"What a night, what a fight!"
Mehr als 600 MMA-Fans feiern spektakuläre Breakout Fight Night
Fotos: Philipp Akviros
08.11.2026 / BAD HERSFELD -
14 Kämpfe, knapp sechs Stunden Kampfsport und Entertainment, jede Menge Adrenalin und eine Schilde-Halle im Ausnahmezustand: Der MMA Fight Club Bad Hersfeld hat mit seiner ersten Breakout Fight Night ein eindrucksvolles Ausrufezeichen gesetzt. Mehr als 600 Zuschauer erlebten einen Abend zwischen sportlicher Höchstleistung, internationalem Kampfsportflair und einer aufwendig inszenierten Show.
Samstagabend in Bad Hersfeld. Schon vor dem ersten "Ready and Go" ist klar, dass sich hier die MMA-Community zu einem besonderen Stelldichein versammelt hat. Man kennt sich, begrüßt alte Bekannte, fachsimpelt über Kämpfer und Gyms. Team-Shirts, Vereinsfarben und angereiste Fangruppen prägen das Bild. Die Schilde-Halle wird zum Treffpunkt einer Szene, die an diesem Abend ganz offensichtlich auf ihre Kosten kommen soll.
Zehn Amateurkämpfe als intensiver Auftakt
Die ersten zehn Begegnungen gehören den Amateuren. Drei Runden, jeweils drei Minuten, stehen für die Nachwuchs- und ambitionierten Kämpfer auf dem Programm. Dabei geht es um Wettkampferfahrung, technische Entwicklung und die Bewährungsprobe vor einer großen Kulisse.Auch nach der Pause bleibt die Intensität hoch. Khosshal Niazi beendet seinen Kampf gegen Muhammed Ali durch K.o. in der zweiten Runde. Jan Harpeng setzt sich gegen Said Omairat durch, Mehdi Can Cemalioglu gewinnt gegen Atilla Aksöz. Khamzat Tataev entscheidet die Begegnung mit Iddrusu Luqmann für sich. Die Amateurkämpfe bieten einen abwechslungsreichen Einstieg in den Abend. Dabei wird deutlich, wie viel Technik und taktisches Verständnis hinter den vermeintlich wilden Schlagkombinationen stecken.
Dann gehört die Bühne den Profis
Auf diesen Moment hat das Publikum gewartet. Mit den Profikämpfen zieht noch einmal eine andere Dynamik in den Octagon ein. Die Runden dauern jetzt jeweils fünf Minuten, das technische Spektrum ist umfangreicher. Präzise Schlagkombinationen, schnelle Positionswechsel, Clinch-Arbeit und anspruchsvolle Bodenkampfsequenzen verlangen den Athleten körperlich wie mental alles ab.MMA, Mixed Martial Arts, vereint unterschiedliche Kampfkünste wie Boxen, Kickboxen, Muay Thai, Ringen und Brazilian Jiu-Jitsu. Entscheidend ist nicht allein die Schlagkraft. Wer im Octagon bestehen will, braucht ein vielseitiges Repertoire aus Standkampf, Takedowns, Grappling und Bodenkontrolle. Eine Aufgabe durch Hebel oder Würgegriff, ein Knockout, ein technischer Kampfabbruch oder eine Punktrichterentscheidung können über Sieg und Niederlage entscheiden. Einen klassischen Schultersieg wie beim Ringen gibt es dagegen nicht.
Wie anspruchsvoll die Versorgung der Athleten zwischen den Runden ist, zeigt sich auch in den Ecken. Cutman Ulf und seine Kolleginnen haben alle Hände voll zu tun. Ein Cutman oder auch Cutwoman kümmert sich während der Kampfpausen um Platzwunden und andere Verletzungen im Gesichtsbereich, um die Kämpfer bestmöglich für die nächste Runde vorzubereiten.
Einer der besonders erwarteten regionalen Auftritte gehört Obaida Akkari. Der Bad Hersfelder bringt bereits drei Profikämpfe mit, zwei davon konnte er gewinnen. Sein Kontrahent Bilal Saliev reist mit einer makellosen Bilanz an. Akkari hatte sich im Vorfeld selbstbewusst und gut vorbereitet gezeigt. Im MMA zählt allerdings am Ende allein die Leistung im Käfig.
Für internationales Flair sorgt auch die Begegnung zwischen Hisir Ozdoev und dem Brasilianer Elicarlos Pinheiro. Der Südamerikaner kann auf knapp 40 Kämpfe zurückblicken und stand nach Angaben von Markus Addison bereits Athleten gegenüber, die heute in der UFC antreten. Ozdoev, mit sieben Profikämpfen und sechs Siegen in seiner bisherigen Bilanz, muss sich auf einen erfahrenen Gegner einstellen. Seine Vorbereitung war denkbar kurz. Erst am Sonntag hatte er von der Begegnung erfahren, nachdem er selbst noch im Oktober im Wettkampf gestanden hatte.
Nach anfänglichem gegenseitigem Abtasten und tänzelnden Bewegungen findet Ozdoev schneller zu seinen Rhythmus. Dann setzt er die entscheidenden Treffer. Nach gerade einmal zwei Minuten und 20 Sekunden ist Schluss. Sieg durch Knockout für den Kämpfer, der sich damit eindrucksvort in Szene setzt.
