Worte von Pfarrer Abel sind "ekelhaft"
"Queer? Foll dafür!": CSD zieht durch Stadt und stellt klare Forderungen
Fotos: Martin Engel
30.08.2026 / FULDA -
Es war laut, es war bunt und es war eindeutig. Beim fünften Christopher Street Day in Fulda sind am Samstag zahlreiche Menschen durch die Innenstadt gezogen. Unter dem Motto "Queer? Foll dafür!" verbindet der CSD auch in diesem Jahr das gemeinsame Feiern mit einem politischen Auftrag: mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz.
Mehr als 20 Initiativen und Vereine dabei
Am Universitätsplatz erwartete die Besucherinnen und Besucher ein umfangreiches Programm. Mehr als 20 Initiativen und Vereine präsentierten sich mit Infoständen, Dialogangeboten und Mitmachaktionen. Dazu kamen Redebeiträge, Musik, Kultur und kulinarische Angebote. Bis in den Abend hinein soll dort Raum für Begegnungen und Austausch sein. Ab 23 Uhr bildet die offizielle Aftershowparty im Kulturzentrum Kreuz den Abschluss des Tages. Worte von Pfarrer Abel sind "ekelhaft"
Gegenüber OSTHESSEN|NEWS kritisierte sie außerdem noch den zuletzt in der Öffentlichkeit stehenden Pfarrer im Ruhestand, Winfried Abel. Dieser hatte vor einigen Wochen in einem offenen Leserbrief für Aufsehen gesorgt. Darin bezeichnete der Theologe aus Hünfeld-Großenbach den Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin vor einigen Wochen als "Signal des Himmels". "Für mich ist das einfach menschenverachtend. Gutzuheißen, dass Menschen das Neben genommen oder, dass sie verletzt wurden, ist einfach ekelhaft. Insbesondere als ein Pfarrer, der sich christliche Werte auf die Fahne schreibt." Sicherheit queerer Menschen im Fokus
Neben politischen Strukturen spielt daher auch die Sicherheit queerer Menschen eine wichtige Rolle. Nach der schweren Tat in Berlin sieht das Organisationsteam die Notwendigkeit, Sicherheitskonzepte auch in Fulda weiter zu verschärfen. Rödel verbindet dies mit einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Appell. Es sei "wichtiger denn je, queere Lebensweisen als selbstverständlichen Bestandteil der Gesellschaft zu begreifen". Ihr Ziel formulierte sie klar: "Unser Ziel ist eine lebenswerte Stadt für alle, die Vielfalt sichtbar lebt." "Wenn das so wäre, hätten junge Menschen keine Angst, sich zu outen"
Dass der CSD trotz gesellschaftlicher Fortschritte weiterhin notwendig sei, thematisierte auch Kimi Schwedler. Besonders die Situation junger queerer Menschen stehe dabei im Mittelpunkt. "Viele sagen: Ihr habt doch schon genug Rechte. Wenn das so wäre, hätten junge Menschen keine Angst, sich zu outen", sagte Schwedler. Unterstützung gibt es dabei nicht nur aus der Community. Ein älterer Passant am Demonstrationszug bringt seine Haltung mit wenigen Worten auf den Punkt: "Ich finde, es soll jeder lieben, wen er will." Andere sagen: "Vielleicht verstehen die endlich mal, dass wir niemandem schaden. Wir wollen doch nur so sein, wie wir sind." So verbindet der fünfte CSD in Fulda ein buntes Kultur- und Begegnungsprogramm mit einer klaren politischen Botschaft. Die Organisatoren wollen nicht nur für einen Tag Sichtbarkeit schaffen, sondern dauerhafte Veränderungen erreichen. Queeres Zentrum und Beauftragten für Fulda gefordert
Der Verein verbindet den diesjährigen CSD deshalb mit konkreten Forderungen an die Kommunalpolitik. "Die Forderungen der letzten Jahre dürfen nicht weiter ignoriert werden", betonte Vorstand Niklas Schmitt. Auf der Wunschliste steht unter anderem ein queeres Zentrum in Fulda, das neben Beratung auch Sport- und Freizeitangebote ermöglichen soll. Außerdem fordert der Verein eine Queerbeauftragte beziehungsweise einen Queerbeauftragten für die Stadt. Weitere Forderungen betreffen eine bessere Gesundheitsversorgung für queere Belange, eine spezielle Anlaufstelle für queere Geflüchtete und die finanzielle Unterstützung queerer Projekte. Auch Informationen über entsprechende Angebote sollen zentral auf der Internetseite der Stadt auffindbar sein. Langfristig soll zudem ein "Aktionsplan Queer Leben Fulda" mit konkreten und verbindlichen Zielen entstehen. Der foll bunt versteht sich dabei als Ansprechpartner und Schnittstelle zwischen der queeren Community und der Kommunalpolitik.
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