Zwischen Liebe und Hass
Der CSD und seine Gesichter: Vier mutige Menschen erzählen ihre Geschichte
Fotos: Carina Jirsch
01.09.2026 / FULDA -
"Wir sind, wie wir sind" - wer am Samstag in der Fuldaer Innenstadt unterwegs war, kam am diesjährigen CSD kaum vorbei. Bunt, laut und vor allem mit persönlichen Statements setzte der Christopher-Street-Day ein sichtbares Zeichen für Vielfalt. Im Mittelpunkt standen dabei Akzeptanz, Gleichberechtigung und das Recht, frei zu leben und zu lieben.
Doch was bedeutet der Tag für die Menschen, die dabei sind? OSTHESSEN|NEWS hat mit vier der 1.500 Teilnehmenden gesprochen - über persönliche Erfahrungen, Sorgen und Ängste - aber auch über Hoffnung und den Wunsch nach Veränderung. Ihre Botschaft ist dabei klar: Niemand sollte sich verstecken oder verändern müssen, nur um von anderen akzeptiert zu werden. Am Ende geht es um etwas, das selbstverständlich sein sollte - Respekt.
"Es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen" - Maximilian von Bredow beim CSD
Unser erstes Gespräch hatten wir mit Maximilian von Bredow. Der CSD in seiner Heimatstadt Fulda hat für ihn eine besondere Bedeutung. Der 37-Jährige ist hier aufgewachsen und lebt seit einem halben Jahr wieder in der Stadt. Für ihn geht es beim CSD um mehr als die queere Community: "Es ist etwas ganz Besonderes, für Vielfalt und Demokratie einzustehen." Besonders wichtig sei ihm der gegenseitige Respekt. "Es geht um die ganze große Sache und das ist die Liebe, die Freiheit." Für Fulda sieht von Bredow noch Potenzial. Die Stadt sei bunt und habe ein vielfältiges Kulturprogramm. Der CSD könne zusätzlich unterstreichen, "dass Freiheit und Liebe im Vordergrund stehen".Sein Coming-out hatte von Bredow mit etwa 20 Jahren. Schon vorher habe er gewusst, dass er homosexuell ist, wollte es sich aber zunächst nicht eingestehen, "weil ich der Konfrontation aus dem Weg gehen wollte". Heute fühlt sich von Bredow wieder in Fulda zuhause. Gerade deshalb ist ihm sein Engagement vor Ort wichtig: "Deswegen stehe ich hier noch mehr für meine Rechte ein."
"Einfach mal den Leuten zuhören" - Marie beim CSD
Für Marie war es der erste CSD. Die 26-Jährige kommt aus der Region Hanau und war als "Ally" in Fulda dabei. Zu O|N sagte sie: "Ich würde mich jetzt nicht direkt zugehörig fühlen, aber ich supporte sehr gerne." Für sie sei es "unglaublich wichtig", beim CSD dabei zu sein und Solidarität zu zeigen. Ihre Teilnahme verband Marie auch mit einer politischen Botschaft. Sie beobachtet mit Sorge, "dass der Faschismus immer weiter aufflammt", und kritisiert, dass die Politik ihrer Ansicht nach "viel zu wenig dagegen tut"."In was für einer Gesellschaft wollen wir denn leben?", fragt Marie. Für sie ist die Antwort klar: "Es sollen doch alle gleichberechtigt sein." Ihr Wunsch: miteinander statt übereinander sprechen - "einfach mal den Leuten zuhören, auch mal reden lassen und seinen Horizont erweitern".
"Wir sind, wie wir sind" - Melissa beim CSD
Auch für die 15-jährige Melissa war es die erste Teilnahme beim CSD. Sie bezeichnet sich als pansexuell und möchte ein Zeichen für Akzeptanz und Vielfalt setzen. Pansexualität erklärt sie so: "Pansexualität ist, dass du auf die Person und nicht deren Geschlecht stehst." Beim CSD möchte Melissa sich selbst, ihre Freunde und andere queere Menschen unterstützen. Ihre Haltung bringt sie im Gespräch mit O|N auf einen einfachen Nenner: "Wir sind, wie wir sind. Und niemand kann das wegnehmen von uns."Ablehnung komme ihrer Erfahrung nach häufig von Menschen, die sich mit dem Thema bislang kaum beschäftigt hätten. Ihre Botschaft beim ersten CSD-Besuch ist deshalb vor allem eine Botschaft für mehr Akzeptanz: "Menschen sollen sein und lieben dürfen, wie und wen sie möchten - ohne dafür verurteilt zu werden."
"Einfach mal den Gedanken zu Ende denken" - Jenny Sais Pas beim CSD
Seit drei Jahren lebt Jenny Sais Pas in Fulda. Beim CSD zeigte sich die 28-Jährige in Drag und lobte die queere Community der Stadt: "In Fulda hat man so eine schöne queere Community." Man könne selbst mitgestalten, kenne viele Menschen und erlebe einen "kleinen, großen Kreis, der da zusammenkommt und einfach einen schönen Tag verbringt". Im Alltag erlebt Jenny nach eigener Einschätzung vergleichsweise wenig Anfeindungen. "Ich bin jetzt heute hier im Drag, aber sonst bin ich ein schwuler Mann und laufe so durch die Stadt. Ich sehe nicht auffällig aus oder sowas." Das mache einen Unterschied: "Wenn man nicht auffällt, dann hat man wenig Anfeindungen." Fulda habe Jenny bislang "nicht sehr feindlich erlebt, sondern eher vielleicht ein bisschen spießig". Auch die Familie unterstützt sie: "Meine Eltern, meine Großeltern, die sind alle super unterstützend."Menschen, die queere Lebensweisen ablehnen, gibt Jenny im Gespräch mit O|N einen Rat: "Einfach mal den Gedanken zu Ende denken." Hinter der Ablehnung stünden häufig Ängste und Annahmen. Doch: "Wenn man mal am Ende drüber nachdenkt, dann ist doch nichts Schlimmes dabei." (Mathias Schmidt) +++
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