Opfer leidet bis heute unter Spätfolgen
23-Jähriger wegen fortlaufendem Stalking seiner Ex-Freundin vor Gericht
Fotos: ci
29.07.2026 / FULDA -
Die Vorwürfe der Anklage gegen den 23-Jährigen sind durchaus schwerwiegend. Nachdem sich seine 20-jährige Kurzzeitfreundin von ihm getrennt hatte, belästigte er sie zunächst mit bis zu 20 Anrufen täglich, bedrohte und beleidigte sowohl sie, mehrere ihrer Freundinnen und ihre Mutter. Ein Kontaktverbot, das ihm untersagte, sich ihr mehr als 15 Meter zu nähern, ignorierte er mehrfach, beleidigte sie auch sexuell gefärbt und soll vor ihr und ihrer Mutter ausgespuckt haben. Schließlich soll er den Pkw, in dem seine Ex-Freundin und deren Mutter saßen, auf der B 27 im Bereich Eichenzell erst rücksichtslos rechts überholt und dann so massiv ausgebremst haben, dass nur durch eine sofortige Notbremsung der Mutter ein Unfall verhindert werden konnte.
Dass der junge Mann eine kurze Zündschnur hat, zeigte er im Gericht, noch bevor das Verfahren begann. Als er bemerkte, dass ihn die anwesenden Journalisten fotografierten, wehrte er sich vehement dagegen, obwohl ihm erklärt wurde, dass das erlaubt sei und sein Gesicht bei der Veröffentlichung selbstverständlich verpixelt werde. Er sprang auf, ging erregt auf die Journalisten los und fotografierte diese seinerseits. Nachdem sein Verteidiger und ein ihm vertrauter Sozialarbeiter mit ihm gesprochen hatten, entschuldigte er sich für sein Verhalten.
Als seine Ex-Freundin mit ihrer Mutter und einer Freundin zu ihm gekommen sei, um noch dort befindliche Sachen abzuholen, seien alle drei unerlaubt bei ihm eingedrungen, die Mutter habe ihn bedroht und beleidigt. Nachstellungen, Beleidigungen und Bedrohungen seien nicht von ihm ausgegangen oder harmlos gewesen. Begegnungen, die trotz des Annäherungsverbots stattfanden, reiner Zufall gewesen, beteuerte der Angeklagte.
Obwohl die junge Frau vor Gericht durchaus einen selbstbewussten und stabilen Eindruck machte, wies schon die Tatsache, dass sie für ihre Aussage eine professionelle Opferbegleitung in Anspruch nahm, darauf hin, dass sie bis heute unter Spätfolgen der Nachstellung und Bedrohung leidet. Sie berichtete ruhig und sachlich von den Vorfällen und zeigte dabei keinen übertriebenen Belastungseifer. "Er hat mich nicht in Ruhe gelassen, nachdem ich mich von ihm getrennt hatte, und sogar meine Freundinnen genervt und verfolgt. Irgendwann wollte ich das Haus nicht mehr verlassen", sagte sie aus. Mehrfach hatte sie Anzeige gegen den 23-Jährigen bei der Polizei erstattet und konnte für die meisten ihrer Vorwürfe auch Belege und Zeugen benennen. Anschaulich schilderte sie dem Gericht die psychischen Beeinträchtigungen, unter denen sie bis heute leidet. Sie ist in psychiatrischer Behandlung und hat Psychopharmaka verschrieben bekommen. Sie leidet unter Schlafstörungen und Panikattacken.
Für weitere Zeugenbefragungen ist ein zweiter Verhandlungstag am Freitag, 31. Juli, terminiert worden. (ci)+++