Interview vor Landesparteitag

CDU-General Born: "Reformen müssen für die Mitte sein - nicht gegen sie"

CDU-Generalsekretär Leopold Born
Fotos: Moritz Pappert

28.05.2026 / WIESBADEN - Ein Leitantrag der CDU Hessen bringt am Wochenende Schwung in den Parteitag der Hessen-Union. Das Papier mit dem Titel: "Wieder nach vorne: Reform-Restart für Deutschland" soll den Druck auf Kanzler Merz und den Reform-Stau der Bundesregierung erhöhen. Wenige Tage vor dem Landesparteitag hat OSTHESSEN|NEWS mit Leopold Born, Generalsekretär der CDU Hessen, im Alfred-Dregger-Haus in Wiesbaden gesprochen.

Was steht an diesem Wochenende auf dem Parteitag in Rotenburg an der Fulda an?



"Wir haben ein richtig intensives Wochenende vor uns – Hessenunion pur. Am Freitagabend starten wir mit dem traditionellen Hessenabend. In diesem Rahmen verleihen wir auch wieder die Alfred-Dregger-Medaillen in Gold. Ich werde noch nicht verraten, wer sie bekommt – nur so viel: Es sind zwei aus unterschiedlichen Gründen wirklich sehr würdige Preisträger. Unser Hessenabend ist die gesellige Einstimmung auf das Parteitagswochenende."

Welche besondere Bedeutung hat der Tagungsort Rotenburg?

"Zuletzt waren wir zum 117. Landesparteitag im Jahr 2022 in Rotenburg. Unser ehemaliger Landesvorsitzender und heutiger Ehrenvorsitzender Volker Bouffier hat damals die Führung der CDU Hessen an Boris Rhein übergeben. Wir kehren also an den Ort zurück, wo diese erfolgreiche Ära begann. In Rotenburg sind wir in eine gute neue Zeit gestartet. Ich war damals selbst als Delegierter dabei und bin erstmals für den Landesvorstand angetreten – als Beisitzer. Und ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als wir Boris Rhein zum neuen Landesvorsitzenden gewählt haben. Nach den Übergängen Koch auf Bouffier und Bouffier auf Rhein – starteten wir in die nächste erfolgreiche Ära. Nach vier Jahren können wir feststellen: vier starke, erfolgreiche Wahlen liegen hinter uns. Die Landtagswahl 2023, Europawahl 2024, Bundestagswahl 2025, Kommunalwahl 2026 – alle mit deutlichen, teils historischen Wahlsiegen."

Was erwartet die Delegierten inhaltlich?

"Wir starten in diesem Jahr mit einer ökumenischen Andacht – das finde ich wirklich schön und das war uns wichtig. Dann folgt ein straffes Programm: Wir beraten allgemeine Anträge, einen Leitantrag und Satzungsänderungen. Wir wählen turnusgemäß unseren Landesvorsitzenden und den gesamten Landesvorstand neu sowie die Delegiertenliste für Bundesausschuss und Bundesparteitag. Und wir freuen uns natürlich auf die Rede unseres Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten, Boris Rhein – und auf Jens Spahn, der kürzlich als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wiedergewählt wurde. Unsere Mitglieder wollen wissen, wie es in Berlin weitergeht. Da ist Jens Spahn jemand, auf den es jetzt ankommt, dessen Rücken wir stärken."

Was ist der Kern des zum Landesparteitag eingebrachten Leitantrags?

"Wir sagen: Es braucht einen Reform-Restart im Bund. Einen Reformplan für ein leistungsfähiges und gerechtes Land und keine Dauerreformdebatte über immer weitergehende Einschnitte für die Mitte unserer Gesellschaft. Alle Reformen bei Gesundheit, Rente und Pflege werden nur funktionieren, wenn wir wieder ein wirtschaftlich leistungsfähigeres Land werden. Dafür liefern wir konkrete Vorschläge und Antworten auf die Fragen: Wie stärken wir wieder die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland? Und wie gestalten wir von da ausgehend unseren Sozialstaat gerecht und zukunftsfest?

Was uns leitet, ist klar: Leistung muss sich wieder lohnen. Es darf keine Leistungseinschnitte für Leistungsträger geben. Und die Reformen müssen zwei Dinge erfüllen: Reformen für die Mitte und nicht gegen die Mitte in unserem Land. Und sie müssen funktionieren, ohne dabei die Menschen zu verlieren."

Wie bewerten Sie die aktuellen Umfragewerte der Bundesregierung?

"Vergangenes Wochenende habe ich in meiner Rede bei der Jungen Union gesagt: Es geht uns um Prinzipien, nicht um Prozente in Umfragen. Wir schielen nicht ständig auf Umfragewerte.

Die Koalition im Bund hat sich etwas vorgenommen, was sich so noch keine Bundesregierung vor ihr vorgenommen hat: In allen kritischen Bereichen zeitnah Reformen anzugehen. Dass die Umfragewerte darunter leiden, ist bei einem so ambitionierten Programm nicht überraschend. Dass die Reformen in dieser Tragweite notwendig sind, hat auch mit dem fehlenden Mut zu Veränderungen vorangegangener Bundesregierungen zu tun.

Klar ist aber auch: Im Bund ist noch Luft nach oben. Gerade in der Kommunikation, wenn Erwartungen geschürt werden, die dann nicht eingehalten werden können. Und auch bei der Priorisierung und der Reihenfolge der Reformen sehe ich das. Deswegen ist es unser Auftrag, das, was wir von unseren Funktions- und Mandatsträgern und von den Mitgliedern zurückgespiegelt bekommen, jetzt als konstruktiven Beitrag per Leitantrag nach Berlin zu geben."

Ein ganz anderes Thema: Der Hessentag findet in diesem Jahr in Fulda statt. Was bedeutet er Ihnen persönlich?

"Ich bin seit vielen Jahren ein treuer Hessentagsbesucher. Für mich gibt es nicht nur ein Highlight: Jeder Hessentag hat sein eigenes Flair und ist auf seine Art besonders. Letztes Jahr haben wir in Bad Vilbel einen richtig starken Hessentag erlebt. Aber wenn ich irgendeiner Stadt in Hessen einen mindestens genauso eindrucksvollen Hessentag zutraue, dann Fulda. Die Barockstadt ist für uns als CDU ohnehin ein ganz besonderer Ort.

Was mich immer bewegt: die Menschen, die Aussteller, die Hessentags-Veteranen – die seit Jahrzehnten dabei sind. Ich finde es ein starkes Zeichen, dass die Bundeswehr und die Blaulichtorganisationen so viel Raum bekommen, um die wertvolle Arbeit zu präsentieren. Wenn der Ministerpräsident auf dem Hessentag einen Polizisten vereidigt – dann ist das ein Gänsehautmoment. Auch der Hessentagsumzug zeigt jedes Mal die Vielfalt und die Stärke unseres Landes. Das hat kein anderes Bundesland in dieser Form. Ich werde in diesem Jahr so oft zum Hessentag nach Fulda kommen wie möglich." (Moritz Pappert) +++

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