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6.000 Besucher und 700 Mitwirkende

Annotopia: Die Geschichte vom größten Fantasy-Festival Deutschlands

Feen ziehen durch den Schlosspark, Piraten treffen auf motorisierte Steampunks, Endzeit-Krieger auf Helden aus fernen Welten.
Archivfotos: O|N/Mathias Schmidt

07.10.2026 / ROTENBURG/F. - Feen ziehen durch den Schlosspark, Piraten treffen auf motorisierte Steampunks, Endzeit-Krieger auf Helden aus fernen Welten: Wenn Annotopia in Rotenburg an der Fulda (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) Station macht, ist für ein Wochenende nur wenig so, wie man es sonst aus dem Schlosspark kennt. Tausende Besucher kommen inzwischen für das größte Fantasy-Festival Deutschlands in die Fuldastadt. Dabei begann die Geschichte vor einigen Jahren mit einem Experiment - und der Frage, ob ein solches Konzept in Deutschland überhaupt funktioniert.



Einer, der die Entwicklung von Anfang an begleitet hat, ist Dominik Klima, Geschäftsführer von noah entertainment. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erzählt er, wie die Idee aus den Niederlanden nach Deutschland kam, warum Rotenburg zu den ersten Standorten gehörte und weshalb gerade die Mischung für ihn den Reiz von Annotopia ausmacht. Noah entertainment ist ein Veranstaltungsunternehmen aus Ostwestfalen. Annotopia ist inzwischen das größte Projekt des Unternehmens und wird an sechs Standorten in Deutschland veranstaltet. Rotenburg nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Bereits 2018 gehörte die Stadt zu den ersten beiden Standorten des Festivals.

Die Idee kam aus den Niederlanden

Ganz aus dem Nichts entstand die Idee für Annotopia nicht. Die Wurzeln reichen bis in die Mittelalterszene zurück. "Wir hatten mal Lust auf was Neues", erzählt Klima. Bereits vor fast 20 Jahren habe das Unternehmen mit einem Mittelalterfest begonnen. Später sei man auf Fantasy-Festivals in den Niederlanden aufmerksam geworden, bei denen verschiedene fantastische Welten mit Elementen klassischer Mittelaltermärkte verbunden wurden. Gemeinsam mit einem Künstlerkollegen schaute sich das Team eines dieser Festivals selbst an. Die Wirkung ließ offenbar nicht lange auf sich warten. "Wir waren total geflasht von diesem Fest und haben gedacht: Eigentlich müsste man das in Deutschland auch mal versuchen", erinnert sich Klima.

Ob das Konzept hierzulande genauso gut ankommen würde, wusste damals niemand. Trotzdem entschied sich das Team, es zu versuchen. "Wir haben uns dann einfach getraut", sagt Klima. Nun fehlten nur noch die passenden Orte. Dafür schrieb noah Entertainment gezielt Schlösser und Burgen an. Schließlich sollte nicht irgendeine Wiese zur Kulisse werden. "So ein Fest lebt halt von der Atmosphäre", betont der Geschäftsführer. Rotenburg war einer der Orte, an denen die Idee auf offene Ohren stieß. 2018 ging Annotopia dort schließlich erstmals an den Start.

Vom kleinen Anfang zum großen Festival

Wer das heutige Annotopia kennt, hätte die Veranstaltung in ihren Anfangsjahren vermutlich kaum wiedererkannt. "Ganz so groß sind wir nicht gestartet", so der Geschäftsführer. Zunächst spielte sich das Geschehen nur in einem Teil des Schlossparks ab. Der Bereich in Richtung Fulda, in dem heute unter anderem die Endzeit-Darsteller ihre Welt aufbauen, kam erst später dazu. Dann bremste die Corona-Pandemie die Entwicklung zunächst aus. Ein Jahr musste das Festival pausieren, 2021 ging es unter umfangreichen Auflagen weiter. Im Rückblick wurde gerade dieses Jahr jedoch zu einem wichtigen Punkt in der Entwicklung von Annotopia.

"Da hat sich tatsächlich ausgezahlt, dass wir 2021 das Festival durchgezogen haben, weil wir eine der wenigen waren, die solche großen Outdoor-Veranstaltungen gemacht haben", erinnert sich Klima. Das Festival habe dadurch noch einmal "einen richtigen Schwung bekommen". Die mediale Aufmerksamkeit nahm zu, ebenso die Zahl der Besucher - und nach und nach kamen weitere Standorte hinzu.

