Wenn die Messe schläft, arbeitet die Küche

4.500 Mahlzeiten pro Tag: Nelles Catering im RETTmobil-Einsatz

Tausende Gäste begrüßt das Team von Nelles täglich auf der Rettmobil.
Fotos: Tizia Wegfahrt

08.05.2026 / FULDA - Sieben Stände, 37 Belieferungen, ein Team, das um zwei Uhr nachts anfängt – wer am Morgen um 06:30 Uhr über das Gelände der RETTmobil geht, begegnet schon dem ersten Nelles-Team. Die Transporter müssen weg sein, bevor um 8 Uhr der Aufbauverkehr endet. Was bis dahin noch nicht verteilt ist, muss zu Fuß an den Zielort gebracht werden.



Marie-Christine Nelles, Inhaberin des Eichenzeller Catering-Unternehmens, sagt das so, als wäre es selbstverständlich. Ist es für sie auch. Seit etwa fünf Jahren gehört Nelles Catering zum festen Bild der Messe: sieben eigene Stände, 37 belieferte Außenstände, rund 4.500 Gerichte pro Tag – und 15 Kaffeevollautomaten verteilt über das gesamte Gelände.

Planung ab Februar

Im Februar kommen die ersten Bestellungen der Standinhaber. Ende März wird das Zelt konzipiert. Zwei Wochen vorher muss bei den Getränkelieferanten bestellt sein. Am Morgen der Messe liefert Hochstift vor sieben Uhr an, Pappert bringt mittags nochmal frische Brötchen – zweimal täglich in der eigenen Filiale gebacken. "Wir legen eben Wert auf Frische. Hier bekommt niemand um 16 Uhr ein Brötchen, das morgens um sechs gebacken wurde", sagt Nelles. Das klingt nach Detailversessenheit. Ist es auch, ganz bewusst. "Ohne unsere Partner würde es nicht gehen", sagt Nelles.

Am Tag sind zwischen 30 und 35 Leute auf dem Gelände - Köche, Servicekräfte, Spülkräfte, Eventmanagerinnen, Büroleute. Rund die Hälfte sind Festangestellte, der Rest Aushilfen, viele davon sind seit der Landesgartenschau dabei. "Bei der RETTmobil gehen alle mit", sagt Nelles. "Egal ob Bürokraft oder Koch."

Vom Biergarten bis zum Airstream

Das Hauptzelt hat rund 300 Quadratmeter, dazu Biergarten und Stehtische. Bei gutem Wetter schätzt Nelles die Kapazität auf rund 1.000 Personen. Zwischen halb zwölf und eins wird es eng – dann stehen laut Betriebsleiter Mario Höhne an manchen Ständen bis zu 50 Leute an. Höhne leitet seit Jahren den Grillstand. Burger, Pulled Pork, Gegrilltes - frisch, nicht aus der Zentralküche.

"Wenn wir alles aus einer Küche steuern würden, wäre das einfacher", räumt Marie-Christine Nelles ein. Einfacher, aber nicht das, wofür Nelles bekannt ist. Höhne sieht das pragmatisch: "Wir sind wie der Osterhase, kommen jedes Jahr wieder." Stammgäste, die extra wegen des Grillstands kommen, kennt er seit Jahren. Für ihn ist die Messe auch deshalb besonders: "Es ist heimatnah. Und trotzdem lernst du jedes Jahr neue Menschen aus ganz Europa kennen."

"Die Gemeinschaftsleistung ist das, was es ausmacht"

Olga Wiegel verantwortet bei Nelles die Büroleitung – auf der RETTmobil steht sie selbst an der Kasse, mal am Grillstand, mal am Foodtruck. "Ich bin eigentlich überall einsetzbar", sagt sie. Was sie an diesen drei Tagen besonders schätzt: "Viele nehmen sich extra Urlaub, um an allen Tagen dabei zu sein. Die Gemeinschaftsleistung ist das, was es ausmacht."

Eventmanagerin Hannah Michel ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Ihr Urteil fällt noch unverbraucht aus: "Mit allen zusammenzuarbeiten - das ist wirklich schön." Ob das nach der fünften RETTmobil noch genauso klingt, wird sich zeigen. Zwei Messebesucher bringen es auf den Punkt: "Wir hatten Hunger und sind dem Duft nachgegangen, bis es Bratwürste gab." Und? "Schmeckt. Das ist das Wichtigste."

Saisonstart mit Martinshorn

Die RETTmobil ist für Nelles Catering der Auftakt in die Außensaison. Danach folgen Fürstliches Gartenfest, Firmenveranstaltungen, Hessentag. Die Abläufe sind eingespielt, das Konzept steht.

Freitags um 17 Uhr kommt die Durchsage: "Die RETTmobil ist jetzt beendet." Dann fahren die Einsatzfahrzeuge aus allen Hallen, die Martinshörner gehen an, der Konvoi verlässt das Gelände. Marie-Christine Nelles wartet jedes Jahr auf diesen Moment. "Da kriege ich immer Gänsehaut", sagt sie. "Du stehst als Team da und sagst: Wir haben die drei Tage geschafft. Darauf freue ich mich schon beim Start."

Danach beginnt der Abbau. Und irgendwann im Februar kommen die ersten Bestellungen für das nächste Jahr. (Moritz Bindewald) +++

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