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Aus der Praxis entwickelt

Stadt Bebra setzt bei der Feuerwehr auf digitale Einsatzführung mit "Lagestand"

Die Feuerwehr Bebra arbeitet künftig mit einem digitalen Lagestand
Fotos (4): Philipp Apel

07.11.2026 / BEBRA - Die Stadt Bebra setzt bei ihrer Freiwilligen Feuerwehr auf "Lagestand", eine digitale Einsatzführungssoftware aus Bebra. Für die Stadt haben Bürgermeister Stefan Knoche und Erster Stadtrat Friedhelm Claus den Lizenzvertrag unterzeichnet.



Am Dienstag folgte die Unterschrift von Luis Beisheim, Geschäftsführer der Beisheim Immobilienservice GmbH und Entwickler des Systems, im Beisein von Bürgermeister Knoche und Stadtbrandinspektor Mike Heckroth. Luis Beisheim ist selbst aktiver Feuerwehrmann und kennt die Abläufe im Einsatz aus eigener Erfahrung.

Im Einsatz laufen in kurzer Zeit viele Informationen zusammen: Welche Fahrzeuge sind alarmiert und an der Einsatzstelle? Wie viele Einsatzkräfte sind vor Ort, und wer geht unter Atemschutz vor? Was wurde nachgefordert, und was wurde wann an die Leitstelle gegeben? Lagestand führt diese Angaben in einem gemeinsamen Lagebild zusammen. Es steht am Rechner im Einsatzleitwagen, im Gerätehaus und auf den Tablets der Fahrzeuge zur Verfügung.

Alarmiert wird weiterhin über die Zentrale Leitstelle Hersfeld-Rotenburg. Lagestand übernimmt Einsatzdaten und Fahrzeugstatus aus dem angebundenen Alarmierungssystem, nur lesend und ohne dass jemand sie abtippen muss. Jeder Eintrag wird mit Uhrzeit festgehalten und angehängt statt überschrieben. So entsteht ein großer Teil des Einsatztagebuchs nebenbei. Eine digitale Lagekarte zeigt Lagesymbole, Schlauchleitungen und Einsatzabschnitte, dazu die Hydranten sowie Wind und Niederschlagsradar des Deutschen Wetterdienstes. Auf dem Fahrzeug-Tablet melden die Besatzungen ihre Stärke, setzen Lagemeldungen mit Foto ab und führen die Atemschutzüberwachung. Die Einsatzleitung sieht dabei mit, solange die Geräte verbunden sind. Nach dem Einsatz erstellt das System den Einsatzbericht als PDF und einen Entwurf der Abrechnungsgrundlage für den Kostenersatz.

Bei Unwetterlagen mit vielen Einsatzstellen zugleich führt Lagestand eine Auftragsliste: Einsatzstellen sichten, Fahrzeugen zuweisen, aufs Tablet schicken und Rückmeldungen verfolgen. Der Verwaltungsstab arbeitet mit eigenem Zugang in derselben Lage. Er übernimmt Einsatzstellen, die keine Feuerwehr brauchen, und führt eigene Aufträge, etwa für den Bauhof oder beauftragte Firmen. Alle Ortsteilfeuerwehren der Stadt sind in einem gemeinsamen System eingebunden. Wehrführungen und Gerätewarte pflegen dort auch Geräte und Prüffristen ihres Standorts. Für größere Schadenslagen mit vielen Verletzten ist zudem eine eigene Lageart zur Dokumentation vorbereitet, etwa wenn der Einsatzleitwagen dabei als Führungsfahrzeug eingesetzt wird.

Kindergarten-Modul Besonderheit

Eine Besonderheit ist das Kindergarten-Modul. Die städtischen Kindertagesstätten können darin täglich erfassen, welche Kinder anwesend sind. Wird ein Einsatz an der Adresse einer Kita angelegt, ordnet Lagestand die Einrichtung automatisch zu. Einsatzleitung und Fahrzeugbesatzungen gleichen dann Gruppe für Gruppe ab, welche Kinder in Sicherheit sind und ob noch jemand fehlt.

