Bladelifter-Prototyp

Windpark bei Oberbreitzbach: Windflügel werden mit Selbstfahrer angeliefert

Dieser Bladlifter wird die Windflügel durch Oberbreitzbach transportieren
Fotos: Hans-Hubertus Braune

15.09.2022 / HOHENRODA - Technikfreaks aufgepasst: Bei Oberbreitzbach (Hohenroda, Landkreis Hersfeld-Rotenburg) werden in der nächsten Woche insgesamt 15 Windflügel auf rund 3,2 Kilometern bis zum Windpark mit einem Bladelifter angeliefert. Das Spezialgefährt mit zwölf Achsen übernimmt die 72,4 Meter langen Windflügel auf einem Umladeplatz bei Ransbach.



Die Transportfirma Hofmann aus Paderborn führt diesen Auftrag aus, die Vorbereitungen vor Ort laufen. Der Bladelifter ist bereits vor Ort. Dabei handelt es sich um einen neuen Prototyp, welcher erstmals in Deutschland eingesetzt wird. Die Dimensionen der Technik wächst. Die Kurven vor Oberbreitzbach und die Bäume dort sind eine Engstelle. Durch den Einsatz des Selbstfahrers können die langen Windflügel so transportiert werden, dass keine Schäden an den Bäumen entstehen.

Anlieferung auf Schwertransportern auf der Bundesstraße B 62

In den nächsten Wochen, ab aktuell dem 22. September diesen Jahres, erfolgt nachts zwischen 22:00 und 6:00 Uhr die Anlieferung der fünf Windkraftanlagen (WKA) für den Windpark Mansbach. Deren Transport erfolgt mit überlangen Schwertransporten auf der Strecke von der Autobahn A 7 kommend über die Anschlussstelle Niederaula, Asbach, Sorga über die B 62 und ab der Ortslage Schenklengsfeld über die Landstraßen L 3171 bis L 3173 in den Windpark südöstlich Hohenroda-Oberbreitzbach.

In den einzelnen Ortsteilen besteht bereits ein absolutes Halte- und Parkverbot werktags von jeweils 22 Uhr bis sechs Uhr morgens. Wann genau die Transporte durchgeführt werden, hängt von der jeweiligen Genehmigung ab. Die Schwerlast-Profis von CC Bäuml aus Rimbach (Schlitz, Vogelsbergkreis) sind bei diesem spektakulären Transport ebenfalls involviert. "Eine Engstelle unterwegs ist die Ortsdurchfahrt von Niederaula und die dortige Ampelkreuzung", sagt Prokurist Christian Janicki. Er ist Leiter Verkehrstechnik und verkehrslenkende Maßnahmen bei CC Bäuml. 

Nach der Anlieferung werden die 72,4 Meter langen Blätter der Windkraftanlagen auf einer Umladefläche auf SPMT-Bladeliftertransporteinheiten umgeladen, um Baumeinschlag zu vermeiden und die enge Ortsdurchfahrt in der Ortslage Hohenroda-Oberbreitzbach meistern zu können.

Gewichte verteilen sich auf zwölf Achsen

"Die Bladelifter bestehen aus zwölf Achsen, fahren nur Schrittgeschwindigkeit, können aber das Blatt während des Transportes auf bis zu 60 Grad aufstellen, um Hindernisse wie Baumalleen in der S-Kurve vor der Ortslage Hohenroda zu umfahren", sagt der für die Umsetzung des Windparks Mansbach verantwortliche Projektleiter der PNE AG, Dipl.-Ing. Jens Peters. Geplant ist, dass diese 15 Blatttransporte mit je einem Transport pro Tag tagsüber zwischen 9:00 und 18:00 Uhr fahren. "Das ist ein besonders interessantes Schauspiel bei der Anlieferung der Windkraftanlagen und der Errichtung", so Peters.

Die Bladelifter-Transporte werden in Abstimmung mit dem Bauamt der Gemeinde Hohenroda möglichst nur außerhalb der ÖPNV-Linienbus- und Schulbusverkehrszeiten fahren und benötigen für den rund 3,2 Kilometer langen Transport zwischen der Umladefläche an der L 3173 südlich Ransbach und dem Windpark circa 90 Minuten Fahrtzeit. Der Zustand der Transportstrecke wurde im Vorfeld durch einen unabhängigen Sachverständigen beweisgesichert.

Ab dem 22. September ist auch geplant, im Windparkgebiet mit der weiteren Errichtung der Nordex-Windkraftanlagenkomponenten zu beginnen, damit der Windpark witterungsabhängig möglichst bis Ende 2022 vollständig in Betrieb gehen kann. Von Mitte März bis Ende Juni wurden bereits die Infrastrukturgewerke Wege- und Kranstellflächenbau sowie der Fundamentbau abgeschlossen. Ebenso konnte PNE das in rund zehn Kilometern Trassenentfernung zum Windpark gelegene Umspannwerk Ausbach neu errichten und in Betrieb nehmen. Das schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

"Aktuell werden die Betontürme der fünf Windkraftanlagen errichtet und die Kabel auf der Trasse zwischen Windpark und Umspannwerk Ausbach verlegt. Temporäre Kreuzungsausbauten sowie die Umladefläche an der L 3173 sind zur Vorbereitung auf den spektakulären Windkraftanalgentransport ebenfalls bereits hergestellt", berichtet Peters.

Weiter erklärt das Unternehmen aus Cuxhaven: In den letzten Jahren hat die PNE AG mit Hauptsitz in Cuxhaven und Niederlassung unter anderem in Kassel den Windpark Mansbach mit fünf Windkraftanlagen des Typs Nordex N 149 auf 164 Meter Nabenhöhe in den Gemarkungen Mansbach der Gemeinde Hohenroda projektiert und zur Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz geführt. Der Windpark mit einer Gesamtleistung von 28,5 MW wird nach seiner Inbetriebnahme regenerativen Strom aus Windkraft erzeugen, der rund 13.400 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen kann. Gleichzeitig wird jährlich ein Braunkohleabbau von mehr als 50.400 Tonnen (das entspricht einer Güterzuglänge von 15,4 Kilometern) an Rohstoffen eingespart und der Kohlendioxidausstoß um mehr als 25.800 Tonnen je Betriebsjahr minimiert.

"Die nächsten Wochen werden spannend, aber auch sehenswert", ist Projektleiter Peters überzeugt. (Hans-Hubertus Braune) +++

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