Familienunternehmen hat Kult-Status

40 Jahre "La Gondola": Alfredos Pizzeria ist das Wohnzimmer der Schlitzer

Carmela und Alfredo Rossano haben das La Gondola übernommen und in eine echte Erfolgsgeschichte geführt
Fotos: Carina Jirsch

02.06.2026 / SCHLITZ - "Passen wir alle in Deine Kamera?", lacht Alfredo. Der Pizzeria-Chef vom "La Gondola" in Schlitz (Vogelsbergkreis) ist die gute Seele des Hauses und kann stolz darauf sein, was er gemeinsam mit seiner Frau Carmela in der Burgenstadt und Lauterbach aufgebaut hat.

Seit nunmehr 40 Jahren betreibt die Familie Rossano die Pizzeria in der Bahnhofstraße. Am 22. Juni diesen Jahres wollen sie das Jubiläum mit ihren Gästen, Mitarbeitern, Lieferanten, Handwerkern und Freunden gemeinsam feiern.

Dafür haben sie einen italienischen Sänger engagiert. Neben der Pizzeria werden sie auf dem Parkplatz sogar ein kleines Zelt aufstellen und auch für die Kinder wird einiges geboten. "Wir wollen mit allen zusammenfeiern, die sich mit uns verbunden fühlen oder uns kennenlernen wollen", sagt Antonio Rossano. Er ist eines von insgesamt vier Kindern von Carmela und Alfredo. Die Familie hat einen großen Stellenwert und ist das Erfolgsrezept der Rossanos. Alle packen mit an, haben Ideen und haben es so geschafft, "La Gondola" zu dem zu machen, was es heute ist: das Wohnzimmer der Schlitzer und ihrer vielen Gäste. "Wir sind glücklich, dass die Schlitzer das so annehmen", sagt Alfredo. Er erinnert sich aber auch an die schwierigen Anfangsjahre.

Der Start: "Meine Frau hat bedient und ich war in der Küche"

Im März 1986 haben sie allen Mut zusammengenommen und auf Empfehlung eines Freundes aus Hünfeld sich das Objekt in Schlitz angeschaut. Die damalige Pizzeria war pleitegegangen. Dass es im Obergeschoss eine Wohnung gab, war für sie entscheidend, um das Gebäude zu pachten. Mit ihren beiden zweieinhalb und fünf Jahre alten Kindern zogen sie in die Burgenstadt. Alfredo und seine Frau mussten erst wieder das Vertrauen der Einheimischen aufbauen. "Meine Frau hat bedient und ich war in der Küche", erzählt Alfredo. Damals hatten sie 24 Sitzplätze.

Als junger Mann wagte Alfredo im Jahre 1978 den Schritt aus dem warmen Süden Italiens nach Deutschland. "Er wollte damals in Deutschland Geld verdienen, um seine Frau heiraten zu können", erzählt Tochter Nada. Ihr Vater war damals mit Carmela verlobt und fing in einer Papierfabrik in Stuttgart an. Ein Jahr später heirateten sie, seine Frau kam nach und arbeitete bei Bosch. Sie blieben und ein paar Jahre später folgten sie Alfredos Schwager nach Bremervörde. Dieser hatte dort eine Pizzeria, Alfredo kellnerte, seine Frau putzte.

Dann kam der Ruf nach Osthessen, in Schlitz fanden sie ihre neue Heimat. Die Familie wuchs, ebenso die Arbeit, sogar über Schlitz hinaus. In der Nachbarstadt Lauterbach gehört Alfredo seit 26 Jahren das "La Piazzetta", welches der ältere der Söhne Eugenio betreibt.

