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Kommt das Wunder?

Spendenaktion für kranke Rettungshündin

Ein Herz und eine Seele: Carolin Baumbach und die 5-jährige Hütehündin Polly.
Fotos: Christoph Blum

28.10.2026 / FULDA - Wenn sie einen Menschen findet, bellt sie und weicht nicht von seiner Seite, bis die Hundeführerin da ist. Darauf ist die fünfjährige Beauceron-Hündin Polly bei der Rettungshundestaffel Fulda in zwei Jahren ausgebildet worden. Seit einigen Wochen ist sie "krankgeschrieben" und wird über eine Sonde ernährt. Grund: In Rachen und Speiseröhre wächst ein Tumor. Mehr als 3.000 Euro Tierarztkosten hat Halterin Carolin Baumbach in den vergangenen zwei Monaten aus eigener Tasche bezahlt. Jetzt sammelt eine Staffelkollegin Spenden.



Sitz, Platz, Bleib: Polly macht alles, was man von ihr verlangt, und hat sichtlich Spaß daran. Davon konnte sich OSTHESSEN|NEWS beim Spaziergang im Schlossgarten überzeugen. Wer sie so erlebt, schwanzwedelnd und neugierig auf jeden Fremden, entdeckt auch das Halstuch. Nichts Ungewöhnliches bei einem Hund, doch bei Polly liegt darunter eine Sonde, über die die Hündin vier- bis fünfmal am Tag ihre Nahrung bekommt: 200 Milliliter Flüssigkeit pro Fläschchen werden mit einer Spritze eingeführt. Danach wird gespült und frisch verbunden. Kauen, Schmecken und genussvolles Schlingen fallen weg. "Sie lässt das über sich ergehen, als ob sie noch nie was anderes gemacht hätte", sagt Carolin Baumbach. "Das macht es aktuell einfacher."

Erst Halsentzündung, dann CT: der lange Weg zur Diagnose

Angefangen hatte alles im August. Polly verschluckte sich beim Fressen, erst immer mal wieder, dann regelmäßig. Die Tierärzte vermuteten zunächst eine Entzündung, denn die Behandlung schlug an. Doch etwa drei Wochen später kamen die Beschwerden zurück und wurden stärker. Es folgten Ultraschall, Endoskopie und Computertomografie, bis feststand: Im Rachenbereich sitzt ein großer Tumor, der sich entlang der Speiseröhre bis runter zum Mageneingang zieht. Noch am Tag der Diagnose legte eine Spezialklinik bei Aschaffenburg die Sonde. "Das Thema war ja: Wie überlebt sie überhaupt bis zum Ergebnis, wenn sie nicht fressen und nicht trinken kann?"

Diese Diagnose steht bis heute aus, Baumbach und die Klinik warten täglich auf den pathologischen Befund. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt die 45-Jährige. Vielleicht stellt sich das Gewebe doch als gutartig heraus. Selbst die Klinik wünschte sich einen Irrtum und hat ein weiteres CT kostenlos angeboten.

Keine Fährten, sondern einfach Menschen: So sucht ein Flächenhund

Zur Rettungshundestaffel kam Baumbach 2019 mit ihrem Rüden Elvis, ebenfalls ein Beauceron. "Ich wollte was Sinnvolles machen und nicht nur Hundeschule." Die französischen Hirtenhunde seien bei der Arbeit voller Eifer, zu Hause aber ruhig und familiär. Als in der Corona-Zeit das Homeoffice Raum für einen Welpen ließ, zog Polly ein und wurde ausgebildet für die Flächensuche. Anders als ein sogenannter "Mantrailer", der am Kleidungsstück eines Vermissten schnuppert und dessen Spur folgt, sucht ein Flächenhund frei im Gelände nach jeder menschlichen Witterung, ob Pilzsammler, Waldarbeiter oder Spaziergänger. Rund 30.000 Quadratmeter schafft ein Team in einer halben Stunde. "Das muss man zu Fuß erst mal schaffen, hinter jedem Baum zu schauen und unter jedem Ast." Zum Team gehören Hund, Hundeführer und ein Suchtrupphelfer mit Karte, Kompass und Funkgerät.

In ihren Prüfungen hat Polly bisher jede versteckte Person gefunden. In echten Einsätzen befand sich in ihrem Suchgebiet bisher niemand. Für Baumbach ist das eine gute Nachricht, denn auch Tote würde sie finden. Oft tauchen Vermisste jedoch lebend an ganz anderer Stelle auf. So auch nach der letzten Suche: Die Staffel war die halbe Nacht im Gelände unterwegs. Am nächsten Tag kam der Anruf, die Person sei in eine andere Stadt gefahren.

Freigestellt, aber beim Training als gute Seele dabei

Einsätze sind für Polly jetzt tabu. Der Bundesverband verbietet es, kranke Hunde ins Training oder in den Einsatz zu schicken. Mit zum Training kommt sie trotzdem, als Streicheltante, "weil sich jeder freut, wenn er sie sieht. Sie ist halt einfach nur lieb". Dabei würde sie ohne zu zögern loslegen, sagt Baumbach: "Sie will. Sie würde sofort gerne zeigen, was sie kann."

Private Hunde, private Rechnungen

Die Hunde der rund 25 ehrenamtlichen Mitglieder gehören ihren Haltern, die Tierarztkosten fallen damit auf sie zurück. Die Staffel selbst mit Sitz in Neuhof, finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge und der Bundesverband Rettungshunde zahlt für geprüfte Hunde lediglich einen jährlichen Zuschuss. Für ihre drei Hunde hat Carolin Baumbach eine OP-Versicherung. CT, Bestrahlung und was sonst noch für eine Tumorbehandlung notwendig ist, muss der Halter selbst berappen. Operiert wurde Polly bislang nicht – Baumbach musste bisher alles selbst bezahlen.

Was noch alles kommt, weiß niemand: eine Operation, ein weiteres CT, eine Therapie. "Das sind alles Sachen, die niemand übernimmt." Deshalb startete Anabel Krenzer, Freundin und Staffelkollegin, eine Spendenkampagne auf Gofundme. Für Baumbach zählt dabei jedoch nicht nur das Geld. "Es ist wirklich schön zu sehen, was dann von Leuten an Zuspruch zurückkommt, wenn man so in der Not ist. Man spürt die Wertschätzung für das was, der Hund so selbstlos leistet", sagt sie. Nach Jahren im Ehrenamt zeige ihr das, dass sie alles richtig gemacht habe. Und sie fügt am Ende hinzu: "Ich würde mein letztes Hemd für Polly geben". Jetzt braucht Polly die Hilfe von Menschen, damit sie weiter Menschenleben retten kann.

Die Staffel: BRH-Rettungshundestaffel Fulda e.V., Zellertstraße 4, 36119 Neuhof, info@rhs-fulda.de. Im Einsatz für die Landkreise Fulda und Vogelsberg, alarmiert ausschließlich über die Polizei. Wer mit dem eigenen Hund mitmachen möchte, kann ein kostenloses Schnuppertraining besuchen. (Christoph Blum) +++

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