Das große Finale: Titelkampf mit brasilianischem Temperament
Der dramaturgische Höhepunkt gehört dem Main Event. Im Kampf um den Titelgürtel und die Krönung des ersten Breakout-Fight-Night-Champions stehen sich Hamza Drafat aus Düsseldorf und der Brasilianer Fhabio Henry gegenüber.Die Anfeuerungsrufe für Henry kommen auf Portugiesisch von den Rängen. Die Fangemeinden beider Kämpfer machen lautstark und unmissverständlich deutlich, auf welcher Seite sie stehen. Beide Kontrahenten gehen ohne langes Abtasten zur Sache. Kaum hat der Ringrichter den Kampf freigegeben, entwickelt sich ein schneller, intensiver Schlagabtausch. Die Fäuste fliegen, die Distanz wird immer wieder neu gesucht.
Es ist zugleich der erste Profikampf des Abends, der über die erste Runde hinausgeht. Drafat wirkt zunehmend zielstrebiger, setzt die wirkungsvolleren Treffer und verschafft sich Vorteile. Henry hält dagegen, sucht seine Chancen und lässt sich auch in der dritten Runde nicht abschütteln. Die Anfeuerungsrufe werden lauter, die Spannung in der Halle steigt.
In Runde vier wendet sich das Blatt endgültig gegen den Brasilianer. Drafat landet weitere harte Treffer, Henry gerät zunehmend unter Druck. Noch bevor der Ringrichter den Kampf selbst abbricht, kommt das Handtuch aus der Ecke des Brasilianers. Das Zeichen ist eindeutig: Der Kampf ist beendet. Hamza Drafat gewinnt den Titelkampf. Der erste Champion der Breakout Fight Night steht fest.
Zwischen sportlicher Faszination und körperlicher Härte
So mitreißend die Begegnungen sind, die körperliche Härte des MMA lässt sich nicht ausblenden. Treffer sitzen, Körper prallen auinander, Gesichter tragen mitunter deutliche Spuren davon. Nicht jeder Moment ist angenehm anzusehen. Die Grenze zwischen sportlicher Faszination und Brutalität bleibt ein Spannungsfeld dieser Disziplin.MMA allerdings auf seine härtesten Momente zu reduzieren, würde dem Sport nicht gerecht. Hinter den spektakulären Aktionen stehen jahrelanges Training, körperliche Fitness, taktisches Verständnis und mentale Stärke. Ein verbindliches Regelwerk, erfahrene Ringrichter, medizinische Kontrollen und die Möglichkeit, einen Kampf jederzeit abzubrechen, bilden den Rahmen. Nicht immer entscheidet der härteste Schlag. Oft sind es das bessere Timing, die überlegene Position oder die Fähigkeit, auch unter maximalem Druck einen kühlen Kopf zu bewahren.
Eine Organisation, die abgeliefert hat
Dass die erste Breakout Fight Night organisatorisch so reibungslos über die Bühne geht, ist kein Zufall. Markus Addison vom MMA Fight Club Bad Hersfeld und sein Team haben über Monate hinweg auf diesen Abend hingearbeitet. Von der Kampfplanung über die technische Inszenierung bis zum Ablauf in der Halle greift ein Rädchen ins andere. Die Zuschauer bekommen ein professionell organisiertes Sportevent, das sich in seiner Dramaturgie durchaus an größeren Kampfsportveranstaltungen orientiert.Am Ende des Abends fällt Markus Addison sichtbar ein Stein vom Herzen. Die Anspannung der vergangenen Monate weicht der Erleichterung. Sein Dank gilt den zahlreichen Helferinnen und Helfern sowie den Sponsoren, die diesen Abend erst möglich gemacht haben. Besonders hebt er seine Familie hervor. Sie habe ihn während der monatelangen Vorbereitung stets unterstützt und sei eine unverzichtbare Stütze gewesen. Ohne diesen Rückhalt, so Addison, wäre die Veranstaltung nicht möglich gewesen.
Bad Hersfeld kann auch Octagon
Was bleibt, ist mehr als die Erinnerung an 14 Kämpfe und einen Titelträger. Die erste Breakout Fight Night hat gezeigt, dass Bad Hersfeld ein begeisterungsfähiges Publikum auch für Sportformate abseits der klassischen Vereins- und Ballsportarten besitzt. Mehr als 600 Zuschauer, überregionale Beteiligung, internationale Begegnungen und eine lebendige Fangemeinde sprechen eine deutliche Sprache. Knapp sechs Stunden Kampfsport und Entertainment, schweißtreibende Duelle, spektakuläre Knockouts und eine Halle, die ihre Athleten lautstark feiert. Der Octagon war an diesem Abend Wettkampfstätte und große Bühne zugleich."What a night, what a fight!" Der Schlachtruf hätte kaum treffender sein können. Markus Addison und der MMA Fight Club Bad Hersfeld haben mit ihrer ersten Breakout Fight Night eine echte Duftmarke gesetzt. "Fight Hard, Fight Fair": Bad Hersfeld kann auch Kampfsport. Und wie! (Jürgen Böthig) +++