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"Austausch statt Elfenbeinturm"

Live-Podcast im Karlchen: Wie Betroffene die Medizin der Zukunft mitgestalten

Forschung für und mit betroffenen Menschen statt im Mittelpunkt des Live-Podcasts "Digital Health Talks".
Fotos: Justin Klenner

28.10.2026 / FULDA - Wie kann Forschung und Entwicklung im Gesundheitsbereich besser an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Live-Podcasts "Digital Health Talks", der im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 am Dienstagabend im U1 im Fuldaer Karlchen stattfand. Am Beispiel eines digitalen Blindenstocks diskutierten Experten und Betroffene darüber, warum Wissenschaft nicht nur für, sondern gemeinsam mit den späteren Nutzern stattfinden sollte.


Forschung gemeinsam mit Betroffenen

Im Zentrum des Live-Podcasts stand das Prinzip der sogenannten ko-kreativen Forschung. Dabei entwickeln Wissenschaftler neue Technologien nicht allein im Labor, sondern beziehen die Menschen ein, die diese später nutzen sollen. "Der Kerngedanke ist, dass Wissenschaft nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiforscht, sondern wirklich versucht, mit den Menschen gemeinsam einen Prozess zu entwickeln", erklärte Moderator Rasmus Cloes, Leiter für Transfer und Kommunikation am BIPS, dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie.

Wie wertvoll die Perspektive von Betroffenen sein kann, wurde am Beispiel des "Smart Cane", eines digitalen Blindenstocks, deutlich. Nutzer gaben dabei häufig Rückmeldungen oder äußerten Bedürfnisse, die sich von den Funktionen unterschieden, die Forscher zunächst für sinnvoll hielten. "Es kann sein, dass man als Wissenschaftler denkt, man braucht einen digitalen Blindenstock, der vibriert. Dann sagen die Leute aber, dass es sie nur irritiert", beschrieb Cloes.

Austausch statt Elfenbeinturm

Auf der Bühne diskutierten die Fuldaer Wissenschaftler Dr. Monika Wiechers und Prof. Dr. Martin Kumm gemeinsam mit Lea Widmer, der Vorsitzenden des Beirats der Menschen mit Behinderung der Stadt Fulda. Widmer begleitet das Projekt aus der Sicht einer sehbehinderten Nutzerin und bringt ihre Erfahrungen in die Entwicklung ein. "Die Forschenden können sich an mich wenden, wenn sie Fragen haben", erklärte sie.

Das Format eines Live-Podcasts mit Publikum wurde bewusst gewählt. Die Veranstalter wollten nicht nur Forschung präsentieren, sondern auch den direkten Austausch mit den Bürgern ermöglichen. "Gerade in Zeiten von Wissenschaftsskepsis ist es wichtig, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen", betonte Moderator Cloes. Nach der Podiumsdiskussion erhielt schließlich auch das Publikum die Gelegenheit, Fragen und Anregungen einzubringen. Ziel sei es, "den Elfenbeinturm etwas weiter zu öffnen" und Wissenschaft stärker in die Gesellschaft hineinzutragen.

Bereits zum vierten Mal fand der Live-Podcast im Rahmen einer fünfteiligen Reihe während des Wissenschaftsjahres statt. Die bisherigen Veranstaltungen beschäftigten sich unter anderem mit der Frage nach Social-Media-Verboten für Kinder und Jugendliche sowie mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Dabei wurde deutlich, dass digitale Technologien sowohl große Potenziale als auch Herausforderungen mit sich bringen. "Wir kennen beide Seiten: die Vorteile und die Schattenseiten der Digitalisierung", so Cloes. (jk) +++

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