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Weitere Details kommen ans Licht

Prozess um Ex-Kita-Mitarbeiter: Ermittler berichten von enormem Ausmaß

Am dritten Prozesstag kamen weitere schlimme Details ans Licht.
Archivfotos: ON

08.11.2026 / GIESSEN / GREBENHAIN - Im Missbrauchsprozess gegen einen ehemaligen Kita-Erzieher kommen am dritten Verhandlungstag weitere erschreckende Details ans Licht: Demnach soll der 34-Jährige versteckte Kameras in den Toiletten der Kita und auch in einer Schule installiert haben. Im Mittelpunkt standen die Aussagen von Ermittlern und früheren Kollegen des Angeklagten.



Dem 34-Jährigen wird vorgeworfen, während seiner Tätigkeit in der Einrichtung Kinder sexuell missbraucht und Aufnahmen davon angefertigt zu haben. Die mutmaßlichen Opfer waren zwischen drei und sechs Jahre alt. Neben 25 angeklagten Fällen des sexuellen Missbrauchs soll der Mann rund 150.000 kinder- und 33.000 jugendpornografische Bild- und Videodateien besessen haben.

Ermittler finden Hinweise auf versteckte Kameras in Sanitäranlagen

Eine Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen berichtete, wie sie bei Recherchen in einem Darknet-Forum auf den Nutzer aufmerksam geworden war. Einige der dort veröffentlichten Aufnahmen enthielten Standortdaten aus Grebenhain, eine davon stammte aus unmittelbarer Nähe einer Kindertagesstätte. Am 23. Dezember erstattete das LKA Anzeige. Die anschließenden Ermittlungen und eine Hausdurchsuchung brachten weitere schwerwiegende Erkenntnisse ans Licht: Die Beamten fanden Material, das nach ihren Angaben auch sexuellen Missbrauch dokumentierte.

Das Ausmaß der sichergestellten Daten ist enorm: Mehr als 1,73 Millionen Bilddateien wurden gefunden, rund 230.000 davon waren strafrechtlich relevant. Die Aufnahmen zeigten Minderjährige vom Säuglingsalter bis zum Alter von 14 Jahren. Zudem stießen die Ermittler auf Hinweise, dass der Angeklagte sogenannte Spy-Cams eingesetzt haben soll. Die versteckten Kameras sollen sowohl in den Sanitäranlagen der Kita als auch in denen der Grebenhainer Schule angebracht worden sein.

Ehemalige Kolleginnen berichten von Auffälligkeiten

Auch frühere Kollegen des Angeklagten wurden am dritten Prozesstag vor dem Gießener Landgericht befragt. Eine Polizeibeamtin berichtete von den Angaben einer Kita-Mitarbeiterin, die krankheitsbedingt nicht persönlich vor Gericht aussagen konnte. Diese habe eine ungewöhnlich hohe Zahl verhaltensauffälliger Kinder sowie Verhaltensweisen beobachtet, die ihr für das Alter der Kinder untypisch erschienen seien. Das bestätigte auch ein zeitweise in der Gruppe eingesetzter Erzieher. Ihm sei insbesondere ein auffälliges Sozialverhalten und eine erhöhte Bereitschaft zu körperlichen Auseinandersetzungen aufgefallen.

Die Kita-Leiterin erklärte, von pädagogischen Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe gewusst zu haben. Sie sei allerdings davon ausgegangen, dass diese durch Supervision geklärt worden seien. Von den Aufnahmen mit dem privaten Mobiltelefon des Angeklagten und davon, dass Kolleginnen offenbar wiederholt vorzeitig nach Hause geschickt worden waren, habe sie erst nach Bekanntwerden der Vorwürfe erfahren. Das Schutzkonzept der Einrichtung habe eigentlich eine durchgehende Doppelbesetzung vorgesehen. Für Fotos und Videos zur Dokumentation hätten zudem ausschließlich Kita-eigene Geräte verwendet werden dürfen.



Besonders emotional war die Aussage einer Erzieherin, die unmittelbar mit dem Angeklagten zusammengearbeitet hatte. Sie kämpfte während ihrer Vernehmung mit den Tränen. Bis heute beschäftige sie vor allem die Frage, ob sie etwas hätte bemerken müssen. Sie berichtete auch von sogenannten Doktorspielen zwischen Kindern, die sie unterbunden habe. Einen möglichen Missbrauch habe sie damals jedoch nicht vermutet. Zudem habe sie dem Angeklagten vertraut, als dieser sie mehrfach vorzeitig nach Hause geschickt und versichert habe, dies sei mit der Kita-Leitung abgesprochen. (lu) +++





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