Von Christina Lander

Nachgedacht im Mai - Zwischen Himmel und Erde

Christina Lander ist Autorin bei OSTHESSEN|NEWS für die Serie NACHGEDACHT.
Archivfoto: O|N/Hendrik Urbin

09.05.2024 / REGION - Beinahe geht es unter, wenn man es sich nicht wirklich als Christ bewusst macht: Laut Bibel verweilt Jesus trotz seines Todes noch 40 Tage zwischen den Menschen, wohl besser zwischen Himmel und Erde. Erst am heutigen Donnerstag feiern wir Christi Himmelfahrt und er geht laut christlichem Glauben vollends zurück zu Gott in den Himmel. Der Korintherbrief und andere Glaubenszeugnisse sprechen bis dahin immer wieder nach seiner Auferstehung von Erscheinungen Jesu: Er erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich, dann erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. 



Es ist, als ob Gott mit dieser symbolträchtigen Zeit der 40 Tage noch einmal den Menschen sein letztes Angebot macht und ihnen noch ein letztes Mal die Chance gibt, zu glauben. Zu glauben, dass Jesus Gott in der Mitte der Menschen war, dass er beispiellos gezeigt hat, wie Gott zwischen den Menschen seine volle Entfaltung findet, nämlich in Liebe, Toleranz und Mitgefühl.

Gott gibt auch nach den 40 Tagen nicht auf, um den Menschen zu werben, um den Menschen auf einen Weg zum Reich Gottes zu führen, indem er weitere zehn Tage später den Heiligen Geist sendet. So kann er mit den Menschen auch über den Tod Jesu in Kontakt bleiben, obwohl er bereits mit Jesus den Menschen das größte Geschenk gemacht hat. Sie wissen durch ihn, worauf es ankommt, sie wissen endlich, was Leben spendet und was mit diesem Reich Gottes gemeint ist:

In diesem Reich steht die Würde des Menschen an oberster Stelle, denn es ist kein Reich der Angst und des Schreckens, sondern ein Reich, in dem alle krankmachenden, hoffnungslosen und beängstigenden Seiten des Lebens ausgelöscht sind. Jesus durchbricht die Gesetze der Erfahrung: Der Einsame wird nicht einsamer, der Kranke nicht kränker, der Hoffnungslose nicht hoffnungsloser. Jesus protestiert gegen das, was scheinbar nicht zu ändern ist. Und genau so spendet er Hoffnung und neues Leben.

Wir Menschen haben einen großen Anteil daran, denn durch die Ausstattung mit dem Hl. Geist liegt unsere große Aufgabe darin, die Sache Jesu in unseren Möglichkeiten weiterzuführen: Das bedeutet, sich nicht zu isolieren, sich nicht von der Welt abzuschotten und sie aufzugeben, sondern für die Welt und für andere eine Bereicherung zu sein. Das ist eine lebenslange und schwierige Aufgabe, aber nur so können wir nach Jesu Leben gegen Unrecht, Unfreiheit und eine schwierige Umwelt protestieren und das Reich Gottes bereits in dieser Welt erfahren. (Christina Lander) +++

X