pötzl (Kundenkontakt) und Abteilungsleiter Matthias Söhlke sind schon einige Jahre dabei.
Fotos: Tizia Wegfahrt

23.05.2026 / FULDA - Er kennt das Haus in- und auswendig: Matthias Söhlke leitet das "SecondHandKaufhaus" von Grümel in der Steubenallee 6 im Fuldaer Stadtteil Münsterfeld - ein Ort, der bei der Kundschaft große Beliebtheit genießt. "Wir legen viel Wert auf eine angenehme Einkaufsatmosphäre und versuchen dabei, alle Geschmäcker zu bedienen", erklärt der 55-Jährige gegenüber OSTHESSEN|NEWS.



Seit 25 Jahren ist Söhlke bei Grümel beschäftigt. Rund 18 Jahre führt er das SecondHandKaufhaus komplett in Eigenverantwortung; zuvor hatte er sich die Leitung mit einer Kollegin geteilt. Die Wurzeln des Kaufhauses reichen zurück in die späten 1980er‑Jahre. Gegründet wurde es von der Christlichen Initiative in Pilgerzell (Gemeinde Künzell). Seit 1993 betreibt Grümel die Einrichtung. Aus dem früheren "Gebrauchtmöbelmarkt" entwickelte sich Schritt für Schritt das, was es heute ist: eine Anlaufstelle, die bewusst nicht "Sammelsurium" heißen möchte. "Das klingt einfach altbacken", stellt Söhlke heraus. "Wir wollen zeigen, dass wir mehr sind als ein Abstellplatz für alte Möbel."

Breite Palette für jedermann

Auf 500 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet das Kaufhaus ein vielfältiges Sortiment: vom Grundbedarf an Möbeln wie Betten, Sofas und Schränken - "alles für kleines Geld" - bis hin zu Antiquitäten und Designstücken. "So erreichen wir auch andere Kundenkreise." Hinzu kommen Haushaltsauflösungen sowie ein breites Angebot an Hausrat, Büchern, Geschirr, Kleidung und Schallplatten. "Wir verkaufen alles - außer Tiernahrung", sagt er und lacht. Sein Anspruch: "Über den Standard eines herkömmlichen SecondHandKaufhauses hinausgehen."

Ein Ort voller Geschichten

In mehr als zwei Jahrzehnten hat Söhlke einiges erlebt. Viele Stammkunden kennt er bereits seit Jahren. Manche kommen inzwischen mit ihren Kindern oder Enkeln. "Wenn jemand einmal Stammkunde ist, bleibt er es meist. Der Schnack an der Theke gehört natürlich dazu. Man erfährt dabei schöne Dinge, aber auch sehr tragische." Im Team gibt es immer wieder frischen Wind. Das Kaufhaus ist Teil einer gemeinnützigen Einrichtung, viele Mitarbeitende kommen über Arbeitsmarktmaßnahmen zu Grümel. "Dadurch haben wir Menschen aller Nationalitäten und Kulturen bei uns." Da das SecondHandKaufhaus zudem eine wichtige Ausbildungsstätte für den Lagerbereich ist, arbeiten in seiner Abteilung rund 40 Personen.

Nachhaltigkeit im Fokus

Das Grümel-Team versucht stets mit der Zeit zu gehen. "Wir schauen, was im Trend ist und orientieren uns daran, was wir reinstellen", so Söhlke. Ob Vintage, Retro oder hochwertige Einzelstücke - manches, was früher als altmodisch galt, erlebt heute ein Comeback. "Secondhand ist einfach hip und nachhaltig." Nicht erst seit Corona, doch die Pandemie habe die Entwicklung verstärkt - und gleichzeitig sei Secondhand für viele schlichtweg notwendig geworden. "Durch Krieg, Inflation und steigende Lebenshaltungskosten achten zunehmend mehr Menschen auf ihren Geldbeutel. Es muss nicht immer alles neu gekauft werden - manchmal steckt der Wert im Weitergeben." (Maria Franco) +++

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