Seit Tagen "restlos ausverkauft"

Eklipse sorgt für Ansturm: Schutzbrillen in Osthessen heiß begehrt

Wer solch eine Brille noch bekommen hat, kann sich wohl glücklich schätzen.
Foto: picture alliance/dpa | Katharina Kausche

12.08.2026 / REGION - Heute lohnt sich in Osthessen der Blick zum Abendhimmel! Der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne und verdeckt einen großen Teil der Sonnenscheibe. In Osthessen ist die Sonnenfinsternis allerdings nur partiell zu sehen - die Sonne verschwindet also zu keinem Zeitpunkt vollständig.



Für Fulda beginnt die Finsternis gegen 19:19 Uhr. Ihren Höhepunkt erreicht sie etwa um 20:12 Uhr. Dann ist ein sehr großer Teil der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt. Da das Ereignis kurz vor Sonnenuntergang stattfindet, ist ein Beobachtungsplatz mit möglichst freier Sicht Richtung Westen beziehungsweise Nordwesten besonders wichtig. Mehr Informationen finden Sie, liebe Leser, in unserer großen O|N-Übersicht.

Warum ist der Blick in die Sonne so gefährlich?

Auch wenn der Mond fast die gesamte Sonne verdeckt, bleibt der sichtbare Teil der Sonnenoberfläche extrem hell. Genau darin liegt eine Gefahr: Die Infrarotstrahlung kann die Netzhaut im Auge schädigen. Das Tückische daran ist, dass die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt. Eine Schädigung muss deshalb im Moment des Hineinschauens nicht wehtun - trotzdem können anschließend Sehprobleme auftreten und Schäden dauerhaft bleiben.

Eine normale Sonnenbrille reicht dafür nicht aus. Selbst sehr dunkle Sonnenbrillen lassen noch viel zu viel Sonnenstrahlung durch. Für die direkte Beobachtung einer partiellen Sonnenfinsternis ist deshalb ein spezieller Sonnenfilter erforderlich.

Was macht eine Sonnenfinsternisbrille anders?

Eine echte Sonnenfinsternisbrille besitzt eine spezielle Filterfolie. Sie ist um ein Vielfaches stärker als eine gewöhnliche Sonnenbrille und reduziert die intensive Sonnenstrahlung so weit, dass die Sonne sicher direkt betrachtet werden kann. Geeignete Sonnenbeobachtungsbrillen sollten der internationalen Norm ISO 12312-2 entsprechen. Vor der Benutzung sollte die Folie auf Kratzer, Löcher oder andere Beschädigungen kontrolliert werden. Ist sie beschädigt, sollte die Brille nicht mehr verwendet werden. Selbst gebastelte Filter, CDs, Rettungsdecken oder mehrere übereinandergelegte Sonnenbrillen sind kein sicherer Ersatz. Besondere Vorsicht gilt außerdem bei Ferngläsern, Teleskopen und Kameras: Sie bündeln das Sonnenlicht zusätzlich. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen macht den Blick durch solche Geräte nicht sicher. Hierfür benötigt man einen dafür vorgesehenen Sonnenfilter vor dem Objektiv.

Ansturm auf die Optiker

Dass für die sichere Beobachtung eine spezielle Sonnenfinsternisbrille benötigt wird, ist offenbar vielen Menschen in der Region bewusst. Bei den Optikern in Osthessen laufen die Telefone bereits seit Tagen heiß. Vielerorts ist die Nachfrage inzwischen deutlich größer als das Angebot. Bei Sedelmayr Optik und Akustik in Hünfeld etwa sind die begehrten Schutzbrillen bereits seit Samstag ausverkauft. "Mit dieser Nachfrage haben wir nicht gerechnet. Seit vergangenem Freitag, also seitdem das Thema in den Medien aufkam, ist der Ansturm ungebrochen", erklärt Filialleiter Jan Hoßfeld gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Auch Hoßfeld warnt: "Die Brillen sind speziell dafür ausgelegt. Eine Rettungsdecke, eine Schweißerschutzbrille oder geruste Gläser bringen da absolut nichts und sind keine Alternativen."

Ähnlich sieht es bei Optik Wachter in Fulda aus. "Die Nachfrage ist seit Ende letzter Woche - sowohl in Person als auch am Telefon - einfach enorm. Wir sind seit letzter Woche auch restlos ausverkauft", erklärt Michael Wachter gegenüber O|N. Der ein oder andere Anrufer sei demnach auch schon ungehalten gewesen. "Das Problem ist, dass es aus unternehmerischer Sicht schwierig ist, die Nachfrage vorab abzuschätzen. Es ist wie bei Konzerten: Die Leute warten immer auf die letzte Minute und dann ist der Aufschrei riesig."

Übrigens: Unsere telefonische Anfrage sei bei Sedelmayr die erste seit Tagen gewesen, bei der es nicht um die eine Frage ging, die derzeit offenbar die ganze Region beschäftigt: "Haben Sie noch eine Brille für mich?" (ms) +++

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