Tischtennis Pokal-Finaltag
Ruwen Filus im "Monsterspiel" wie eine Wand - Fan Zhendong sorgt für Ekstase
Fotos: Maurice Schumacher und Hans-Hubertus Braune
06.01.2026 / NEU-ULM -
Tischtennis-Weltstar Fan Zhendong hebt das Tischtennis in Deutschland auf ein neues Level: Allein wegen ihm reisten rund 1.000 Landsleute zum Pokal Final-Four am Sonntag in die ratiopharm-Arena nach Neu-Ulm (Bayern) an und sorgte für eine Rekordkulisse von 5.200 Fans.
Der 28-jährige Superstar ist amtierender Olympiasieger im Einzel, mehrfacher Weltmeister und Worldcup-Sieger, Timo Boll bezeichnete ihn jüngst in einem Interview als den besten Tischtennisspieler der Welt. In dieser Saison spielt er in der Bundesliga für den Champions League-Sieger 1. FC Saarbrücken TT.
Klar, dass die Saarländer mit Fan Zhendong und ihren weiteren Weltklassespielern Patrick Franziska und Darko Jorgic den Pokal souverän mit nach Hause nehmen durften. Dem 3:1 im Halbfinale gegen den TTF Liebherr Ochsenhausen folgte ein 3:1 gegen den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell im Endspiel.
"Ein besonderer Moment"
"Ich bin sehr glücklich über den Titelgewinn. Es war mein erstes Final Four und es hat sehr viel Spaß gemacht. Heute war ein besonderer Moment in meiner Karriere. Ich hoffe, in der Zukunft erneut bei diesem Event dabei sein zu können", sagte der Olympiasieger in der Pressekonferenz fast schon ein wenig schüchtern. Während seine Fans sogar Pappschilder mit seinem Gesicht in die Luft hielten, jede Sekunde seiner Spiele in ihren Handys festhielten und einfach nur glücklich wirkten, winkte Fan Zhendong ihnen mit einem freundlichen Lächeln, regte nach dem finalen Sieg mal kurz seine Faust. Er macht eben keine große Show um seine Person. Dafür demonstrierte er seine Perfektion an der Platte."Ruwen war wie eine Wand"
"Es war ein Monsterspiel. Ruwen war wie eine Wand", sagte Franziska nach dem Fünf-Satz-Spektakel. Die Fans waren förmlich aus dem Häuschen, die Arena kochte. Vielleicht war es das beste Spiel, welches Filus im Trikot vom TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell auf die Platte gebracht hat. Auf jeden Fall ein Topspiel. Der 37-jährige Abwehrspezialist zeigte sich nachher ebenfalls komplett zufrieden mit seinen Spielen, zumal er aus privaten Gründen nur noch vergleichsweise selten trainieren kann. Für dieses Final-Turnier hat er aber extra eine Woche intensives Training in Düsseldorf eingeschoben und wollte nochmals beweisen, was er draufhat. Das ist ihm ausgezeichnet gelungen. "Ich habe alles reingeschmissen. Das waren so lange Ballwechsel, es gab ja keinen einfachen Ball. Ich habe selbst bis zum letzten Punkt nicht daran geglaubt", sagte Filus später und verriet, dass er sogar selbst zwischendurch Gänsehaut hatte. Sein Einzelsieg bedeutete das zwischenzeitliche 1:1 gegen Saarbrücken. Übrigens sein erster Einzelsieg gegen Franziska nach 14 Jahren - wie die Statistiker feststellten.Viele Fans hatten die Osthessen nach Neu-Ulm begleitet. "Wir sind mit 52 Leuten in einem Bus angereist. Ich bin grundsätzlich optimistisch, ein bisschen Glück und die Tagesform gehören dazu", hatte der Fanbeauftragte Frank Wirthmann vor dem ersten Ballwechsel beim Weißwurst-Frühstück noch gesagt. Dem Schmankerl am Buffett sollte abends eine Sektdusche in der Kabine folgen. Auch der Busfahrer hatte den Pokalsieg eingeplant, wie Uwe König mit einem Augenzwinkern erzählte.
"Irgendwann gehen wir den nächsten Schritt"
Osthessens Topspieler Cheng-Jui Kao fehlte verletzungsbedingt. TTC-Präsident Stefan Frauenholz war trotzdem stolz auf seine Mannschaft: "Das war eine super Veranstaltung. Wir sind zum fünften Mal Vize-Pokalsieger. Es waren viele Fans mit, die es nicht bereut haben", sagte Frauenholz. Und schiebte auf entsprechende Nachfrage von O|N-Chefreporter Hans-Hubertus Braune ob des ewigen "Zweiten" nach: "Irgendwann werden wir den nächsten Schritt gehen wollen".Wer weiß, vielleicht lockt Fan Zhendong mit seiner Anwesenheit in Deutschland noch mehr Topspieler in die deutsche Bundesliga. Der Pokal-Sonntag hat gezeigt, was möglich ist. Der Ligaalltag ist natürlich die andere Medaille und bedarf sicher noch einiger Optimierung. Die Richtung stimmt jedenfalls. (Hans-Hubertus Braune) +++
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