Zehnter Frauenort in Fulda
Engagiert für Inklusion: antonius-Gründerin Maria Rang erhält Blaue Bank
Fotos: Ralph Leupold
26.10.2026 / FULDA -
Gütig, gelassen und würdevoll wirkt Maria Rang auf dem einzigen Foto, das von ihr erhalten ist. Dabei haben wir es hier mit einer echten Kämpferin zu tun. Das wurde bei der Einweihung einer "Blauen Bank" zu ihren Ehren durch den Soroptimist International Club Fulda deutlich.
Neun sogenannte Blaue Bänke lenken in Fulda den Blick auf das oft unsichtbare Wirken von Frauen für unsere Stadtgesellschaft. Die zehnte dieser öffentlichen Sitzbänke stellte der "Soroptimist International (SI) Club Fulda" am Samstag, 24. Oktober 2026, auf – und zwar am Severiberg 1 vor dem antonius LadenCafé. Anlass für die Aktion waren das 20-jährige Bestehen des SI Clubs Fulda sowie das bevorstehende 125-jährige Jubiläum von antonius.
Um Maria Rang und ihre Gedenkbank zu feiern, waren rund 80 Gäste in die Severikirche gekommen. Neben Dutzenden Soroptimistinnen – auch aus Schweden und England – waren Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Fulda und von antonius sowie aus Bürgerschaft, Kirche und Politik dabei. Die antonius Band spielte unter der Leitung von Julian Schnorr, und Eva-Maria Helfrich, Präsidentin des Soroptimist International Club Fulda, führte durch die Veranstaltung.
"Maria Rang ist ein Vorbild für Mut, Verantwortung und Engagement", würdigte antonius Prokuristin Michaela Lengsfeld die außergewöhnliche Bürgerin bei ihrer Laudatio. "Sie war ihrer Zeit weit voraus und glaubte daran, dass jeder Mensch Würde, Talente und ein Recht auf Teilhabe besitzt. Wo andere Grenzen sahen, sah sie Möglichkeiten – diese Haltung prägt unsere Arbeit bei antonius noch heute."
Staatssekretär und Bundestagsabgeordneter Michael Brand lud dazu ein, beim Anblick der Maria-Rang-Bank stets kurz innezuhalten und sich zu fragen, wie man selbst mehr Menschlichkeit leben könne. Die Arbeit von antonius nannte er eine "Erfolgsgeschichte", weil sie Menschen echte Teilhabe ermögliche. "Diese Vielfalt allerdings sehe ich in diesen Tagen durch bestimmte politische Kräfte gefährdet.
Deshalb möchte ich heute ausdrücklich dazu einladen, sich für Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe ganz selbstverständlich einzusetzen", lautete der Appell des CDU-Politikers. Er nahm damit Bezug auf eine Äußerung des AfD-Politikers Björn Höcke. Dieser hatte 2023 die Inklusion als – so wörtlich – "Ideologieprojekt" herabgewürdigt und gefordert, dass das Bildungssystem davon – wie er sich ausdrückte – "befreit" werden müsse.
Rainer Sippel, Vorstand der Bürgerstiftung antonius, bedankte sich herzlich beim SI Club Fulda für die Würdigung der Stiftungsgründerin: "Dies ist ein wichtiger Moment für unsere Stadtgeschichte und zugleich ein Auftrag für die Zukunft: Nur wenn die Menschen unserer Stadt die Idee von Maria Rang gemeinsam weitertragen, können wir den Stiftungsauftrag erfüllen – hoffentlich mit dem gleichen Wagemut und der gleichen Weitsicht wie sie."
Mit dabei bei der Einweihungsfeier war auch Ali Özcan mit seiner Familie. Der junge Mann arbeitet in der antonius Schreinerei und hat die Beschriftung auf der neuen Blauen Bank mit dem Motto "Jeder Mensch hat Talente" angebracht. Unterstützt hat Ali Özcan dabei eine ganz besondere handgeführte CNC-Fräse, die der Schreinerei-Mitarbeiter gemeinsam mit seinen Kollegen auf einer Holzmesse entdeckt hatte. Sein Chef Marek Saalfeld erklärt: "Das Gerät hat eine ausgefeilte digitale Technik und unterstützt Ali so, dass er das Schreinerhandwerk auf sehr hohem Niveau umsetzen kann. Man könnte sagen, sie "enthindert" ihn und gleicht Einschränkungen aus. Das ist ein typisches Beispiel für unsere Arbeit im Sinne von Maria Rang."
Und wer genau war nun Maria Rang? Selbstbewusst, energisch und ihrer Zeit voraus: Maria Rang wuchs bei ihrer früh verwitweten Mutter auf, heiratete mit 24 Jahren Ignaz Rang – den Sohn einer Juristenfamilie und Bruder des Fuldaer Oberbürgermeisters Franz Rang – und bekam fünf Kinder. Sie engagierte sich leidenschaftlich in der Sozial- und Kirchenpolitik und nutzte dabei geschickt ihre Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten der Stadt.