Wo war die Bundesregierung?

Hessens Europaminister Pentz hat Deutschland beim Diplo-Forum gerettet

Reise in die Türkei! Hessens Europaminister Manfred Pentz hat vertrauliche Gespräche auf internationalem Parkett geführt. Er war der einzige Minister aus Deutschland.
Fotos: Christian P. Stadtfeld

21.04.2026 / ANTALYA - Bei diesem mächtigen Diplomaten-Gipfel in der Türkei wurde deutlich, wie sehr sich die Weltordnung gerade verschiebt. Staatspräsident Erdoğan präsentiert sein globales Netz – und Deutschland ist nicht mal dabei. Kein Bundeskanzler, kein Staatssekretär, aber dafür Manfred Pentz aus Hessen. Der Staatsminister aus der Regierung von CDU-Ministerpräsident Boris Rhein hat den Job vom Außenminister gemacht und dafür gesorgt, dass Deutschland beim wichtigen "Antalya Diplomacy Forum" in der Türkei vertreten war.



Der Iran-Krieg und die Lage in der Straße von Hormus, der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine – die Welt ist in großer Unruhe. Während diese Eskalationen täglich für Unsicherheit und wirtschaftliche Probleme sorgen, kamen in Antalya 20 Staatschefs, über 140 Außenminister und Diplomaten aus 150 Ländern zusammen, um über Wege aus den Konflikten zu beraten. Mittendrin: Manfred Pentz, der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales. Er flog am Freitag von Frankfurt am Main aus in die Türkei. Dort war er stark durchgetaktet und führte vertrauliche Gespräche auf internationalem Parkett. Auf Einladung hat Pentz auch am Abendessen der Staats- und Regierungschefs mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan teilgenommen.

OSTHESSEN|NEWS hat den hessischen Spitzenpolitiker auf seiner dreitägigen Reise nach Antalya begleitet und war beim Diplomacy Forum, einer der wichtigsten Sicherheitskonferenzen für den Mittleren und Nahen Osten mit insgesamt rund 5.000 Teilnehmern, im Convention Center dabei.

'Entscheidungen werden von denen getroffen, die im Raum sind. Wer nicht dabei ist, kann auch nicht mitreden.' Das ist eine alte Weisheit, die gerade in diesen Krisenzeiten noch stärker ins politische Gewicht fällt. Und Manfred Pentz hat sich genau diese Weisheit auf die Fahne geschrieben: "Die vielen persönlichen Gespräche am Rande einer solchen Veranstaltung wie dem 'Antalya Diplomacy Forum' sind von unschätzbarem Wert. Sie stärken Hessens Position als verlässlichen Partner in der Welt." Über 300.000 Türken leben allein in Hessen. "Und da gilt: Wir müssen alle Kanäle nutzen", so der Europaminister aus Wiesbaden, der nach 2025 schon zum zweiten Mal beim "Antalya Diplomacy Forum" war.

Deutschland muss sichtbar präsent sein!

"Auf Ministerebene war ich der einzige deutsche Vertreter bei dieser Konferenz. In der aktuellen geopolitischen Lage ist es wichtig, dass Deutschland sichtbar präsent ist und seine Positionen aktiv einbringt." Neben den politischen Gesprächen gab es viele Kontakte mit Wirtschaftsvertretern. "Hessen ist in der Türkei präsent", betont Pentz. Die Fraport AG betreibt den internationalen Flughafen in Antalya - und das Land Hessen ist größter Anteilseigner des Unternehmens. Ziel der Reise sei es auch gewesen, Investitionen in Hessen anzustoßen.

Fokus Westbalkan

Auf der Konferenz hatte Staatsminister Pentz zahlreiche vertrauliche Einzelgespräche geführt. Im Fokus stand dabei auch der im Koalitionsvertrag hinterlegte Schwerpunkt Westbalkan. Mit dem Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, gab es ebenso ein Treffen wie mit dem Außenminister der Republik Moldau, Mihai Popșoi, dem stellvertretenden Premierminister des Kosovo, Glauk Konjufka sowie mit Armin Hodžić. Er ist Präsident des Rates der bosnischen nationalen Minderheit in Kroatien und Mitglied des kroatischen Parlaments.

"Die Region ist strategisch wichtig für Europa und Hessen. Deshalb werden wir die Länder zwischen Kroatien und Griechenland auf ihrem Weg in die Europäische Union weiterhin eng begleiten und unterstützen."

Manfred Pentz weiß also, wie politisches Geschäft funktioniert. Er hat seine Netzwerke in Antalya gepflegt und seine Macht auf dem internationalen Parkett weiter ausgebaut. Mit Hessen – dem wirtschaftlich starken Bundesland mit dem weltweit relevanten Finanzplatz Frankfurt im Herzen von Europa – trifft man sich gern, nicht nur in der Türkei. Für die Bundesregierung war das bedeutende Diplo-Forum in dieser stürmischen Zeit aber offensichtlich nicht wichtig genug. Dass Deutschland nicht vertreten war, wurde von den Staats- und Regierungschefs registriert, genauso wie der staatsmännische Auftritt des hessischen Europaministers Pentz. (Christian P. Stadtfeld) +++

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