Mit Herzblut, Leidenschaft und Zusammenhalt

Wie sie das alles stemmen? Mit Herzblut, Leidenschaft und dem Zusammenhalt der Familie. Ihre Gäste lieben die original italienische Küche. Es ist eben ein Unterschied, wer in der Pizzeria in der Küche oder vor dem neuen Holzofen steht. Alfredos Geheimrezept ist immer gleich geblieben. "Wir kochen, was die Gäste verlangen", sagt Antonio. So finden sich auf der Speisekarte traditionelle Gerichte. Natürlich gehen sie mit der Zeit und entwickeln neue Ideen und Angebote. Die Qualität ihrer Speisen und Getränke ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Der Kontakt zu den Gästen gehört für die Rossanos aber genauso zum Alltag. Alfredo liebt es, hinter der Theke zu stehen, oder in der Küche oder am Holzofen. "Jeder will vom Chef die Pizza bekommen", lacht Alfredo. Ein kurzes Schwätzchen mit den Gästen ist für sie selbstverständlich. Nach der Erweiterung 2011 haben sie im Jahr 2021/2022 das Nachbarhaus gekauft und ihre Pizzeria weiter ausgebaut. Aus den anfangs 24 sind inzwischen insgesamt 140 Sitzplätze geworden.

La Gondola: Wie ein Italien-Kurzurlaub

Urgemütlich und doch modern. Wer ins La Gondola eintritt, fühlt sich sofort wohl. Wie ein bisschen Italien-Urlaub, inklusive Vespa und wunderschöner Bilder aus der Heimat Kalabrien an den Wänden. Schlitz und das La Gondola passen einfach zusammen. Kein Wunder, dass sie von der Burgenstadt schwärmen. "Es ist schon ein Träumchen, was wir hier in Schlitz haben", sagt Antonio und nennt die Infrastruktur mit neuer Schule, dem renovierten Freibad, das Hahnekiez, die Destillerie und die weiteren touristischen Angebote. Es tut sich einiges in der Stadt und vom Tourismus lebt natürlich auch die örtliche Gastronomie. Die Rossanos wiederum engagieren sich in mehreren Vereinen, ob beim Handball oder beim Fußball.

Beim weltweit bekannten Schlitzer Trachtenfest herrscht natürlich auch im La Gondola positiver Ausnahmezustand. Die Unterstützung ist aber auch hier riesig. "Antonio, egal wie", sagen sie immer und finden eine Lösung, die mit den Vorschriften passt. "Ob Stadt oder Vereine, sie helfen uns, wo es geht. Wir sind eine große Familie, das funktioniert hier einfach", erzählt Antonio.

"Der Heiko ist auch mit unserem Essen groß geworden"

Braucht es noch ein Beispiel? "Der Heiko ist auch mit unserem Essen groß geworden", erzählen sie über den Schlitzer Bürgermeister Heiko Siemon. Heute hilft dessen Tochter in der Pizzeria aus. Ein Koch, zwei Pizzabäcker, die Familie und einige Aushilfen sind für die Gäste da. "Viele Aushilfen haben bei uns als Schüler angefangen und sind heute als Studenten immer noch da. Die Eltern erzählen uns jedenfalls, dass sie gerne bei uns arbeiten", berichten sie während unseres Gesprächs.

Alfredo und Carmela Rossanos Geschichte ist beeindruckend und ein Vorbild dafür, was man mit Fleiß, Mut und Zuversicht erreichen kann. Kennen Sie den Spruch "Queck, Schlitz, Paris"? Für die Rossanos lautet dieser etwas abgewandelt: "Kalabrien, Stuttgart, Schlitz". Alfredo meint bescheiden, dass er wohl nicht so viele Fehler gemacht habe. Nach unserem einstündigen Gespräch geht's direkt an den Holzofen. Es ist Mittagszeit, die Gäste freuen sich auf Pizza, Pasta und die familiäre Atmosphäre. Ein wenig Auszeit und Genießen eben.

Und die großartige Familie passt übrigens auf unsere Bilder von unserer OSTHESSENNEWS-Fotografin Carina Jirsch. (Hans-Hubertus Braune) +++

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