"Frankfurt ist die Nummer eins"

Das neue Terminal 3 geht ans Netz: Der Mehrwert wirkt bis Osthessen - Bilder

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) stellte sich bei der Eröffnung vom Terminal 3 den zahlreichen Medien
Fotos: Carina Jirsch

23.04.2026 / FRANKFURT/M. - Das Terminal 3 "is ready for check-in": Am Mittwoch haben Politik, Wirtschaft und Gesellschaft das neue Terminal offiziell eröffnet. Bis zu 19 Millionen Passagiere können jährlich am dritten Terminal am größten deutschen Flughafen starten oder landen. Die Fraport hat als Betreiber rund vier Milliarden Euro in den Ausbau investiert.



In den kommenden Wochen werden insgesamt 54 Airlines zum Terminal 3 umziehen. Das Terminal 2 wird anschließend geschlossen und soll in den nächsten fünf Jahren saniert werden. Für die Passagiere und natürlich auch für die rund 3.000 Mitarbeiter im Terminal 3 erschließt sich eine komplett neue Welt. Das Terminal 3 ist allein schon von der Architektur ein absoluter Hingucker. "Es ist ein sehr emotionaler Tag. Mein Vater hat schon das Terminal 1 bearbeitet, seinerzeit den Wettbewerb gewonnen und meine Mannschaft und ich den Wettbewerb für das Terminal 3", sagte Architekt Professor Christoph Mäckler. Er und sein Team erhielten viel Lob für das neue Terminal.

"Der Wurm muss dem Fisch schmecken"

Für den bekannten Architekten ist jedoch eines entscheidend: "Ich bin der Meinung, dass wir unsere öffentlichen Gebäude einfach wieder attraktiver machen müssen. Wichtig ist, dass sich die Passagiere hier wohlfühlen, einfachste Wege gehen. Sie sollen hier keinen Stress haben. Der Wurm muss nicht dem Architekten schmecken, sondern dem Fisch", brachte Mäckler seine Intentionen auf den Punkt.

Während der Architekt bei der würdevollen Eröffnungsfeier gemütlich mit einem Glas Wein in der Hand und weiblicher Begleitung im Arm über den Marktplatz schlenderte, schaute auch Diplom-Ingenieur Michael Völlinger sichtlich zufrieden. Der Geschäftsbereichsleiter Rhein-Main der Bickhardt Bau SE (Stammsitz: Kirchheim im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) erklärte am Rande der Veranstaltung: "Wir waren von Anfang bis Ende hier und haben ununterbrochen an dem Projekt mitgearbeitet. Das erfüllt einen schon mit Stolz", sagte Völlinger gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Ein Beispiel der vielen unterschiedlichen Projekte von "BB" am Flughafen Frankfurt: Die Baugrube sei von der Dimension her die größte, welche Bickhardt Bau jemals ausgehoben habe, so der Diplom-Ingenieur. Er lobte zudem das Projektmanagement der Fraport. Bis zu 2.000 Mitarbeiter von diversen Firmen haben an dem Megaprojekt zeitgleich mitgewirkt.

Leuchtturmprojekt auch für Bickhardt Bau SE

Mit der Inbetriebnahme des Terminal 3 am Flughafen Frankfurt wird nicht nur eines der größten Infrastrukturprojekte Europas in den Dienst gestellt, sondern zugleich endet auch ein Leuchtturmprojekt von Bickhardt Bau, das vor etwas mehr als zehn Jahren, am 5. Oktober 2015, mit dem ersten Spatenstich für die Baugrube des Terminal 3 begann. Seitdem hat die Unternehmensgruppe mit verschiedenen Fachabteilungen in unterschiedlichen Phasen und Gewerken maßgeblich zur Realisierung beigetragen. Bickhardt Bau ist ein Beispiel zahlreicher Firmen aus Osthessen, die an der Realisierung des neuen Terminals mitgewirkt haben. Allein der Bau war ein Wirtschaftstreiber.

Am Donnerstagmorgen wird die erste Maschine am Terminal 3 andocken. Ab diesem Zeitpunkt geht der neue Bereich im Süden des Flughafens in Betrieb. Das Terminal ist übrigens mit der neuen Sky Line an die beiden weiteren Terminals angebunden. Mit 80 Stundenkilometern rauschen die fahrerlosen Züge im Zwei-Minuten-Takt zwischen den Terminals. Direkt am Terminal befindet sich ein Parkhaus mit 8.500 Stellplätzen, welches über die ausgebaute A5-Anschlussstelle Zeppelinheim einfach zu erreichen ist.

Zeitplan trotz Krisen eingehalten

In den politischen Redebeiträgen machten die Minister klar, dass vom Terminal 3 ein Signal ausgehe. Die Realisierung des Flughafenausbaus beweise, dass Deutschland solche Großprojekte stemmen könne. Man habe sich frühzeitig auf eine gemeinsame Planung festgelegt und diese nicht mehr geändert. Trotz Krisen wie der Coronaviruspandemie konnte der anspruchsvolle Zeitplan eingehalten werden.

"Das hier ist die Nummer eins. Frankfurt ist die Nummer eins der Luftfahrt in Deutschland", sagte der Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Trotz aller Freude und Zuversicht merkte Rhein kritisch an: "Wir müssen uns auf die starken Standorte in Deutschland konzentrieren, benötigen Rückenwind aus Brüssel und benötigen einen Sinkflug bei den Standortkosten. Hubs wie Frankfurt und München dürfen nicht geschwächt werden, sonst haben wir kein Drehkreuz mehr in Deutschland." Großprojekte wie das Terminal 3 stärkten das Vertrauen in das Land, es sei ein Staatssignal.

Gemeinsamer Dialog und Respekt

Natürlich war auch Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef sichtlich stolz. Der Sozialdemokrat fand in Rheins Rede zweimal lobende Erwähnung, was selbst Josef etwas verwunderte. Die Laune war also bestens. Neben der Bedeutung für die Region und die wirtschaftliche Entwicklung merkte der Oberbürgermeister aber auch an, dass ebenso bedeutend die kritischen Worte der Flughafengegner zu berücksichtigen seien. Aufgabe von guter Politik sei es, im gemeinsamen Dialog und gegenseitigem Respekt zu handeln. Nur in Frieden könne eine Region entwickelt werden. Josef erklärte abschließend ebenso deutlich: "Der Flughafen ist die Visitenkarte internationaler Besuche. Wenn es dem Flughafen gut geht, geht es der gesamten Region gut."

Ab Donnerstag: Terminal 3 muss Mehrwert beweisen

Nach gut zwei Stunden Programm mit Reden, erstklassiger Musik und Häppchen wie Apfelkuchen auf Brot, Lachs oder Blumenkohlsüppchen war der Festakt am frühen Nachmittag bereits Geschichte. Nun bereitet sich das Terminal 3 auf den reellen Betrieb vor. Ab Donnerstagmorgen muss das Megaprojekt beweisen, dass es einen echten Mehrwert für die Passagiere, die Wirtschaft, die Rhein-Main-Region bietet und somit Frankfurt im national und vor allem international brutal harten Wettbewerb in herausfordernden Zeiten seine Stellung behaupten kann. (Hans-Hubertus Braune) +++

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