Fortsetzung im Stalkingprozess

Mehrere Zeugen bestätigen: Opfer hatte sichtlich Panik, weinte und zitterte

Der Angeklagte will nicht fotografiert werden
Fotos: ci

01.08.2026 / FULDA - Mit weiteren Zeugenanhörungen wurde am Freitag der Prozess gegen einen 23-Jährigen vor dem Amtsgericht Fulda fortgesetzt. Ihm wirft die Anklage vor, seiner Ex-Freundin nach der Trennung nachgestellt, sie bis zu 20 Mal am Tag angerufen, sie verfolgt, beleidigt, belästigt und bedroht zu haben. Auch ihr schulisches und familiäres Umfeld nahm der junge Mann ins Visier, beleidigte mehrfach ihre Mutter und mehrere ihrer Freundinnen. Auch einem Lehrer der Berufsschule, die beide besuchten, drohte er mit Schlägen, nachdem dieser versucht hatte, die aggressiven Äußerungen des 23-Jährigen zu unterbinden.


Am ersten Verhandlungstag hatte die 20-Jährige, die sich nach zwei Monaten Beziehung von ihm getrennt hatte, eindrucksvoll geschildert, wie sehr sie bis heute unter dessen aggressiven und beleidigenden Attacken leidet. Aus Angst, ihm irgendwo zu begegnen, verlasse sie kaum noch das Haus, habe Schlafstörungen und Panikattacken, ist in therapeutischer Behandlung und hat Psychopharmaka verschrieben bekommen. Mehrfach hatte sie Anzeige gegen den 23-Jährigen bei der Polizei erstattet und konnte für die meisten ihrer Vorwürfe auch Belege und Zeugen benennen.

Das Annäherungsverbot, das ihm untersagte, sich der 20-Jährigen mehr als 15 Meter zu nähern, ignorierte er mehrfach, beleidigte sie auch sexuell gefärbt und soll vor ihr und ihrer Mutter ausgespuckt haben. Außerdem hatte die Mutter der jungen Frau vor Gericht geschildert, dass der Angeklagte den Pkw, in dem sie und ihre Tochter saßen, auf der B 27 im Bereich Eichenzell erst rücksichtslos rechts überholt und dann so massiv ausgebremst habe, dass nur durch eine sofortige Notbremsung der Mutter ein Unfall verhindert werden konnte.

"Wahnsinnig aggressive Energie!"

Wie stark auch das Umfeld der jungen Frau durch den 23-Jährigen in Mitleidenschaft gezogen wurde, schilderte eine ihrer Freundinnen im Zeugenstand. Als sie beschrieb, dass ihre Freundin völlig verängstigt gewesen sei, gezittert und geweint habe, kamen ihr selbst die Tränen. Dabei ging es um einen Vorfall im Mai letzten Jahres. Die beiden Frauen waren an diesem Abend am Buttermarkt in Fulda unterwegs gewesen, als es zu einer Begegnung mit dem Angeklagten und dessen Freunden kam. Obwohl sie sich sofort entzogen und die Mutter der 20-Jährigen baten, sie abzuholen, suchte der 23-Jährige offenbar die Konfrontation. Als die Mutter ihn an das Kontaktverbot erinnerte, spuckte er vor ihr aus und sagte: "Leck meine Eier!"

Ein Berufsschullehrer berichtete ebenfalls über einen verbalen Ausbruch des 23-Jährigen vor dem Klassenzimmer der 20-Jährigen. "Ich hörte nur wüste Beschimpfungen wie 'Ich fick eine Mutter', ging auf den jungen Mann zu und forderte ihn mit ausgestreckten Armen auf, zu gehen. Von ihm ging eine wahnsinnig aggressive Energie aus, er fragte, ob er mich boxen solle", erklärte der Lehrer, der den Vorfall dem Direktor meldete und auch bei der Polizei anzeigte. Daraufhin wurde der 23-Jährige vom Unterricht suspendiert. Der Angeklagte entschuldigte sich nach der Aussage des Zeugen bei ihm und rechtfertigte seinen damaligen Ausbruch damit, dass er beleidigt worden sei und "nur zurückbeleidigt" habe.

Die Verhandlung wird mit weiteren Zeugenvernehmungen am Montag, dem 10. August, um 9:30 Uhr fortgesetzt. (ci)+++

Verteidiger Oliver Hezel, Staatsanwalt Ralf Pfeiffer und Nebenklagevertreter Helge Romberg

Richter Ulrich Jahn

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