"Die Einsatzleitung und die eingesetzten Führungskräfte müssen jederzeit wissen, welche Kräfte vor Ort sind, wer unter Atemschutz arbeitet und was noch fehlt", sagt Stadtbrandinspektor Mike Heckroth. "Lagestand bündelt das auf einem Bildschirm und stellt einen einheitlichen und aktuellen Stand der Lage zur Verfügung. Was im Einsatz passiert ist, steht mit genauer Uhrzeit im Tagebuch und liegt direkt nach dem Einsatz als Bericht vor. So bleibt der Einsatzleitung und den Führungskräften mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe, die Leitung und Führung des Einsatzes."

Bürgermeister Stefan Knoche ordnet die Entscheidung ein: "Wenn es brennt oder ein Unwetter über die Stadt zieht, kommt es auf ein klares Lagebild an. Beim Starkregen 2024 hatten wir rund 200 Schadenslagen zu bewältigen, damals noch mit Papier. Künftig haben Feuerwehr und Verwaltungsstab dafür eine gemeinsame digitale Übersicht und sehen jederzeit, was gerade wo läuft. Selbst Maßnahmen, die in solchen Lagen zum Beispiel unser Bauhof übernimmt, lassen sich einbinden. Unsere Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner leisten diesen Dienst ehrenamtlich, neben Beruf und Familie. Mit Lagestand geben wir ihnen ein modernes, innovatives Werkzeug an die Hand, das aus der Feuerwehrpraxis kommt. Das ist Digitalisierung, die unseren Ehrenamtlichen im Einsatz direkt hilft und damit der Sicherheit der Menschen in unserer Stadt dient."

Bebra ist die erste Kommune, die Lagestand einsetzt. "Als Pilotkommune unterstützen wir gern dabei, das System bekannt zu machen", sagt Knoche. "Wir sehen darin einen Mehrwert für beide Seiten."

Entstanden ist Lagestand aus der Praxis. "Als aktiver Feuerwehrmann habe ich oft erlebt, wie viel im Einsatz mitgeschrieben, nachgefragt und zusammengetragen werden muss", sagt Luis Beisheim. "Daraus ist die Idee entstanden: eine Software, die den Ablauf im Einsatz vom Alarm bis zum Bericht begleitet. Viele Funktionen gehen auf Situationen zurück, die ich selbst erlebt habe, und auf Hinweise aus der Mannschaft. Ein Kindergarten-Modul wie dieses gibt es nach meiner Kenntnis in keiner anderen Einsatzsoftware. Dass die Stadt Bebra diesen Weg mitgeht, freut mich sehr."

Lagestand läuft im Browser, eine App aus dem App-Store ist nicht nötig. Für die Stadt Bebra wird ein eigenes System mit eigener Datenbank betrieben, Anwendung und Datenbank laufen auf einem Server in Frankfurt am Main. Fällt das Internet aus, arbeiten die eingerichteten Rechner im Einsatzleitwagen und im Gerätehaus weiter. Untereinander gleichen sie sich dann nur im selben örtlichen Netz ab. Jedes Fahrzeug-Tablet arbeitet für sich weiter und reicht seine Einträge nach, sobald es wieder Netz hat. Als letzte Rückfallebene, wenn alle technischen Einrichtungen ausfallen, liegen passende Papiervordrucke bereit. Lagestand ist ein unterstützendes Hilfsmittel. Es ersetzt weder die Alarmierung über die Zentrale Leitstelle noch den Sprechfunk, und die Entscheidungen im Einsatz trifft weiterhin die Einsatzleitung. Die Führungskräfte der Feuerwehr werden derzeit in das System eingewiesen.

Über Lagestand

Lagestand ist eine Einsatzführungssoftware für Freiwillige Feuerwehren. Einsatztagebuch, Lagekarte, Kräfte- und Abschnittsübersicht und die Auftragsliste einer Unwetterlage laufen in einem System: am Rechner im Einsatzleitwagen, im Gerätehaus und auf den Tablets der Fahrzeuge. Die Atemschutzüberwachung wird am Fahrzeug-Tablet geführt, die Einsatzleitung sieht mit, solange die Geräte verbunden sind. Entwickelt wird Lagestand von Luis Beisheim, aktiver Feuerwehrmann in Nordhessen. Anbieterin ist die Beisheim Immobilienservice GmbH mit Sitz in Bebra, deren Geschäftsführer er ist. Weitere Informationen unter lagestand.de. (pm/hhb) +++

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