Rund 700 Mitwirkende und 6.000 Besucher

Welche Dimension das Festival mittlerweile erreicht hat, zeigt ein Blick auf die jüngste Ausgabe in Rotenburg. Rund 700 Mitwirkende waren dort nach Angaben des Veranstalters dabei. "Das ist auch so die Zahl an den meisten Standorten, wobei Rotenburg schon einer der größeren Standorte ist", erklärt Klima gegenüber O|N. Dazu kamen an den zweieinhalb Festivaltagen rund 6.000 Besucher. Es hätten durchaus mehr sein können - wenn das Wetter mitgespielt hätte. Vor allem der Freitag fiel buchstäblich ins Wasser. "Wir hatten schon mal mehr in Rotenburg, aber es ist ungefähr das gleiche Ergebnis wie letztes Jahr." Auch OSTHESSEN|NEWS war an dem Wochenende Anfang September vor Ort und berichtete.

"Wenn man ein Jahr verpasst hat, kann man es im nächsten nicht nachholen"

Dass Besucher wiederkommen, soll allerdings nicht bedeuten, dass sie jedes Jahr dasselbe vorfinden. Genau das versucht das Team nämlich zu vermeiden. "Es ist jedes Jahr anders. Wenn man ein Jahr verpasst hat, dann kann man es im nächsten Jahr eigentlich nicht nachholen." Dafür wird nicht nur am Programm gearbeitet. "Es gibt immer wieder neue Sachen, denn wir versuchen immer, das Gelände neu zu gestalten." Neue Darsteller kommen hinzu, andere Bereiche verändern ihren Platz. Wer das Festival schon kennt, soll trotzdem wieder etwas entdecken können. Mittelalter und Fantasy stehen neben Steampunk und Endzeit, dazwischen gibt es Musik, Walking-Acts und Darsteller mit teils aufwendig gestalteten Kostümen und Figuren. "Man trifft halt auf Sachen, die man eigentlich sonst nirgendwo findet."

Auch ohne Fantasy-Faible gibt es viel zu entdecken

Das Festival soll deshalb nicht nur Menschen ansprechen, die mit "Fluch der Karibik","Waterworld" oder "X-Men" etwas anfangen können. Auch Besucher, die mit dem Genre bislang wenig Berührung hatten, sollen im Schlosspark auf ihre Kosten kommen. "Ich behaupte einfach, dass für jeden - egal ob Fantasy-Fan oder nicht - etwas dabei ist", betont Klima gegenüber O|N. Die Bandbreite reicht etwa vom Endzeitbereich mit seinen Fahrzeugen bis zu Angeboten speziell für Kinder und Familien. Gerade diese Gegensätze gehören für den Veranstalter zum Konzept. "Da findet jeder so sein persönliches Highlight und auch etwas, woran er Freude hat. Die Vielfalt macht es einfach so besonders. Und die wird auf jeden Fall immer gegeben sein."

Early-Bird-Tickets für 2027 im Verkauf

Der nächste Termin steht auch schon fest: Vom 3. bis 5. September 2027 zieht Annotopia wieder in den Rotenburger Schlosspark ein. Der Vorverkauf für die kommende Saison läuft bereits. Seit Samstag, 3. Oktober 2026, 12 Uhr, sind die Tickets erhältlich. Zum Start werden für die sechs Veranstaltungsorte die ersten 2.000 Tickets zu vergünstigten Early-Bird-Preisen angeboten. Das Angebot gilt, solange das Kontingent reicht, längstens jedoch bis zum 15. November 2026. 2027 gastiert Annotopia neben Rotenburg in Bad Mergentheim, am Schloss Marienburg bei Hannover, am Schloss Augustusburg in Sachsen und an der Burg Vischering in Lüdinghausen. Erstmals dabei ist Schloss Neuhaus in Paderborn. Die vergünstigten Tickets gibt es ausschließlich im Online-Ticketshop.

Der nächste Meilenstein ist schon in Sicht. 2028 feiert das Festival sein zehnjähriges Jubiläum - und dafür hat der Veranstalter offenbar bereits Ambitionen: "Da wird sicherlich nochmal versucht alles zu toppen." Was das sein könnte, hat uns Klima noch nicht verraten. Erst einmal steht die neunte Ausgabe bevor. Anfang September 2027 wird der Schlosspark also wieder zu einem Ort, an dem Feen, Piraten, Steampunks und Endzeit-Darsteller ganz selbstverständlich nebeneinander unterwegs sind - und an dem man für ein paar Tage aus dem stressigen Alltag entfliehen kann.
(Mathias Schmidt) +++

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